Audi RS Q8 performance (2026) im Test: 640 PS gegen jede Vernunft

Der Audi RS Q8 performance auf einen Blick
Was wir mögen
Die große Spreizung zwischen Sportwagen und Familien-SUV.
Was wir vermissen
Einen plausiblen Grund, warum man ihn wirklich braucht.
Perfekt wenn ...
... Vernunft bei der Fahrzeugwahl ohnehin keine entscheidende Rolle spielt.
Die Alternativen
Lamborghini Urus Performante, BMW X6 M Competition, Porsche Cayenne Turbo GT (nur gebraucht)
Stärken
- Sehr gute Fahrleistungen
- Hochwertiger Innenraum
- Bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast
Schwächen
- Teuer in der Anschaffung
- Eingeschränkter Langsamfahrkomfort
- Hoher Verbrauch
Volle Eskalation auf vier Rädern
Dürfen wir vorstellen: der 640 PS starke Audi RS Q8 performance. Die größte und stärkste Eskalation, die die Ingolstädter verbrennerseitig derzeit zu bieten haben. Man staunt nicht nur ob der hochbauenden Art, sondern auch wegen der Räder. Kleiner als 22 Zoll sind nicht vorgesehen, mit 23-Zöllern rollt der Testwagen vor. Dahinter verbirgt sich die serienmäßige 21-Zoll-Hochleistungsbremsanlage mit kohlefaserverstärkten Keramikbremsscheiben vorn und hinten.
Man ahnt es: Mit leichtem Fahrgenuss hat das hier wenig zu tun. Die besagten 640 PS und 850 Nm müssen mehr als 2,4 Tonnen Fahrzeuggewicht bewegen, standesgemäß können bis zu 3,5 Tonnen gezogen werden. Da wurde offenkundig alles ausgereizt, was regulatorisch derzeit machbar ist. Eskalativer sind sie nur noch in Italien, wo der Audi RS Q8 als Lamborghini Urus ohne Batterierucksack mit maximal 666 PS ausgeliefert wird. Ähnlichkeiten zwischen der italienischen Tochter und der bayerischen Mutter gibt es mittlerweile auch beim Preis zu vermelden. Freilich sind 160.000 Euro Grundpreis weniger als für den hochbauenden Stier. Auskonfiguriert stehen im Preisblatt jedoch ebenfalls deutlich mehr als 200.000 Euro.
Emotionaler Klang, hoher Verbrauch
Wer Mut zur Farbe hat, wählt das Chillirot vom Testwagen. Es gibt ebenfalls das originale Misanorot Perleffekt vom ersten Audi RS 4. Kostet 5.900 Euro und damit genauso viel wie Schweinchenrosa oder Pantone 448C über die Audi-Exclusive-Abteilung. Eine grelle Farbe hat derweil den Vorteil, dass man auf der Autobahn früh genug erkannt wird. Schließlich kann dieses Trumm mit bis zu 305 km/h angeschossen kommen. Vom Rastplatz geht es dann binnen 3,6 Sekunden wieder auf Tempo 100 und anschließend zur nächsten Tankstelle. 14 bis 16 Liter Super Plus sind im Schnitt normal. Bei Vollstoff reicht die Momentanverbrauchsanzeige von 25 Litern auf 100 Kilometer nicht mehr aus. Klingt ein bisschen aus der Zeit gefallen? Lasst uns doch den Spaß. Schließlich rückt der Abgesang auf den reinen Achtzylinder ohne erweiterte Elektrifizierung auch bei Audi immer näher.
Der 4,0-Liter-V8-Biturbo macht es ein letztes Mal nur mit 48-Volt-Unterstützung, aber ohne Stecker. Feist sind nicht nur die voluminösen Endrohrblenden, sondern auch der Klang. Da brabbelt und sprotzt es wie sonst nur noch südlich der Alpen. Freilich kann das Ordern der optionalen RS-Abgasanlage nicht schaden, die glücklicherweise noch nicht die zusätzliche Anwahl eines extra Soundsystems wie bei Porsche verlangt. Warum das? Bei den Stuttgartern und ihrem Cayenne wird seit dem letzten Facelift 2023 der Klang bereits künstlich nach innen verstärkt.
Auf der deutschen Autobahn fühlt sich der Audi RS Q8 besonders wohl
Das natürliche Habitat des 5,01 Meter langen Audi RS Q8 ist selbstverständlich die deutsche Autobahn. Leicht gewunden darf sie sein, frei von Verkehr sowieso. Da macht selbst das adaptive Luftfahrwerk mit aktiver Wankstabilisierung eine gute Figur, auch wenn es wegen der obszön großen Räder in Sachen Langsamfahrkomfort nicht allzu viel entgegenzusetzen hat. Bei einem Ausflug in die Alpen wiederum kam uns der Audi RS Q8 einigermaßen deplatziert vor. Enge Gassen, noch engere Kehren, das ist nicht unbedingt seins. Er erträgt es jedoch mit außerordentlicher Fassung, für das Gewicht zeigt er gar eine Form von dynamischer Anmut.
Andererseits können wir da nur rätseln, wie Audi-Werksfahrer Frank Stippler die Rekordfahrt mit dem Audi RS Q8 auf der Nordschleife absolviert hat. Respekt für diesen Wahnsinn. Unsere Hochachtung geht zudem an die damaligen Produktverantwortlichen des Q8. Im Innenraum ist das schon noch Peak Audi, das Beste vom Besten. Audi Exclusive hilft natürlich auch hier, doch schon im Serientrimm ist das Leder dick, der Kunststoff weitestgehend geschäumt und das MMI in einer überschaubaren Größe. So muss das, so darf das bei Audi gerne wieder werden. Die bequemen Sportsitze sind über jeden Zweifel erhaben, ebenso das runde (!) Sportlenkrad mit haptischen (!) Tasten.
Fazit 8,2/10
Wenn wir jetzt ganz ehrlich zu uns selbst sind, kann ein Audi RS Q8 im Alltag wenig besser als ein normaler Audi Q8 3.0 TDI. Wahrscheinlich ist er sogar deutlich unterlegen, was Komfort und Kraftstoffeffizienz angeht. Aber es ist diese Art der unvernünftigen Fortbewegung, die einen ziemlich stark in ihren Bann zieht. Der V8 brabbelt und schiebt mit einer Selbstverständlichkeit, die für diese Fahrzeuggröße fast erschreckend ist. Die Verarbeitung ist vorbildlich; Preis, Wertverlust und Unterhalt muss man sich leisten können. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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