Audi A6 3.0 V6 TDI im Test: So gut ist der neue Diesel wirklich

Audi rüstet seine Dreiliter-Diesel mit MHEV plus-Technologie auf. Das heißt: Zwei E-Maschinen und ein elektrischer Verdichter sollen dem Triebwerk mehr Souveränität verpassen und die Effizienz steigern. Ist das gelungen? Erste Ausfahrt mit dem 299 PS starken Audi A6 Avant TDI quattro.

Audi A6 Avant TDI quattro S tronic 220 kW auf einen Blick


Was uns gefällt

Die souveräne Durchzugskraft des V6 TDI.

Was wir vermissen

Den guten alten Diesel-Sound.

Ideal wenn …

… man sich noch einen Dienstwagen ohne Plug-in-Antrieb leisten kann.

Die Alternativen

Mercedes Benz E 450 d 4Matic T-Modell und BMW 540d xDrive Touring


Stärken

  • Souveräner Antrieb
  • Präzises Handling
  • Gutes Platzangebot

Schwächen

  • Teuer in der Anschaffung
  • Hoher Dieselverbrauch
  • Mangelnde Getriebeabstimmung

audi-a6-2026-front

Audi und die ewige Liebe zum Diesel

Der Diesel und Audi. Das ist mehr als eine Erfolgsgeschichte. Das ist eine Liebesgeschichte. Die Ingolstädter bauten nicht nur den ersten PkW-Turbo-Diesel mit Direkteinspritzung (Audi 100, 2,5 TDI), sondern gewannen mit einem Zwölfzylinder-Diesel anno 2006 auch die 24 Stunden von Le Mans. Die modifizierte Variante mit sechs Litern Hubraum schaffte es später sogar in die Serie. Im Q7 leistete der Selbstzünder 500 PS und ein brachiales Drehmoment von 1000 Nm.

Der Diesel und Audi: Jetzt bekommt die Liebesgeschichte, die nicht immer frei von (Abgas-)Skandalen war, eine Fortsetzung. Sowohl den Q5 als auch den A6 kann man sich mit einem stark überarbeiteten Dreiliter-V6-Diesel bestellen, der dank zweier E-Maschinen und eines elektrischen Verdichters 220 kW / 299 PS leistet. Wir haben das Triebwerk bei einer Ausfahrt ins Altmühltal getestet und waren zufrieden und doch nicht zufrieden. Zwei Kleinigkeiten haben eine Fünf-Sterne-Bewertung verhindert.

A251891 medium

Drei E-Maschinen bringen den V6 auf Trab

Der Dreiliter-Diesel mit MHEV-Technik basiert auf dem bekannten EA897evo3, der noch im Q7 und im Q8 (50 TDI) im Angebot war. Für seinen Einsatz in Q5 und A6 wurde die Maschine gleich an mehreren Stellen überarbeitet. Der V6 kommt jetzt mit drei elektrischen Komponenten daher.

Da ist zum einen der Riemenstartergenerator, der den Anlasser ersetzt, die nötige Energie für die Batterie liefert und beim Anfahren unterstützt. Am Getriebe sitzt die zweite E-Maschine, der Triebstranggenerator. Damit kann der Audi rein elektrisch fahren – etwa beim Einparken oder Rangieren, bei langsamen Stadtfahrten oder im schwimmenden Verkehr auf Landstraßen (Stichwort Segeln). Außerdem liefert er zusätzliche Power (18 kW / 24 PS) für den schnellen Antritt, entweder beim Ampelstart oder beim Überholen.

audi-a6-v6-tdi-motor

So funktioniert der elektrische Verdichter

Neu ist der elektrisch angetriebene und überarbeitete Verdichter im V6-Diesel. Ähnliche Komponenten waren bereits beim S4, S6 und SQ5 im Einsatz. Er unterstützt den Turbolader, wenn er noch zu wenig Punch hat. Der Verdichter wird von einer permanent erregten E-Maschine über das 48-Volt-Bordnetz angetrieben und sitzt in der Ansaugluftstrecke direkt hinter Lader und Ladeluftkühler. Über einen Bypass wird die bereits komprimierte Ansaugluft weiter verdichtet und strömt von dort aus in die Brennkammern. Der maximale Ladedruck von 3,6 bar baut sich so um fast eine Sekunde schneller auf.

Damit bügelt Audi das gefürchtete Turboloch weg und sorgt bereits im niedrigen Drehzahlbereich für ein ordentliches Drehmoment. Die 580 Newtonmeter (Nm) liegen bereits bei 1.500 U/min an. Erst bei 3.620 fällt es wieder ab. Auch das Ansprechverhalten will Audi damit verbessert haben und untermauert das mit folgender Zahl: In den ersten 2,5 Sekunden der Beschleunigung würde das Fahrzeug gut eine Wagenlänge mehr zurücklegen. Im Vergleich zu seinen Vorgängern arbeitet der Verdichter jetzt flächig über das gesamte Drehzahlband und soll so für eine homogenere Beschleunigung sorgen. Apropos: 5,3 Sekunden braucht der A6 von 0 auf Tempo 100.

audi-a6-v6-tdi-cockpit

Leichte Anfahrschwäche im Balanced Mode

Genug der Theorie - wie schlägt sich das neue Diesel-Aggregat auf der Straße? Wir starten mit unserem Audi A6 Avant bei hochsommerlichen 32 Grad zu einer Ausfahrt ins Altmühltal, ganz in der Nähe von Ingolstadt. Weshalb wir die Temperatur erwähnen: Sie spielt beim Verbrauch sicherlich eine Rolle. Später mehr dazu. Wir drücken den Startknopf, rollen los und schon nach den ersten paar hundert Metern stellen wir fest: Der Diesel klingt nicht mehr wie ein Diesel, sondern eher wie ein Benziner. Da haben sie erstens beim Dämmen und Kapseln des Motors gute Arbeit geleistet, und zweitens hilft beim sonoren Sound ein Generator mit.

Das letzte Ortsschild liegt hinter uns. Genussvoll drücken wir das Gaspedal. Und wundern uns über die Anfahrtsschwäche im „Balanced Mode“. Also über diese kleine Gedenksekunde, die das Doppelkupplungsgetriebe einlegt, bis nach einem entschlossenen Tritt auf das Gaspedal die Kraft auch bei den Rädern ankommen. Im „Dynamic“-Modus ist sie fast ganz verschwunden. Wer ganz sicher gehen will, schaltet auf „Manuell“ um und benutzt die Paddel am Lenkrad zum schalten. Dann rennt der A6 direkt los, angetrieben auf allen vier Rädern.

audi-a6-2026-seite

Wie effizient ist der Diesel wirklich?

Ansonsten gefällt uns die souveräne Kraftentfaltung des Diesels sehr gut. Nicht ungestüm, eher gentlemanlike. Mit einem kernigen Drehmoment, das Selbstvertrauen gibt beim Überholen. Der Motor läuft wie ein Glöcklein, wie man so schön sagt. Also absolut, rund, gleichmäßig und leise. Gespannt sind wir auf den Verbrauch.

Denn schließlich hat Audi versprochen, dass die MHEV plus-Technologie besonders effizient mit den Kraftstoff-Ressourcen umgeht. Das können wir nach 70 teilweise flott gefahrenen Kilometern bei Gluthitze nicht bestätigen. 10,7 Liter standen auf dem Digitaltacho. Das ist deutlich mehr als die angegebenen 5,5 bis 6,3 Liter. Wie sparsam der TDI wirklich ist, müsste ein längerer Test zeigen.

audi-a6-2026-heck

Erstes Fazit

Schön, dass Audi den V6-Diesel aufgerüstet hat. Das Triebwerk punktet mit einem guten Durchzug und einer homogenen Leistungsentfaltung. Schade, dass mit dem hohen Verbrauch und der leichten Anfahrtsschwäche zwei kleinere Wermutstropfen in das Glas fallen. Trotzdem: Wir würden zum Diesel greifen - denn alte Liebe rostet nicht. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)

Artikel teilen

boegel-avatar.jpg

Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

Alle Artikel

Alle ansehen
Audi e-tron Sportback 55 quattro 2022_seitlich

Gebrauchtwagen-Check Audi e-tron Sportback 55 quattro (2022): Elektrisches Luxusschiff

Im Jahr 2020 kam mit dem Audi e-tron Sportback die Coupé-Variante des ersten Elektroautos der Marke auf den Markt. Premium-Ambiente und eindrucksvolle Fahrleistungen stehen bei dem Oberklasse-SUV hohem Gewicht und geringer Reichweite gegenüber.

Mehr lesen
Gebrauchtwagen-Check Audi e-tron Sportback 55 quattro (2022): Elektrisches Luxusschiff
audi-rs-5-sportback-tv-titelbild

Audi RS 5 (2026) im Test: Wenn Elefanten tanzen lernen

Über 2,3 Tonnen Leergewicht, Plug-in Hybrid und trotzdem quer? Der neue Audi RS 5 sorgt schon vor den ersten Metern für viele Diskussionen - und überrascht dann umso mehr auf der Strecke. Erster Fahrtest!

Mehr lesen
Audi RS 5 (2026) im Test: Wenn Elefanten tanzen lernen
A251376 medium

Test Audi Q3 Sportback e-hybrid (2026): Ein Schritt vor und zwei zurück

Der Audi Q3 Sportback e-Hybrid (2026) soll Premium, Effizienz und Dynamik vereinen, scheitert im Test aber an Softwareproblemen, einem überforderten Antrieb und seinem selbstbewussten Preis. Warum der Plug-in-Hybrid enttäuscht und die Marktbegleiter aus Wolfsburg die Nase vorn haben.

Mehr lesen
Test Audi Q3 Sportback e-hybrid (2026): Ein Schritt vor und zwei zurück