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Erster Test Genesis G70: Starkes Auto, schwacher Motor

Mit dem G70 wagt Genesis den ersten Schritt in die hart umkämpfte Mittelklasse. Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse sind die Klassenkönige, bieten wenig Raum für Fehler. Der Debütant steigt mit einem frischen Design und einem hochwertigen Interieur auf die Bühne, patzt allerdings beim Motor.


Der Genesis G70 im Überblick


Pro

Stärken

  • Luxuriöser Innenraum
  • Gutes Infotainment
  • Zahlreiche Assistenten
  • Umfangreiche Serienausstattung
Contra

Schwächen

  • Durstiger Benziner
  • Im Sport-Modus hektische Automatik
  • Fond mit wenig Platz

Nach der Oberklasse kommt die Mittelklasse

Genesis wagt sich nach der Vorstellung von G80 und GV80 in den europäischen Massenmarkt vor. Der mindestens 39.100 Euro teure G70 konkurriert direkt mit dem BMW 3er und der Mercedes-Benz C-Klasse, ist dabei aber kein komplett neues Auto. Bereits 2016 präsentierte die in Europa bislang unbekannte Submarke von Mutterkonzern Hyundai ihr Konzeptfahrzeug, ein Jahr später begann die Serienfertigung und die Markeinführung, unter anderem in Südkorea und den USA.

Ende 2020 folgte dann das erste Facelift des G70, das es nun auch nach Deutschland, England und in die Schweiz geschafft hat. Die markanten Doppelscheinwerfer und der große Kühlergrill prägen die Frontpartie des Asiaten, eine doppelte Seitenlinie zieht sich bis zu den Heckleuchten durch. Der optische Ersteindruck gefällt, das selbstbewusste Auftreten unterscheidet sich deutlich vom bisweilen einheitlich wirkenden Singsang deutscher Hersteller.

Genesis G70 (low-res)-1

Durstige Benziner, rauer Diesel

Mit Blick in die technische Datenlektüre dagegen Ernüchterung. Kein Plug-in Hybrid, keine E-Variante und: kein Sechszylinder. Der unter anderem aus dem Kia Stinger bekannte 3,3-Liter-T-GDI schaffte es nicht nach Europa, was ein deutlicher Wermutstropfen ist. Denn der angebotene 2,0-Liter-Vierzylinder in den Leistungsstufen mit 197 und 245 PS ist nicht mehr als eine Notlösung (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,9-8,0 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 201-181 g/km²). Weshalb? Weil unter anderem der Verbrauch mit lockeren 10 bis 12 Liter je 100 Kilometer auf Sechszylinder-Niveau liegt. Weiterhin klingt der Motor auch nicht sonderlich gut und wirkt nach oben ausgedreht mehr als angestrengt.

Eine durchaus interessante Alternative stellt daher der verbrauchsgünstigere, aber knurrige 2,2-Liter-Diesel mit seinen 200 PS dar (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 6,3-6,6 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 173-166 g/km²). Mit 440 Newtonmeter Drehmoment stehen im Vergleich zum Benziner knapp 90 Nm mehr zur Verfügung, doch der sinnvolle Allradantrieb bleibt dagegen einzig den Ottomotoren als Option vorenthalten. Gekoppelt sind alle Motoren an eine weitestgehend tadellos arbeitende 8-Gang-Automatik von ZF. Einzig im Sportprogramm hat man dem G70 allzu nervöse Schaltzeiten mitgegeben, der Wandler schaltet hier zu hastig und dreht die Gänge unnötig hoch.

Genesis G70 (low-res)-6

Eher was für die lange, nicht zu hastige Reise

Die Kernkompetenz des G70 liegt daher in der längeren, nicht allzu hastigen Reise. Dann bleibt der Vierzylinder im niedertourigen Bereich, das Fahrwerk federt mit ausreichend Restkomfort und das Geräuschniveau im Fahrzeug hält sich erfreulich zurück. Das wahre Highlight der Mittelklasse-Limousine ist ohnehin der hochwertig ausstaffierte Innenraum. In der Basis mit synthetischem Leder ausgestattet, bieten die höheren Ausstattungslinien Sport und Luxus derweil echte Tierhäute bis hin zur Nappa-Qualität.

Ein 12,3 Zoll großes und zugleich gut ablesbares Kombiinstrument informiert den Fahrer, die einstellbare 3D-Tiefendarstellung der Anzeigen ist allerdings nicht mehr als ein kurzweiliger Gag. Gleiches gilt für die Spracheingabe, die zwar die Adresseingabe versteht, nicht aber das Abbrechen aktiver Routen. Alternativ kann auf dem 10,25 Zoll großen Infotainment-Display auch weiterhin getouched werden, die Eingaben werden schnell umgesetzt, die Menüführung wirkt ausreichend gut durchdacht und orientiert sich klar am bekannten Hyundai-Schema. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren selbstredend auch im G70, benötigen aber jeweils noch eine Kabelverbindung zum Handy.

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Hoher Sitzkomfort, viel Platz in der ersten Reihe

Bei der eigentlichen Sitzausformung bietet Genesis im G70 keine Alternativen, hier wird ein bequemes Gestühl gereicht, das je nach Ausstattungslinie eine andere Oberfläche aufweist. Die Platzverhältnisse vorne gehen selbst für Großgewachsene in Ordnung, hinten wird dagegen klassenübliche Enge gereicht. Der Kofferraum verfügt derweil über ein Volumen von 330 Liter. Optional steht zudem eine Anhängerkupplung bereit, die es ermöglicht, bis zu 1.500 Kilo schwere Lasten hinter sich herzuziehen.

Genesis G70 (low-res)-24

Erstes Fazit

Ob der Genesis G70 in Deutschland ein Erfolg wird, hängt maßgeblich davon ab, wann die für Europa konzipierte Shooting Brake-Variante nachgereicht wird. Zwar liefern die Koreaner eine interessante Alternative zu 3er und C-Klasse, doch gerade in Sachen Antriebstechnik fahren die Deutschen weiterhin mit deutlichem Vorsprung voran. Für das wichtige Flottengeschäft fehlt ein steuerbegünstigter Hybrid, eine E-Variante wird es vorerst keine geben. Dafür liefert Genesis einen hochwertigen, schön Designten Innenraum, der allerdings nicht in jeder Ecke verleugnen kann, dass es sich beim G70 nur um ein Facelift eines mittlerweile vier Jahre alten Autos handelt. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)

Technische Daten*

  • Modell: Genesis G70 2.0T Plus AWD
  • Motor: Vierzylinder-Benziner, 1.998 ccm³
  • Leistung: 245 PS (180 kW) bei 6.200 U/min
  • Drehmoment: 353 Nm bei 3.500 U/min
  • Antrieb: Allrad, Achtgang-Automatik
  • Verbrauch kombiniert: 8,9-8,0 l/100 km²
  • CO2-Emissionen kombiniert: 201-181 g/km²
  • Beschleunigung (0–100 km/h): 6,1 s
  • Höchstgeschwindigkeit: bis zu 240 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,69 m/1,85 m/1,40 m
  • Leergewicht: ca. 1.740 kg
  • Grundpreis 2.0T Plus AWD: ab 48.490 Euro

*Herstellerangaben

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