Die dritte Generation der erfolgreichen 3er-Reihe:
Das schwere Erbe der 3er-BMW-Reihe
Im August 1990 wurde der BMW E36 vorgestellt und musste ein schweres Erbe antreten: Einerseits sollte er die Erwartungen an einen 3er BMW erfüllen – BMWs rentabelste Modellreihe. Andererseits war sein Vorgänger BMW E30 ein echter Bestseller und hat bis heute eine große Fangemeinde. Manche sehen den E36 nur als Lückenbüßer zwischen dem kultigen BMW E30 und dem Nachfolger BMW E46. Dieser wurde im Februar 1998 vorgestellt und ersetzte nach und nach seinen Vorgänger. Im Jahr 2000 rollte dann nach 2,7 Mio. produzierten Fahrzeugen der letzte BMW E36 vom Band. Doch wie es sich für einen richtigen BMW gehört, setzte das Auto Anfang der 90er neue Maßstäbe in Sachen Fahrspaß und wurde trotz der anfänglichen Mängel zum Renner. Die schlanke Karosserie wurde im Vergleich zum Vorgänger etwas abgespeckt und sorgte für mehr Aerodynamik. Einige Konstruktionstechniken des E30 lassen sich beim E36 wiederfinden, zum Beispiel die Schräglenkerachse. Nur den Allradantrieb hatte der BMW E36 nicht mehr im Angebot, den gab es erst wieder beim BMW E46.
Modellvielfalt vom Touring bis zum M3
Auch in Sachen Vielfalt zog der 3er BMW mit seinem Vorgänger gleich: den Einstieg machte die Limousine (1990), es folgten Coupé (1992), Cabrio (1993), Compact (1994) und Touring (1995) sowie eine leistungsstarke BMW M3 Version, ebenfalls als M3 Coupé (1992), M3 Cabrio (1994) und M3 Limousine (1994). Mit dem BMW E36 hat die Marke das erste Mal in dieser Konsequenz so viele verschiedene Varianten produziert – entsprechend gibt es eine große Auswahl an gebrauchten BMW E36. Den Anfang machte die zweitürige Limousine, die zwei Jahre später schon von einer breiteren und flacheren Coupé-Variante abgelöst wurde, mit vielen unscheinbaren Neuerungen an der Karosserie. Ein Jahr später entstand aus dem Coupé das Cabriolet, mit besserer Schallisolation im Verdeck und einem automatischen Überschlagschutz. Relativ spät tauchte dann der Touring als Kombi-Version auf den Markt auf. Obwohl die Touring-Modelle für BMW erfahrungsgemäß das meiste Geld bringen. Diese große Modellvielfalt brauchte BMW auch, denn die Konkurrenz rüstete auf: mit dem Mercedes-Benz 190 sowie der Mercedes C-Klasse und dem Audi 80 sowie dem Audi A4. Als BMW E36 Gebrauchtwagen ist der etwas teurer BMW M3 sehr begehrt. Wer es nicht ganz so sportlich mag, der sollte nach dem 323i-Modell mit 170 PS Ausschau halten. Gerade als Limousine ist er perfekt für den Alltag geeignet, hat aber eine gute Portion Fahrspaß mit an Bord.
BMW M3 (E36) – nicht nur für die Rennstrecke
Nur zwei Jahre nach der Markteinführung legte die BMW Motorsport GmbH schon das erste M-Modell vor: das M3 Coupé. Mit einem sportlicheren Fahrwerk, leistungsstärkeren Sechszylinder-Motoren und dem Design von Pinky Lai erinnert der BMW M3 eher an die Rennstrecke. Tatsächlich sollte der M3 E36 im Vergleich zum Vorgänger eine breitere Zielgruppe ansprechen, nicht nur den Motorsport. Das zweitürige Coupé hat ein 6-Gang-Getriebe, 286 PS, 3,2 Liter Hubraum und als erstes BMW-Fahrzeug eine Doppel-Vanos. Um auf diese Motorleistung zu kommen, mussten Fahrwerk und Bremsanlage vom Vorgänger überarbeitet werden. Zwei Jahre nach Markteinführung folgten das M3 Cabrio und die M3 Limousine. Ein Highlight: Die Limousine wurde mit vier Türen angeboten und war damit lange Zeit das einzige M-Modell. Erst 2008 tauchte mit dem BMW E90 als M-Variante wieder ein Viertürer in der Reihe auf. Im Herbst 1995 machte die Leistung des BMW M3 noch einmal einen Sprung nach vorne – mit dem komplett überarbeiteten 3,2-Liter-Sechszylinder-Motor und 321 PS. Im englischsprachigen Raum trägt diese Version den Spitznamen „Evo“ oder auch „Evolution“. Im April 1999 war der Ausflug des BMW E36 in die Welt des Motorsports vorbei. Insgesamt 71.242 Fahrzeuge wurden für die M-Reihe produziert und machten sogar Porsche Konkurrenz.
E36 als Kompaktwagen, Roadster & Sondermodell
Im April 1994 stieg der BMW E36 als Compact-Variante mit 20 cm kürzerem Heck und 2 mm größerem Radstand in die Kompaktklasse ein. Anfangs noch mit Heckantenne, ein Jahr später dann mit Heckscheibenantenne. Als einziger Hersteller stattete BMW sein Modell mit einem Hinterradantrieb aus. Als 323ti-Modell mit 170 PS verspricht diese Version viel Freude auf der Straße. Die Compact-Variante wurde noch beim Nachfolger BMW E46 fortgeführt, im Dezember 2004 jedoch eingestellt, weil das Coupé des 1er BMW E87 die Sparte mit abdeckte. Genau wie im BMW Compact steckt auch im BMW Z3 sehr viel vom E36. Sogar im Innenraum sind ähnliche Teile verbaut. Der Roadster wurde von 1995 bis 2002 produziert und lief unter den internen Bezeichnungen E36/7 für das Cabrio und E36/8 für das Coupé – eine Fortführung der E36-Reihe. Zwischen 1994 und 1999 gab es noch einige Sondermodelle in geringen Stückzahlen, die teilweise nur für ausländische Märkte produziert wurden. Am bekanntesten ist das Sondermodell 318iS Class II. Die Homologationsserie umfasste 2.500 Exemplare, davon 1.000 für Deutschland. Gleichzeitig wurde der BMW M3 GT gebaut, einige optische Parallelen sind zu erkennen.
Zuverlässiger Fahrspaß von 82 bis 321 PS
Die Limousine des BMW E36 lief in München und Regensburg mit den Vierzylinder-Motoren 316i (99 PS) und 318i (113 PS) sowie den Sechszylindern 320i (150 PS) und 325i (192 PS) vom Band. Die Vierzylinder waren noch ein Überbleibsel vom BMW E30. Auf der IAA 1991 wurde dann der Turbodieselmotor 325td mit 115 PS vorgestellt. 1993 folgte im Dieselbereich der 325tds mit 143 PS, während 1995 auch ein Vierzylinder-Dieselmotor mit 90 PS eingeführt wurde. Bei den Ottomotoren bieten gebrauchte BMW E36 von 82 PS (316g) bis 193 PS (328i) alle erdenklichen Abstufungen des 1,6- bis 2,8-Liter-Benziners mit vier oder sechs Zylindern. Die M-Klasse startet mit 286 PS. Insgesamt zeichnet sich der BMW E36 durch das freudige Fahrgefühl aus, bei gleichzeitig angemessenem Verbrauch. Hervorzuheben ist die sehr gute Laufzeit. Viele Sechszylinder haben schon mehr als 300.000 km auf dem Buckel und sind davon unbeeindruckt auf der Straße unterwegs.
Ein kritischer Blick auf Qualität & Sicherheit
Der BMW E36 hat in der Autobranche nicht gerade den besten Ruf. Das kommt in erster Linie von den anfänglichen Qualitäts- und Sicherheitsmängeln, bei denen BMW mit der Zeit jedoch nachgebessert hat. Auffällig waren die zahlreichen Wind-, Klapper- und Quietschgeräusche, vor allem an den Scheinwerfern und Seitenspiegeln. Hier haben die Bauteile aufgrund der schlechten Karosseriequalität nicht optimal zusammengepasst. BMW hat schnell reagiert und neue Scheinwerfergläser eingebaut. Anders sieht es mit dem hohen Verschleiß von Bremsen und Achsen aus. Bei einem gebrauchten BMW E36 lohnt sich ein kritischer Blick vom Fachmann. 1997 geriet der BMW zusätzlich mit einem katastrophalen Ergebnis beim Euro-NCAP-Crashtest in Verruf. Nur 2 von 5 Sternen konnte er erreichen, 1 Stern wurde ihm nachträglich sogar noch aberkannt, weil das Verletzungsrisiko auf dem Fahrersitz zu groß ist. Dabei schnitt der E36 bei den Tests Anfang der 90er noch mit einem „gut“ ab. Ein Grund für den Wandel: Viele Fahrzeuge aus diesem Produktionszeitraum waren 1997 gar nicht mehr auf dem Markt und wurden somit nicht getestet. Der BMW E36 lief aber bis 2000 vom Band und konnte die neuen Sicherheitsstandards nicht mehr erfüllen. Bei den Nachfolgern hat BMW aufgerüstet: Der BMW E46 schaffte 4 Sterne, der BMW E90 sogar 5.
Fazit
Wer sich einen BMW E36 zulegen will, der sollte sich mit den Einzelteilen auskennen. Zwar ist der 3er BMW mit sehr guter Laufzeit ein zuverlässiger Begleiter auf der Straße, aber seine Schwachstellen sind die Verschleißteile. Außerdem wurde an viele Fahrzeugen bereits herumgeschraubt. Dafür sind Ersatzteile aufgrund der florierenden Bastler- und Tuning-Szene ausreichend vorhanden. Der BMW ist einerseits ein günstiger Einstieg für Hobby-Tuner, die in ihrer Werkstatt selbst Hand anlegen wollen. Andererseits bieten gut gepflegte Gebrauchtwagen alltagstauglichen Fahrspaß im gehobenen Look. So oder so ist der BMW E36 auf der Straße ein Hingucker.