Cadillac Celestiq: Der Standard für die Welt

Gut ist, was teuer ist
Er wird das absolute Flaggschiff der neuen Generation. Der Cadillac Celestiq (Fahrzeug steht nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend)² soll nicht weniger sein als der „Standard of the World“. Dort, wo einst die V16-Modelle der Marke in den goldenen Zeiten, oder die ultra-edlen Brougham-Modelle residierten: Ganz oben in der Hierarchie, auf Augenhöhe mit Rolls-Royce und Maybach. Deshalb präsentieren die Amerikaner, noch bevor es exakte technische Daten gibt, das Preisschild des Neuen. Mindestens 300.000 US-Dollar wird ein jeder Celestiq kosten. Mindestens deshalb, weil kein Auto dem anderen gleichen wird. Jedes Exemplar ist ein absolutes Einzelstück auf Kundenwunsch.
Der Cadillac Celestiq verzichtet auf echtes „Coachbuilt“
Dabei geht es allerdings weniger um eigene Wünsche in Sachen Karosserie oder Aufbau. Stattdessen spielt sich die Individualisierung in der Farbpalette für Lackierungen, Lederausstattungen und Interieurleisten ab. Zwar muss man dem Cadillac-Marketing das „vollständig maßgeschneiderte Automobilkunstwerk“ durchgehen lassen – gerade aber die Orientierung an den alten Legenden, die sich durchaus wirklich vollständig nach Kundenwunsch individualisieren ließen, ist der heutige Gestaltungsspielraum eher beschränkt.
Technische Basis ist die Ultium-Plattform und der Hummer EV
Man hätte auf fast 5,50 Metern Länge allerdings wirklich Platz für Spielereien. Doch so kommt jeder Cadillac Celestiq nun als flach kauernder Shooting Brake zum Kunden. Immerhin: Die Form gefällt, weil sie klassische Proportionen trägt. Die lange Haube der Studie könnte allerdings auch einen gigantischen V16-Motor beherbergen. Ob an seiner Stelle ein ebenso gigantischer Frunk wartet werden kann, ist noch unklar. Die Musik spielt im Celestiq nämlich ganz EV-typisch unterflur. Der E-Luxusliner baut auf der GM Ultium-Plattform und bringt überraschend viele Gemeinsamkeiten mit dem Hummer EV mit.
Knapp 500 Kilometer Reichweite und etwa 600 PS
Aus dessen Giga-Akkupack schneidet sich der Celestiq ein immer noch üppiges 111 kWh-Stück heraus. Damit soll er über 300 Meilen, also 480 Kilometer, ohne Ladestopp zurücklegen können. Tanken kann er am Schnelllader mit bis zu 200 Kilowatt und soll damit in zehn Minuten Energie für 130 weitere Kilometer laden können. Angetrieben wird der Strom-Cadillac von zwei Motoren, je einer pro Achse, die in Summe 450 Kilowatt und 870 Newtonmeter leisten. Der Standardsprint soll damit in 3,8 Sekunden erledigt sein.
Keine außergewöhnlichen Daten im Vergleich zur Konkurrenz
Diese Daten lesen sich allerdings wenig spektakulär, wenn man wieder den „Standard of the World“ als Maßstab nehmen möchte. Tesla macht es sowieso besser, ein Porsche Taycan ebenfalls, doch selbst die Luxusliner der Mercedes-EQ-Baureihen sind teils deutlich flinker unterwegs – und das auch weiter. Man hätte von einem echten Cadillac hier durchaus mehr erwarten dürfen. Gleiches gilt für das restliche Ambiente.
Super Cruise als sehr gutes Assistenzsystem
Im Interieur präsentiert sich der Cadillac Celestiq ebenfalls eher durchschnittlich. Klar, das Leder ist edel vernäht, die Materialauswahl über jeden Zweifel erhaben. Auch das Unterhaltungsprogramm auf dem gigantischen Glas-Screen im Cockpit und in Sachen Fond-Entertainment ist gut. Aber eben nicht mehr. Es ist nichts dabei, was man nicht schon bei der Konkurrenz gesehen hätte. Das Super Cruise genannte Assistenzprogramm für teilautomatisieres Fahren funktioniert dem Vernehmen nach in den USA sehr gut. Hier ist man aktuell noch Marktführer. Doch gerade die Chinesen drängen mit ihren Lidar-gestützten Systemen auf die Pole Position. Auch Mercedes-Benz ist mit der neuen S-Klasse tendenziell einen Schritt voraus.
Marktstart und Preis
Was bleibt also von der Referenzklasse, die der Cadillac Celestiq darstellen will? Nach den bisher verfügbaren harten Fakten wenig. Außer dem exorbitanten Preis. Mit dem kolportieren Einstieg bei 300.000 US-Dollar gibt es aktuell wenig natürliche Gegner für den Elektro-Ami, der ab Ende 2023 in Michigan per Hand gebaut werden soll. Und vielleicht reicht vielen auch das als Rechtfertigung zum Kauf schon aus. (Text: Fabian Mechtel | Bilder: Hersteller)
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