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Piaggio Ape

Die ersten Piaggio Ape entstehen 1948 als Dreirad-Umbauten der Vespa Motorroller

Mit seinem Motorroller Vespa landete der italienische Fahrzeughersteller Piaggio kaum ein Jahr nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs seinen ersten großen Verkaufshit. Doch die Konstrukteure des bald zum Kult-Scooter avancierten Motorrollers erkannten auch sehr früh, dass ihr neuartiges Zweiradkonzept durchaus das technische Potential zum Nutzfahrzeug hatte Weiterlesen

Die anfangs beim Roller verbauten 125 ccm Motoren sowie die Rahmenkonstruktion waren kräftig genug, um als Basis für Umbauten mit Ladefläche dienen zu können. Eigentlich musste eine Vespa dazu nur hinter der Sitzbank abgeschnitten und mit einem rechteckigen Heckrahmen versehen werden, der für die Aufnahme einer Achse mit zwei Rädern sowie einem Holzaufbau mit Ladewand geeignet war. Im Grunde handelte es sich dabei um einen fest angebauten Anhänger, der mit dem Vorderteil des Rollers verbunden wurde. Und nach genau diesem Konzept entstanden im Jahr 1948 die ersten dreirädrigen Vespas mit offener Ladefläche, die wie ihre Vorbilder mit zwei Rädern mit Beinschild und Rollerlenker, kleinem Vorderrad und einem freistehenden Rundscheinwerfer vorfuhren. Da die Verwandtschaft zwischen den zwei- und dreirädrigen Modellen bei den bis in die 1950er Jahre gefertigten ersten Fahrzeuggenerationen offenkundig war, blieben die Marketingexperten des Unternehmens auch bei der Namensfindung für das Nutzfahrzeug eng am Original. Während die Motorroller als Vespa (ital. Wespe) Karriere machten, besetzten die Ladeversionen unter der Bezeichnung Ape (ital. Biene) die Nische der dreirädrigen Arbeitsfahrzeuge, in der Piaggio seit Einführung der Ape im Jahr 1948 eine Sonderstellung einnahm.

Die Piaggio Ape entwickeln sich vom Nutzfahrzeug zum kultigen Kleinmobil

Mit einer hölzernen Ladepritsche, die gut 200 Kilogramm an Gewicht aufnehmen konnte, eroberte sich die Ape zunächst in Italien und dann auch in anderen europäischen Märkten einen Platz als Kleintransporter-Alternative. Mit ihren geringen Abmessungen konnten die bis Mitte der 1950er Jahre ohne Kabine gefertigten Dreiradroller insbesondere als Stadtlieferwagen punkten, der sich selbst dort einsetzen ließ, wo klassische Lastkraftwagen nicht durchkamen. Mit der Einführung der ersten Kabinenroller im Baujahr 1956 erweiterte Piaggio das Einsatzspektrum seines Minitransporters noch einmal. Die Ape konnten nun nicht nur eine Ladefläche für Transportgut bieten, sondern auch einen Wetterschutz ähnlich wie beim Pkw. Mit diesem Plus an Komfort sowie einem höheren Zuladegewicht stieg zugleich der Alltagsnutzen der Ape. Bald gehörte sie vor allem auf dem Heimatmarkt Italien zum allgemeinen Straßenbild, und spätestens in den 1960er Jahren hatte sich die Ape zum kultigen Kleinmobil entwickelt, das auf seine Weise ganz wie die Vespa das Lebensgefühl von Bella Italia verkörperte.

Ab den 1970er Jahren baut Piaggio das Ape-Programm weiter aus

Mit der im Jahr 1969 auf den Märkten eingeführten Ape 50, die in der Klasse der Kleinkrafträder antrat, sowie mit den für eine erhöhte Tragfähigkeit bis zu 600 Kilogramm geeigneten Pritschenmodellen der Baureihe Ape C und MP hatten die Italiener ihr Nutzfahrzeugprogramm in den 1970er Jahren nach und nach erweitert. Neben den neuen Einstiegsmodellen mit 50 ccm Hubraum gab es das Spitzenmodell Ape Car, das mit Antrieben der 216 ccm Hubraumklasse ausgestattet war. Die 1980er Jahren standen dann ganz im Zeichen des weiteren Programmausbaus. Piaggio brachte die ersten Ape mit Dieselmotoren auf den Markt, die in der Max-Version für Lasten von bis zu 0,9 Tonnen ausgelegt waren. In den 1990er Jahren feierten weitere Modellvarianten der Ape 50 ihre Premiere: Das zählten das Lifestylemobil Cross Country und die ersten vierrädrigen Piaggios der Baureihen Porter oder Quargo, die später auch als Kipper in den Handel kamen. Nach der Wende zum neuen Jahrtausend ergänzte der Hersteller die Auswahl um eine Art Motorrischka, die auf Basis der Ape im indischen Piaggio-Werk unter dem Namen Calessino als Personentransporter mit einer Kapazität für vier Passagiere in Kleinserie gefertigt wurde. Außerdem entstanden die klassischen Ape-Dreiräder nun mit unterschiedlichen Aufbauten, die das Einsatzprofil der Kabinenroller noch einmal erweitern sollten.

Die Ape 50 gibt es als Pritschen- und Kastenfahrzeug

In allen Baugenerationen seit 1948 fertigte Piaggio seinen Klassiker mit der Dreirad-Konstruktion in der traditionellen Form als Pritschenwagen mit offener Ladefläche. Die aktuelleren Ape dieser Bauart vermarktete der Hersteller dem modernen Zeitgeschmack entsprechend als Pick-up. Die Basis für den offenen Kleinlieferwagen lieferte die Ape mit 50 ccm Motor, der ausreichend Leistung zur Verfügung stellte, um eine Zuladung von bis zu 200 Kilogramm zu ermöglichen. Zweiter Klassiker im Programm der Ape 50 war die Kastenwagenversion, deren geschlossener Laderaum für bis zu 170 Kilogramm Fracht konstruiert war. Als Antrieb diente bei beiden Karosserievarianten ein Zweitaktmotor mit einem Zylinder, der einen Hubraum von 50 ccm hatte. Vorteil dieser Motorisierung: Die Ape 50 Pritschen- und Kastenfahrzeuge konnten in Deutschland mit einem Versicherungskennzeichen als Kleinkrafträder zugelassen werden und waren dadurch besonders günstig im Unterhalt.

Die stärkeren Ape TM und 400 sind für höhere Nutzlasten ausgelegt

In der Baureihe seiner Ape TM produzierte Piaggio Kasten- und Pritschenwagen, deren Konstruktion für höhere Nutzlasten ausgelegt war und die als einzige Kabinenroller von Piaggio mit einem herkömmlichen Pkw-Lenkrad anstelle des Rollerlenkers geordert werden konnten. In der Kastenvariante stellte die Ape TM einen geschlossenen Laderaum mit 2,5 Kubikmeter Volumen bereit, in dem sich 700 Kilogramm Frachtgut unterbringen ließen. Als Pick-up stand die Ape TM mit einer 2,7 Quadratmeter großen offenen Ladefläche im Programm, auf der bis zu 700 Kilogramm geladen werden konnten. In der Dieselversion präsentierte Piaggio den Pick-up Ape Classic 400, der eine Nutzlast von bis zu 800 Kilogramm bot.

Die Piaggio-Lifestylemodelle der Baureihe Ape gibt es als Zwei- und Viersitzer

Passend zum Image der Ape 50 als Kultmobil legte Piaggio eine Lifestyle-Variante des Pick-ups auf, die unter der Bezeichnung Ape Cross Country auf den Märkten eingeführt wurde. Besonderheit bei diesem Modell: Die Italiener statteten den dreirädrigen Pritschenroller mit einer auf der Ladefläche installierten Konstruktion aus, die zugleich als Überrollbügel mehr Sicherheit bieten und als Haltegestänge für die Befestigung der Ladung genutzt werden konnte. In limitierter Auflage lief der als Personentransporter gefertigte Ape Calessino vom Band, der mit einem Planenverdeck als Cabrio konstruiert war. Besonderheit der offenen Ape: Der Dreiradroller bot vier Personen Raum und lief nach Angaben Piaggios nur in einer Kleinserie von 999 Exemplaren vom Band. Damit sollte das exklusive Lifestylefahrzeug vor allem das Interesse von Ape-Sammlern wecken und die Dreiräder als PR-Modell in Erscheinung treten lassen. Zu diesem Zweck bot Piaggio außerdem individuelle Umbauten sowie spezielle Ausstattungen der Ape etwa als Kommunalfahrzeug an.

Fahrzeugbewertungen zu Piaggio Ape

2 Bewertungen

3,5