Bericht: Modularer Querbaukasten – Lego-Prinzip

Durch eine Vereinheitlichung der Kleinwagen-, Komapkt- und Mittelklasse nach dem Lego-Prinzip soll die Produktivität deutlich gesteigert werden. Bis 2018 will Volkswagen alle seine frontgetriebenen Fahrzeuge mit Quermotor auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) aufbauen, in den kommenden fünf Jahren werden 40 der 200 Modelle aus dem Konzern umgestellt. Das reduziert zum einen die Montagezeiten um bis zu 50 Prozent – auf einer Produktionslinie sollen bis 500.000 Autos pro Jahr gebaut werden –, vor allem aber auch die Kosten.
Durch die Verwendung weniger, gleicher Teile kann VW viel höhere Stückzahlen zu günstigeren Preisen einkaufen. Außerdem soll die Entwicklung deutlich schneller und flexibler werden. Erster Vertreter, der aus den neuen Lego-Steinen zusammengebaut wird, ist der kommende Audi A3, der baugleich mit dem kommenden VW Golf VII ist.
Einbaulage und Abstand zu den Pedalen ist fix
Fix definiert ist zukünftig die Einbaulage des Motors und der Abstand der Vorderachse zu den Fahrpedalen. Die Diesel- und Ottomotoren werden zukünftig um zwölf Grad nach hinten geneigt, die "heiße Seite" mit Abgasrückführung und Turbolader zeigt immer zur Spritzwand, die "kalte" Seite mit der Luftzufuhr zur Vorderseite. Der Ladeluftkühler wird für eine kompakte Bauweise und höhere Leistungsdichte fortan in das Saugrohr integriert.
Überhänge, Radstand, Spurbreite und Fahrzeughöhe können anders als bei der klassischen Plattformstrategie hingegen frei gewählt werden. Durch den MQB sollen neue Modelle circa 40 bis 60 Kilogramm leichter werden. Die Vorderräder sollen zudem ein paar Zentimeter nach vorne rutschen; das gibt den Designer neue Möglichkeiten und soll den Passagieren mehr Platz im Innenraum bringen.
Neue Motoren für den MQB
Herzstück des MQB ist der Antriebsbaukasten mit der neuen Otto-Motorengeneration EA211 (momentan als 1.2 TSI und 1.4 TSI mit 85 bis 140 PS) und den neuen Dieseln EA288 (1.6 und 2.0 TDI, 90 bis 190 PS). Im gleichen Baukasten finden sich aber auch ein Elektroantrieb, ein Plug-In-Hybrid, sowie Erdgas-, Flüssiggas und Ethanolvarianten.
Je nach Anforderung lassen sich Motormodule wie Turbolader, Katalysator, Zylinderkopf oder Ölwanne austauschen und kombinieren. Der neu entwickelte 1.4 TSI ist außerdem der erste Vierzylinder mit Zylinderabschaltung; er kommt ab Sommer im Polo BlueGT zum Einsatz und fährt bei Bedarf als Zweizylinder
Fast nur noch Gleichteile
Mit dem MQB führt VW auch den Modularen Produktionsbaukasten (MPB) mit vier Modulfamiliem (Antrieb, Fahrwerk, Elektrik und Aufbau) ein, mit dem neben Vorder- und Hinterachse, Lenkung, Sitzgestelle, Getriebe und den erwähnten neuen Motoren auch Assistenz- und Komfortsysteme vereinheitlicht werden. So soll zum Beispiel die Vielfalt an Infotainmentsystemen – jedes neue Fahrzeuge wird einen großen Bildschirm bekommen – reduziert werden; allerdings nach wie vor mit individueller Ausprägung.
Während Audi weiterhin auf einen Dreh-Drück-Schalter setzen wird, bekommen alle anderen Marken einen Touchscreen. Dieser erkennt, wenn der Nutzer sich mit der Hand nähert und schaltet in einen speziellen Bedienmodus. So lässt sich im Normalfall etwa die gesamte Breite zur Darstellung der Navi-Karte nutzen ohne die störenden Bedienfelder einzublenden.
Potential und Risiko
Welches Potential im MQB steckt, zeigt folgendes Beispiel eindrucksvoll: Mit seiner Hilfe will VW die Anzahl der verbauten Klimaanlagen-Varianten von 102 auf 28 reduzieren. Das gesparte Geld will VW vor allem in die Demokratisierung von Innovationen stecken, vor allem bisher hochpreisige Sicherheitssysteme, wie Notbremsassistenten, sollen in günstigeren Fahrzeugklassen Einzug halten. Allerdings birgt die Vereinheitlichung auch Gefahren: Wird zukünftig etwa bei einer Klimaanlage ein Fehler entdeckt, müssen weit mehr Fahrzeuge als bisher zurückgerufen werden.
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