Autonomes Fahren in Österreich: Was dein Auto heute schon darf

Ein Auto, das allein von Wien nach Graz fährt, während du hinten Zeitung liest: Davon ist seit Jahren die Rede. Auf Österreichs Straßen sitzt du trotzdem fast immer selbst am Steuer. Und das bleibt noch eine Weile so.
Dabei kann dein Auto oft schon mehr, als du denkst. Viele neuere Modelle halten selbstständig Abstand, lenken in der Spur und bremsen im Stau bis zum Stillstand. Autonom ist das nicht. Es ist Assistenz, und die Verantwortung bleibt bei dir.
Wie weit die Technik gehen darf, regelt in Österreich eine eigene Verordnung. Sie ist vorsichtiger, als es die Werbung mancher Hersteller vermuten lässt. Erlaubt sind im Alltag genau zwei Dinge: Einparkhilfen und ein Autobahnassistent, der die Spur hält. Alles darüber hinaus gibt es nur im Testbetrieb.
Wir haben uns angesehen, was die einzelnen Stufen bedeuten, was hierzulande gilt und was du beim nächsten Autokauf darüber wissen solltest.
Das Wichtigste in Kürze
• Autonomes Fahren wird in fünf Stufen eingeteilt. Die meisten Neuwagen erreichen Stufe 2: Das Auto lenkt und bremst mit, du überwachst es ständig.
• In Österreich dürfen Serienautos zwei Systeme nutzen: Einparkhilfen bis 10 km/h und einen Autobahnassistenten mit Spurhaltung.
• Beim Autobahnassistenten darfst du die Hände vom Lenkrad nehmen. Vor Spurwechseln, Baustellen und Ausfahrten übernimmst du wieder selbst.
• Handy, Video oder Laptop bleiben auch mit Assistent tabu. Die Verantwortung liegt bei dir, an der Haftung ändert sich nichts.
• Selbstfahrende Shuttles und Lkw sind nur im Testbetrieb unterwegs, auf festgelegten Strecken und mit Tempolimits.
Fünf Stufen bis zum Auto ohne Lenkrad
Wer über selbstfahrende Autos spricht, meint oft ganz unterschiedliche Dinge. Deshalb gibt es eine Einteilung in fünf Stufen, die sich international durchgesetzt hat. Sie beschreibt, wie viel das Auto übernimmt und wie viel bei dir bleibt.
| Stufe | Bezeichnung | Was das Auto macht | Was du machst |
|---|---|---|---|
| 1 | Assistiert | lenkt oder bremst, nie beides zugleich | fährt und überwacht |
| 2 | Teilautomatisiert | lenkt und bremst in bestimmten Situationen | überwacht ständig, greift jederzeit ein |
| 3 | Hochautomatisiert | fährt in definierten Fällen allein | darf sich abwenden, muss auf Aufforderung übernehmen |
| 4 | Vollautomatisiert | fährt auf bestimmten Strecken komplett allein | ist Passagier, solange das System aktiv ist |
| 5 | Autonom | fährt überall ohne Mensch | nichts, ein Lenkrad braucht es nicht mehr |
Der Sprung von Stufe 2 auf Stufe 3 ist größer, als die Zahlen vermuten lassen. Bis Stufe 2 bist du der Fahrer, das System hilft dir. Ab Stufe 3 fährt in bestimmten Momenten das Auto, und du bist nur noch Rückfallebene. Genau an dieser Grenze hängen die meisten rechtlichen Fragen.
Wie ein Auto seine Umgebung erkennt
Ein Mensch schaut nach vorne, in die Spiegel und über die Schulter. Ein Auto mit Assistenzsystemen macht im Grunde dasselbe, nur mit mehreren Sensoren gleichzeitig.
Kameras hinter der Windschutzscheibe lesen Fahrbahnmarkierungen und Verkehrszeichen und erkennen Fußgänger. Radarsensoren in der Front messen Abstand und Geschwindigkeit des Vordermanns, auch bei Regen und Dunkelheit. Ultraschallsensoren in den Stoßfängern kennst du vom Einparken. Manche Oberklassemodelle haben zusätzlich Lidar, das mit Laserlicht ein dreidimensionales Bild der Umgebung erzeugt.
Ein Steuergerät führt diese Daten zusammen und entscheidet, ob gelenkt, gebremst oder beschleunigt wird. Hochauflösende Karten und die Satellitenortung helfen dabei, vorauszuplanen, etwa vor einer Ausfahrt.
Das klingt robust. Im österreichischen Winter stößt die Technik trotzdem schnell an Grenzen. Eine Schicht Schneematsch auf dem Radarsensor, Nebel im Innviertel oder verschneite Fahrbahnmarkierungen am Arlberg reichen, und der Assistent meldet sich ab. Dann fährst du wieder ganz allein, und das sollte dich nicht überraschen.
Was in Österreich erlaubt ist
Die Regeln stehen in der Automatisiertes Fahren Verordnung. Sie unterscheidet zwischen Systemen, die du in deinem ganz normalen Auto nutzen darfst, und solchen, die nur getestet werden dürfen. Für Serienautos sind es genau zwei Fälle.
Der erste ist die Einparkhilfe. Systeme, die selbst in eine Parklücke lenken, darfst du bis 10 km/h nutzen, und zwar so, wie es der Hersteller vorsieht. Du musst den Vorgang überwachen. Das geht im Auto oder, wenn das System eine Fernsteuerung per App erlaubt, auch knapp daneben.
Der zweite ist der Autobahnassistent mit Spurhaltung. Auf Autobahnen und Schnellstraßen darf er Gas geben, bremsen und in der Spur lenken. Du darfst dabei die Hände vom Lenkrad nehmen. Aktivieren darfst du ihn aber erst, wenn du dich im fließenden Verkehr eingeordnet hast. Vor jedem Spurwechsel, vor Baustellen und vor der Ausfahrt übernimmst du wieder.
Was nicht geht: zurücklehnen und aufs Handy schauen. Auch mit aktivem Assistenten bist du der Lenker. Ein Video, eine Nachricht, ein Blick auf den Laptop sind genauso verboten wie ohne System. Wer das auf der A2 ausprobiert und erwischt wird, kann sich nicht auf die Technik berufen.
Wer haftet, wenn es kracht
Die kurze Antwort: dieselben wie immer. Solange in Österreich ein Mensch am Fahrerplatz sitzen muss, ist er für die Fahrt verantwortlich. Baut dein Auto mit eingeschaltetem Spurhalteassistenten einen Unfall, zahlt zunächst deine Haftpflichtversicherung, und rechtlich bist du der Lenker.
Hast du den Verdacht, dass das System versagt hat, kann das später eine Frage zwischen Versicherung und Hersteller werden. Für dich am Unfallort ändert das nichts. Du sicherst ab, tauschst Daten aus und meldest den Schaden wie bei jedem anderen Unfall.
Bei Testfahrzeugen sieht die Verordnung strengere Regeln vor. Sie brauchen einen Unfalldatenspeicher, der die Sekunden vor und nach einem Crash festhält. Bei Serienautos hängt es vom Modell ab, welche Daten gespeichert werden.
Wo in Österreich getestet wird
Alles, was über Einparkhilfe und Spurhaltung hinausgeht, darf nur im Testbetrieb fahren. Dafür braucht es eine Bescheinigung, eine Haftpflichtversicherung für den Test, eine Analyse der Strecke und die Information der zuständigen Behörden. Die Testlenker müssen geschult sein und dürfen nicht mehr in der Probezeit sein.
Am sichtbarsten sind automatisierte Kleinbusse. Sie fahren auf festgelegten Routen, oft als Zubringer im Ortsgebiet, mit höchstens 30 km/h, genehmigte Fahrzeuge mit bis zu 50 km/h. Auf Autobahnen und Schnellstraßen haben sie nichts verloren. Ein Mensch an Bord, der im Notfall eingreift, ist Pflicht. Nach denselben Regeln dürfen auch automatisierte Lieferfahrzeuge getestet werden.
Daneben gibt es Tests mit Autobahnpiloten, die selbst die Spur wechseln oder sogar auf- und abfahren. Für die Auffahrten braucht es zusätzlich die Freigabe des Straßenerhalters. Und in Parkhäusern dürfen Systeme getestet werden, die das Auto ganz allein zum Stellplatz bringen, mit maximal 10 km/h.
Fahrzeuge völlig ohne Menschen an Bord sieht die Verordnung für den öffentlichen Verkehr derzeit nicht vor.
Was Serienautos heute wirklich können
Stufe 2 ist inzwischen weit verbreitet, auch in der Kompaktklasse. Ein Abstandstempomat, der im Stau bis zum Stillstand bremst und wieder anfährt, ein Spurhalteassistent, der sanft gegenlenkt, und ein Notbremsassistent gehören bei vielen Neuwagen zur Serienausstattung. Auf einer langen Fahrt über die Westautobahn nimmt dir das spürbar Arbeit ab.
Stufe 3 ist dagegen selten geblieben. Nur wenige Oberklassemodelle wurden mit einem solchen System angeboten, es kostete mehrere tausend Euro Aufpreis und funktionierte nur unter engen Bedingungen: Autobahn, gutes Wetter, ein Vorderfahrzeug, begrenztes Tempo. Manche Hersteller haben sich inzwischen wieder auf leistungsfähige Stufe-2-Systeme konzentriert. In der österreichischen Verordnung ist ein Serienbetrieb nach Stufe 3 bislang nicht geregelt.
Vorsicht bei Begriffen wie „Autopilot“ oder „Pilot Assist“. Sie klingen nach mehr, als sie sind. Rechtlich zählt, was die Verordnung erlaubt, nicht der Produktname. Und wer mit dem eigenen Auto ins Ausland fährt, sollte wissen: In der EU gelten keine einheitlichen Regeln. Was in einem Land erlaubt ist, kann im nächsten verboten sein.
Was dafür spricht und was dagegen
Der stärkste Grund für mehr Automatisierung ist der Mensch selbst. Müdigkeit, Ablenkung und zu wenig Abstand stehen hinter vielen Unfällen. Ein System, das nie aufs Handy schaut und nach acht Stunden noch genauso aufmerksam ist wie am Anfang, kann hier viel verhindern. Im zähen Kolonnenverkehr auf der Südosttangente ist ein Stauassistent außerdem schlicht angenehm.
Auf der anderen Seite stehen ganz praktische Probleme. Österreich hat Bergstraßen, enge Ortsdurchfahrten, lange Baustellen und Winter mit Schnee und Nebel. Genau dort stoßen Sensoren und Software an ihre Grenzen. Dazu kommen offene Fragen zum Datenschutz, denn ein Auto, das ständig filmt und misst, sammelt eine Menge Informationen.
Und es bleibt eine ethische Debatte, die keine Technik allein löst: Wie soll ein Auto entscheiden, wenn ein Unfall nicht mehr zu vermeiden ist? Solange darauf keine verbindliche Antwort existiert, wird der Mensch am Steuer in Österreich nicht so bald ersetzt.
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