Reserverad, Notrad oder Pannenset: Was gehört in dein Auto?

Viele Neuwagen kommen ohne Reserverad. Stattdessen liegt eine Dose Dichtmittel im Kofferraum, manchmal auch gar nichts. Ob das reicht, hängt davon ab, wo und wann du unterwegs bist.

Vorgeschrieben ist in Österreich keine der drei Lösungen

Weder ein Reserverad noch ein Notrad noch ein Pannenset musst du im Auto haben. § 102 KFG verlangt nur Verbandzeug, ein Warndreieck und eine Warnweste. Trotzdem ist die Frage, welche Lösung im Kofferraum liegt, keine Nebensache: Ein Pannenset hilft nur bei kleinen Löchern in der Laufläche und wird bei Kälte unzuverlässig. Ein Notrad bringt dich fast immer weiter, aber nur langsam. Ein vollwertiges Reserverad löst das Problem ganz, kostet dafür Platz und Gewicht.

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Das Wichtigste in Kürze

• In Österreich schreibt § 102 KFG Verbandzeug, Warndreieck und Warnweste vor. Reserverad, Notrad und Pannenset sind nicht darunter.

• Das Warndreieck und die Warnweste gelten für mehrspurige Fahrzeuge, das Verbandzeug für alle Kraftfahrzeuge.

• Die Warnweste muss der ÖNORM EN 471 entsprechen und retroreflektierende Streifen haben.

• Ein Notrad ist meist auf 80 km/h begrenzt. Der zulässige Wert steht auf dem Rad selbst.

• Dichtmittel wirkt nur bei kleinen Einstichen in der Laufläche, ungefähr bis 6 Millimeter.

• Bei Schäden an der Flanke, bei Rissen und nach einem Reifenplatzer hilft Dichtmittel nicht.

• Bei Frost verliert Dichtmittel an Wirkung. Genau dann gilt in Österreich die situative Winterreifenpflicht.

• Nach dem Einsatz von Dichtmittel ist der Reifen in der Regel nicht mehr reparabel, und der Drucksensor kann Schaden nehmen.

Was in Österreich mitgeführt werden muss, und was nicht

Die Mitführpflicht steht in § 102 KFG. Sie unterscheidet zwischen allen Kraftfahrzeugen und mehrspurigen Fahrzeugen.

Für alle Kraftfahrzeuge gilt: Verbandzeug, das zur Wundversorgung geeignet und in einem widerstandsfähigen Behälter staubdicht verpackt ist.

Mehrspurige Fahrzeuge brauchen zusätzlich ein Warndreieck und eine Warnweste. Die Weste muss der ÖNORM EN 471 entsprechen und retroreflektierende Streifen tragen. Vorgeschrieben ist sie für den Lenker. Der ÖAMTC empfiehlt, für jeden Sitzplatz eine im Auto zu haben, weil sich im Ernstfall alle Insassen außerhalb des Fahrzeugs aufhalten.

Bei Fahrzeugen über 3,5 Tonnen kommt mindestens ein Unterlegkeil dazu, außerdem muss das aktuelle Gutachten nach § 57a mitgeführt werden.

Was in dieser Aufzählung nicht vorkommt: alles, was mit einem platten Reifen zu tun hat. Reserverad, Notrad, Wagenheber und Pannenset sind in Österreich freiwillig. Du kannst also völlig legal ohne jede Lösung unterwegs sein. Nur stehen bleibst du dann eben.

Nicht zu vergessen sind die Dokumente: Führerschein und Zulassungsschein samt Beiblättern müssen im Original mitgeführt werden, Kopien genügen nicht. Digital geht es über den eAusweis am Smartphone.

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Die Mitführpflicht im Überblick

• Alle Kraftfahrzeuge: Verbandzeug, staubdicht und in einem widerstandsfähigen Behälter

• Mehrspurige Fahrzeuge zusätzlich: Warndreieck und Warnweste nach ÖNORM EN 471

• Über 3,5 Tonnen zusätzlich: mindestens ein Unterlegkeil und das aktuelle § 57a-Gutachten

• Immer dabei: Führerschein und Zulassungsschein im Original oder als eAusweis

• Nicht vorgeschrieben: Reserverad, Notrad, Pannenset, Wagenheber

• Freiwillig empfohlen: eine Autoapotheke nach ÖNORM V 5101

Die drei Lösungen im Vergleich

Jede Lösung deckt einen anderen Teil der möglichen Schäden ab. Das ist der eigentliche Unterschied, nicht der Preis.

Reserverad Notrad Pannenset
Hilft bei allen Reifenschäden allen Reifenschäden kleinen Einstichen in der Lauffläche
Flankenschaden ja ja nein
Reifenplatzer ja ja nein
Tempo danach unbeschränkt meist bis 80 km/h meist bis 80 km/h
Reichweite danach unbeschränkt begrenzt, Herstellerangabe beachten rund 30 bis 50 Kilometer
Platzbedarf hoch mittel sehr gering
Gewicht hoch mittel sehr gering
Aufwand am Straßenrand Radwechsel Radwechsel Dose anschließen
Kosten danach keine keine neuer Reifen, oft auch neuer Sensor
Bei Frost unverändert unverändert unzuverlässig

Das Reserverad in voller Größe

Ein vollwertiges Reserverad hat dieselbe Dimension wie die montierten Räder. Nach dem Wechsel fährst du ohne Einschränkung weiter, du musst nicht einmal zwingend sofort in die Werkstätte.

Der Preis dafür ist Platz und Gewicht. Ein komplettes Rad wiegt je nach Dimension leicht 20 Kilogramm und mehr, und es braucht eine Mulde im Kofferraum. Genau deshalb verzichten viele Hersteller darauf: Jedes Kilogramm weniger bedeutet etwas weniger Verbrauch, und in der Reserveradmulde sitzt heute oft Technik oder Stauraum.

Wichtig ist der Zustand. Ein Reserverad, das seit Jahren im Kofferraum liegt, verliert Luft und altert. Prüfe den Druck mindestens einmal im Jahr mit, am besten beim Reifenwechsel.

Das Notrad

Das Notrad ist schmaler und leichter als ein normales Rad, oft erkennbar an der auffälligen Felge. Es ist ausdrücklich eine Übergangslösung.

Die Einschränkungen stehen auf dem Rad selbst, meist als Aufkleber: In der Regel sind 80 km/h zulässig, dazu eine begrenzte Laufleistung. Halte dich daran. Das Notrad hat eine andere Aufstandsfläche als die übrigen Räder, das verändert Bremsverhalten und Fahrstabilität spürbar, vor allem bei Nässe.

Ein Notrad ist auch dann montierbar, wenn der Reifen geplatzt ist oder die Flanke aufgerissen wurde. Genau das kann ein Pannenset nicht.

Fahr damit direkt zur nächsten Werkstätte und nicht die geplante Route weiter.

Reifenwechsel

Übergangslösung mit Grenzen

Ein Notrad bringt dich auch nach einem Reifenplatzer weiter, das Dichtmittel nur bei kleinen Einstichen in der Lauffläche. Beide sind für die Fahrt zur nächsten Werkstätte gedacht, nicht für die restliche Reise.

Das Pannenset mit Dichtmittel

Im Set stecken eine Dose Dichtmittel und meist ein kleiner Kompressor. Das Mittel wird über das Ventil in den Reifen gepresst, verteilt sich beim Anfahren an der Innenseite und verschließt die Einstichstelle von innen. Danach pumpst du auf und fährst weiter.

Das funktioniert bei kleinen Löchern in der Lauffläche, ungefähr bis sechs Millimeter, also beim klassischen Nagel oder der Schraube. Danach bleiben dir rund 30 bis 50 Kilometer, und du solltest nicht schneller als 80 km/h fahren.

Zwei Dinge solltest du vorher wissen. Erstens hat das Mittel ein Ablaufdatum, das auf der Dose steht. Prüf es, bevor du es brauchst, nicht wenn du es brauchst. Zweitens ist der Reifen nach dem Einsatz in aller Regel nicht mehr reparabel, weil das Mittel innen verklebt. Du zahlst also einen neuen Reifen, und wenn das Mittel den Drucksensor im Rad verklebt, kommt der auch noch dazu.

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Wann das Dichtmittel nicht hilft

• Bei einem Schaden an der Reifenflanke. Dort hält das Mittel dem Druck nicht stand.

• Bei einem Riss oder einem größeren Schnitt.

• Nach einem Reifenplatzer.

• Wenn sich die Lauffläche gelöst hat.

• Wenn der Reifen beim Weiterfahren mit zu wenig Druck bereits gelitten hat.

• Bei Frost, weil das Mittel dann zäh wird und sich nicht mehr richtig verteilt.

• Wenn das Ablaufdatum auf der Dose überschritten ist.

Winter in Österreich: der kritische Punkt

Von 1. November bis 15. April gilt in Österreich die situative Winterreifenpflicht. Bei winterlichen Fahrbedingungen, also bei Schnee, Matsch oder Eis, musst du auf allen Rädern Winterreifen haben. Anerkannt sind Reifen mit der Kennzeichnung M+S, M.S. oder M&S sowie Reifen mit dem Alpine-Symbol, der Schneeflocke im Bergpiktogramm. Die Mindestprofiltiefe beträgt vier Millimeter, bei Diagonalreifen fünf.

Als Alternative sind Sommerreifen mit Schneeketten zulässig, aber nur auf Straßen, die durchgehend oder nahezu durchgehend mit Schnee oder Eis bedeckt sind.

Damit ergeben sich zwei praktische Probleme, die genau in diese Monate fallen:

Das Dichtmittel. Kälte macht es zäh. Es verteilt sich nicht mehr sauber im Reifen und dichtet schlechter ab. Die Jahreszeit, in der du am ehesten liegen bleibst, ist also die, in der das Set am wenigsten taugt.

Das Notrad. Ein Notrad ist üblicherweise kein Winterreifen. Eine ausdrückliche gesetzliche Ausnahme für den Pannenfall kennt die Regelung nicht. Praktisch heißt das: Wenn du im Winter auf ein Notrad wechselst, fahr angepasst und auf dem kürzesten Weg zur nächsten Werkstätte, nicht die geplante Strecke zu Ende.

Wer regelmäßig im Winter über Landstraßen oder in den Bergen unterwegs ist, fährt mit einem vollwertigen Reserverad deutlich entspannter.

Zu den Strafen: Wer bei winterlichen Bedingungen ohne passende Bereifung unterwegs ist, zahlt rund 100 Euro. Wer damit andere gefährdet, riskiert deutlich mehr.

Was dein Auto überhaupt hergibt

Bevor du etwas kaufst, sieh im Kofferraum nach. Drei Fälle sind üblich:

• Es gibt eine Reserveradmulde mit Rad. Dann ist alles da, prüf nur den Druck.

• Es gibt eine Mulde, aber darin liegt nur ein Pannenset. Dann lässt sich meist ein Notrad oder ein Reserverad nachrüsten.

• Es gibt gar keine Mulde. Dann bleibt nur das Pannenset oder ein Rad, das quer im Kofferraum liegt und Platz kostet.

Beim Nachrüsten muss die Radgröße zum Fahrzeug passen. Auf der sicheren Seite bist du mit einer Kombination, die für dein Modell freigegeben ist. Prüf außerdem, ob Wagenheber und Radschlüssel überhaupt an Bord sind. In vielen Autos mit Pannenset fehlen sie, und ohne sie nützt dir das schönste Reserverad nichts.

Ein Punkt noch, der gern vergessen wird: Sicherungsschrauben brauchen einen passenden Adapter. Der gehört ins Auto, nicht in die Garage.

Panne am Straßenrand: der Ablauf

• Fahrzeug so weit wie möglich von der Fahrbahn wegstellen, Warnblinkanlage einschalten.

• Warnweste anlegen, bevor du aussteigst.

• Warndreieck in ausreichendem Abstand aufstellen, auf Autobahnen deutlich weiter entfernt als im Ortsgebiet.

• Insassen hinter die Leitschiene bringen, nicht im Auto sitzen lassen.

• Erst dann entscheiden, ob du selbst wechselst oder Pannenhilfe rufst.

Auf der Autobahn und auf stark befahrenen Freilandstraßen ist selbst wechseln keine gute Idee. Dort ist der Anruf bei der Pannenhilfe die sicherere Entscheidung, auch wenn ein Reserverad im Kofferraum liegt.

Stärken

  • Deckt auch Flankenschäden und Reifenplatzer ab, bei denen Dichtmittel nichts ausrichtet
  • Funktioniert bei jeder Temperatur, also auch im Winter
  • Keine Folgekosten für Reifen und Drucksensor
  • Unabhängig von Handyempfang und Wartezeit auf die Pannenhilfe

Schwächen

  • Kein Platzverlust im Kofferraum
  • Deutlich leichter, damit minimal weniger Verbrauch
  • Am Straßenrand in wenigen Minuten angewendet, ohne Radwechsel
  • Für überwiegend städtische Nutzung mit kurzer Anfahrt zur Werkstätte meist ausreichend

Häufige Fragen

Quellen und Stand

Stand: 24. September 2026. Mitführpflichten nach § 102 KFG, Darstellung nach den Rechtsinformationen des ÖAMTC. Anforderungen an die Warnweste nach ÖNORM EN 471, Autoapotheke nach ÖNORM V 5101. Situative Winterreifenpflicht von 1. November bis 15. April, Kennzeichnungen und Mindestprofiltiefen nach den Angaben des ÖAMTC. Technische Angaben zu Notrad und Reifendichtmittel sowie Reichweiten und Grenzen des Dichtmittels nach autorevue. Nächste Prüfung dieser Seite: Oktober 2027, vor Beginn der Winterreifensaison.

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Julian Deutsch

Julian Deutsch ist Journalist und Content-Spezialist mit über zehn Jahren Erfahrung. Er bereitet komplexe Themen rund um Auto, Mobilität und Kaufentscheidungen verständlich und praxisnah auf, damit Leser schnell verstehen, worauf es ankommt.

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