Vernunftauto mit Spaß-Garantie: Toyota Corolla Touring Sports im Test

Ein Kombi, der nur fünf Liter verbraucht? Der voll hybride Toyota Corolla Touring Sports soll genau das können. Wir zeigen im Fahrbericht die Stärken und Schwächen des Japaners.

Der Toyota Corolla Touring Sports auf einen Blick

  • Vollhybrid-Kombi mit 1.606 Liter Kofferraum
  • 140 PS Systemleistung
  • Realverbrauch unter 6 l/100 km möglich
  • Wertiger Innenraum
  • Bedienung mit Schwächen
  • Grundpreis (Deutschland) ab 34.540 Euro

Was ist Vernunft? Laut Oxford Languages handelt es sich um „die geistige Fähigkeit des Menschen, Einsichten zu gewinnen, sich ein Urteil zu bilden, die Zusammenhänge und die Ordnung des Wahrgenommenen zu erkennen und sich in seinem Handeln danach zu richten“. Diese Definition im Kopf setzen wir uns in ein Vernunftauto: einen Toyota Corolla 1,8 l Hybrid TS.

Warum vernünftig? Erstens ist der Japaner ein Ausbund an technischer Zuverlässigkeit – und das schon in der zwölften Generation. Zweitens ein kompakter Kombi (4,65 Meter lang) mit viel Platz (596 bis 1.606 Liter). Und drittens will er als Voll-Hybrid mit einem 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner und einem E-Motor einen effizienten Verbrauch von 4,6 Litern bieten soll.

ampnet photo 20230214 219826

Vollgas – dann wird der Antrieb so richtig laut

Und das ist in der Tat realistisch. Bei uns standen nach zwei Testwochen zwar 6,2 Liter auf dem Digital-Tacho, aber fairerweise muss man sagen, dass wir viel Langstrecke dabei hatten und ziemlich flott unterwegs waren. Denn wenn es sein muss, läuft der Corolla 180 km/h – aber dann wird der Motor unangenehm laut. Das trifft auch auf das Abrufen der vollen Systemleistung von 140 PS zu. Dieser Antrieb will gestreichelt werden. Nicht wundern darf man sich, wenn sich beim leisen Gleiten der Verbrenner zuschaltet. Dann produziert er Strom für den Akku.

In der Stadt kamen wir auf einen rein elektrisch gefahrenen Anteil von immerhin 50 Prozent. Die Beschleunigung liegt bei 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, von unten heraus schiebt der Toyota gut an. Überzeugt waren wir auch vom Fahrwerk: eine schöne, direkte Lenkung, komfortable Federung – nicht zu weich, nicht zu hart. Ab und zu drehen die Vorderräder durch, vor allem wenn man bei Nässe zu beherzt Gas gibt, aber das ist schon das Einzige, was es hier zu meckern gibt.

ampnet photo 20230214 219831

Geschwindigkeitswarner ausschalten – da wird es kompliziert

So weit, so vernünftig. Dass es keinen Knopf mehr für die Lautstärke gibt und dass die Assistenten über das kleine Tacho-Display mit kryptischen Abkürzungen (RSA) bedient werden – da hoffen wir auf Einsicht und Vernunft bei künftigen Modellen. Besonders ärgerlich gestaltet sich das Abschalten der Geschwindigkeitswarnung. Auch das funktioniert nur über den 12,5 Zoll großen Digital-Tacho.

Einstellungen wählen, scrollen, scrollen, RSA drücken, ausschalten und bestätigen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Aufmerksamkeit – gerade wenn man schon losgefahren ist, ohne das Gebimmel abzuschalten. Und fehlende Aufmerksamkeit ist potenziell gefährlich. Das sollten sich auch die EU-Regulierer hinter die Ohren schreiben, die so einen Unsinn verpflichtend vorschreiben. Noch ein kleiner Wink nach Brüssel: Die Geschwindigkeitswarnung basiert vordergründig auf der Verkehrszeichenerkennung. Und die ist, um es vornehm auszudrücken, eher volatil. Unserer Erfahrung nach hat sie eine Trefferquote von 80 Prozent und weniger, selbst wenn eigentlich per Navi nachgeprüft werden sollte. Da macht Toyota weder eine rühmliche noch eine unrühmliche Ausnahme.

ampnet photo 20240424 235923

Himmel und Hölle bei der Bedienung des Toyota Corolla

Neben dem Digital-Tacho hat der Corolla noch ein 10,5 Zoll großes Infotainment-Display. Hier muss man schon treffsicher arbeiten, um die gewünschte Funktion aufrufen zu können. Aber der Menüaufbau ist dafür logisch und unkompliziert. Leider ist beim Facelift des Cockpits auch der Lautstärke-Knopf unter die Räder gekommen. Stattdessen muss man auf Plusminus-Tasten herumtippen. Das ist weder Fisch noch Fleisch, weder digital noch oldschool, sondern schlichter Unfug. Löblich hingegen: Die Bedienung der Klimaanlage erfolgt per Tasten und wurde nicht ins Touchscreen-Menü verbannt.

Bei Verarbeitung und Anmutung liefert Toyota solide ab. Der Corolla bietet ein wohnliches Ambiente mit Stoff und Kunstleder. Die Sicht nach vorne leidet darunter, dass man das Ende der Motorhaube nicht sieht. Da helfen dann nur noch die (aufpreispflichtigen) Parksensoren oder hinten die serienmäßige Rückfahrkamera.

TS – das steht bei Toyota für „Touring Sports“, auf gut Deutsch: Hier haben wir einen echten Kombi vor uns. Mit einem Platzangebot von 596 Litern passt auch der ausladende Wochenendeinkauf samt Getränkemarkt-Besuch gut hinein. Apropos: Wenn man die Gepäckraumabdeckung entfernt und diese praktisch unter dem Ladeboden verstaut, dann könnten bis zu zehn Getränkekisten untergebracht werden. Umgeklappt fasst der Corolla TS 1.606 Liter. Praktisch: Die Ladekante liegt mit 64 Zentimetern recht niedrig – und was fast noch wichtiger ist: Sie befindet sich auf einer Höhe mit dem Ladeboden.

ampnet photo 20230214 219835

Fazit

Anfangs haben wir uns schwergetan, Freundschaft mit diesem Auto zu schließen, das mit 34.540 Euro für das Basismodell nicht gerade ein Schnäppchen ist. Beim Design hüpft das Herz nicht gleich vor Freude, und auch der hybride Antriebsstrang mit dem lauten Benziner nervt eher. Aber: Trotz fehlender Motorleistung hatten wir mit dem Toyota unsere Freude – vor allem weil das Fahrwerk recht gut ist. So mancher Sportwagenfahrer hat sich verwundert die Augen gerieben, wenn wir den Kombi mit viel Schwung durch die Kurven gejagt haben.

Richtig gut ist der Verbrauch: Fünf Liter sind bei einfühlsamer Bedienung des Gaspedals drin. Da kommt man billiger weg als mit einem reinen Elektroauto, wenn man sich die satten Kilowattstunden-Preise an den Starkstrom-Ladesäulen so ansieht. Deshalb ist der Corolla für uns ein echtes Vernunftauto – bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)

Technische Daten


Modell Toyota Corolla Touring Sports 1,8-l-VVT-i Hybrid
Motor 1,8-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor + Elektromotor
Systemleistung 103 kW (140 PS)
Drehmoment 190 Nm (Verbrennungsmotor)
Antrieb Vorderradantrieb, stufenloses Automatikgetriebe
Verbrauch kombiniert 4,5 l/100 km (WLTP)
CO₂-Emissionen kombiniert 101–106 g/km (WLTP)
CO₂-Klasse C
Beschleunigung (0–100 km/h) 9,4 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Abmessungen (L/B/H) 4,65 x 1,79 x 1,46 m
Kofferraumvolumen 581–596 l (bei aufrechter Rücksitzbank), 1.591–1.606 l (bei umgeklappter Rücksitzbank)
Leergewicht ca. 1.500 kg
Anhängelast 750 kg (gebremst)
Grundpreis ab 34.540 Euro

Artikel teilen

boegel-avatar.jpg

Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

Aktuelle Angebote

Alle Artikel

Alle ansehen
Toyota-bz4x-touring-2026-ah

Toyota bZ4X Touring (2026) im Test: Familientauglicher Elektro-Kombi

Mit dem Toyota bZ4X Touring bringt der japanische Hersteller auf Basis der überarbeiteten Version seines vollelektrischen Mittelklasse-SUV auch eine Kombi-Variante auf den Markt. Neben den zahlreichen Verbesserungen bietet diese zudem mehr Platz und einen Schuss Geländetauglichkeit.

Mehr lesen
Toyota bZ4X Touring (2026) im Test: Familientauglicher Elektro-Kombi
Toyota C-HR+ (2026)_Front-seitlich

Toyota C-HR+ (2026) im Test: Effizienter Elektro-SUV im Kompaktformat

Mit dem Toyota C-HR+ sind die Japaner mit etwas Verspätung in der elektrischen Kompaktklasse angekommen. Im ersten Test punktet der neue Coupé-SUV mit eigenständigem Design, dynamischem Fahrverhalten und einem sehr praxistauglichen Verbrauch.

Mehr lesen
Toyota C-HR+ (2026) im Test: Effizienter Elektro-SUV im Kompaktformat
0K6A3795

Erster Test Toyota Aygo X Hybrid (2026): Großer Fahrspaß, kleiner Verbrauch!

Das Dreiliter-Auto ist der Traum aller Pkw-Hersteller. Jetzt will Toyota mit dem Aygo X Hybrid einen neuen Anlauf machen. In dem Mini-SUV steckt der Antrieb des größeren Yaris. Das bringt 44 PS mehr als beim Vorgänger und verblüffende Verbrauchswerte.

Mehr lesen
Erster Test Toyota Aygo X Hybrid (2026): Großer Fahrspaß, kleiner Verbrauch!