Test: VW Passat – Schicker denn je

Trotzdem bleibt der Wolfsburger den Markentugenden treu. Was er ist.
Mit rund 22 Millionen verkauften Exemplaren darf sich der Passat zurecht einen Klassiker nennen, die hierzulande vor allem als Kombi namens Variant Karriere gemacht hat. Deshalb rollt auch die Neuauflage im November 2014 gleich wieder in beiden Karosserieformen zum Händler. Gegenüber dem Vorgänger ist der Passat minimal geschrumpft, um 40 Millimeter auf 4,77 Zentimeter. Ein wenig flacher und breiter ist er auch geworden, und das verleiht ihm zusammen mit dem gestrafften Blechkleid - mit zahlreichen messerscharfen Kanten - ein deutlich sportlicheres Aussehen. So schick war noch kein Passat zuvor und mit einem Audi A4 oder 3er kann er sich allemal messen.
Für die Passagiere gibt es außerdem mehr Platz: Der modulare Querbaukasten, quasi VWs große Legokiste, ermöglicht einen größeren Radstand. Dass dadurch die Überhänge kürzer werden, tut dem Design einen weiteren Gefallen. In den Kofferraum gehen bei der Limousine nun bis 586 Liter, das Ladevolumen des Variants steigt auf 650 Liter beziehungsweise 1.780 Liter, wenn die Rücksitze umgeklappt werden. Wegfalten lässt sich das Gestühl praktischerweise vom Kofferraum aus.
Was er kann.
Auch der neue Passat ist ein typischer Volkswagen. Man setzt sich rein, und findet sich zu recht. Alles passt, alle Schalter sind da, wo man sie vermutet, das Lenkrad liegt gut in der Hand und die Rundumsicht geht auch in Ordnung. Wer ein wenig Geld in die Hand nimmt, kann den Wolfsburger mit schickem Holz auf edel oder mit Aludekor auf sportlich trimmen und blickt auf Wunsch nicht auf klassische Runduhren sondern ein volldigitales Kombiinstrument, ähnlich wie im neuen Audi TT. Dort lässt sich dann zum Beispiel auch die Navi-Karte im Großformate einblenden. Ein Head-up-Display soll es auch geben, allerdings erst im nächsten Jahr.
Mit der neuen Generation hat auch der Passat weitere Fahrerassistenzsysteme bekommen, die VW schon vor einiger Zeit vorgestellt hat. Besonders zu erwähnen ist hier der Notbremsassistent, der, wenn er merkt, dass der Fahrer nicht mehr die Kontrolle über den Wagen hat - zum Beispiel in einem medizinischen Notfall - das Auto zum Stillstand bringt. Außerdem gibt es jetzt einen “Trailer Assist”, der beim Rückwärtsfahren mit Anhänger helfen soll. Der Fahrer kann den gewünschten Fahrwinkel vorwählen und der Passat übernimmt das Lenken; das ist in der Theorie toll, welcher Winkel nun aber der richtige ist, um in die Lücke zu kommen, dass sagt einem das System noch nicht.
Motorenseitig sieht VW zunächst vier Diesel und fünf Benziner vor. Neu ist die Spitzenmotorisierung, ein zwei Liter großer Selbstzünder, der es dank doppelter Turboaufladung auf satte 240 PS (und 500 Newtonmeter) bringt, die serienmäßig von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verwaltet und über den Allradantrieb 4Motion auf die Straße gebracht werden. Den angegebenen Normverbrauch von 5,3 Litern haben wir zwar nicht erfahren, aber auch mit rund sieben Litern zeigte sich das Aggregat auf der ersten Runde als äußerst sparsam.
Der niedrige Konsum dürfte unter anderem auch am gesunkenen Gewicht liegen, denn der Passat wiegt bis zu 85 Kilogramm weniger als sein Vorgänger. Das macht sich außerdem im Fahrverhalten bemerkbar; leichtfüßig und flink wieseln Limousine und Kombi um die Kurve; mit der Fahrprofilauswahl und den adaptiven Dämpfern lässt sich die Abstimmung zudem den persönlichen Vorlieben anpassen; doch auch das Standard-Setup vermag voll und ganz zu überzeugen.
All diejenigen, die keinen Diesel wollen, denen sei der 150-PS-Benziner mit Zylinderabschaltung ans Herz gelegt. Das Aggregat stellt bis zu 250 Newtonmeter Drehmoment bereit, arbeitet ausgesprochen leise und bringt den Passat in 8,6 Sekunden auf Tempo 100. Wird wenig Kraft abgerufen, schaltet der Motor zwei der vier Zylinder ab und befeuert sie bei Bedarf in Sekundenbruchteilen wieder; das alles geschieht völlig unmerklich, resultiert aber in einem Normverbrauch von nur 5,2 Litern. Einziger Wehrmutstropfen: Die innovative Technik gibt es nur mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Der Motor lässt sich allerdings derart schaltfaul fahren, dass man damit gut leben kann.
Was er kostet.
Die günstigste Möglichkeit, Passat zu fahren, ist zunächst der 150-PS-Einstiegsdiesel, der ab 30.250 Euro zu haben ist. Für den Benziner, der erst ab der mittleren Ausstattungslinie erhältlich ist, müssen 30.375 Euro auf den Tisch gelegt werden und der Starkdiesel beginnt bei 43.625 Euro; für den Kombi werden jeweils rund 1.000 Euro mehr verlangt.
Wer sich allerdings von der Preisliste verführen lässt und zum Beispiel die erwähnten Assistenten oder das virtuelle Kombiinstrument ordert, Internetzugang, Panoramadach oder die per Fußschwenk öffnend und schließende Heckklappe wünscht oder Bremslichter möchte, die den Hintermann nicht nur durch helleres Licht, sondern auch eine sich ändernde LED-Grafik aufmerksam machen, der kann gut und gerne noch einmal 10.000 Euro für Extra-Ausstattung einberechnen. Immerhin, ein Radio ist ebenso Standard wie das Multifunktionslenkrad und die Stopp-Start-Automatik.
Wer ihn braucht.
Alle die gerne viel Transportieren müssen - seien es Passagiere oder Gepäck - sind mit dem Passat bestens beraten. Auch im Fond können großgewachsene Mitreisende es sich bequem machen und das Kofferraumvolumen ist für jede Urlaubsreise ausreichend. Mit einer Zuladung von bis zu 620 Kilogramm kommt auch der Bleiwesten-Vertreter auf seine Kosten und an den Haken der optionalen Anhängerkupplung dürfen bis zu 2,2 Tonnen gehängt werden - perfekt also auch für Ross und Reiter. Und alle, die öfter längere Strecken fahren, dürfen sich über die Möglichkeit freuen, ergonomische Komfortsitze mit Massagefunktion und Gütesiegel bestellen zu können.
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