Winterreifenpflicht im Ausland – Ratgeber

Auf Skipisten machen sich Eis und Schnee immer bestens. Auf der Straße dagegen sorgt die weiße Pracht oft für Ärger. Zudem kann es teuer werden, startet man mit falschen oder abgefahrenen Pneus in den Winterurlaub. Unser Ratgeber zeigt, was Sie in Sachen Winterreifen im Ausland beachten müssen.

Wie ist die Ausgangslage in Deutschland?

In Deutschland schreibt der Gesetzgeber in der Straßenverkehrsordnung (Paragraph 2, Absatz 3a) vor, dass Autofahrer bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur dann fahren dürfen, „wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die unbeschadet der allgemeinen Anforderungen an die Bereifung den Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung genügen.“ Es besteht also eine situative Winterreifenpflicht. Wer mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von mindestens 60 Euro und einen Punkt in Flensburg. Wer also auf sein Auto angewiesen ist, muss rechtzeitig auf Winterreifen umrüsten. Diese genügen den deutschen gesetzlichen Vorgaben, wenn sie mindestens über eine Profiltiefe von 1,6 Millimetern und über das Schneeflockensymbol auf der Reifenflanke verfügen.

Welche Vorschriften gibt es im europäischen Ausland?

Im Ausland werden zum Teil deutlich höhere Anforderungen - Stichwort Profiltiefe - an Winterreifen gestellt als in Deutschland. Es gibt zudem Länder mit Winterreifenpflicht, in anderen gilt eher eine situative wie hierzulande. Um es noch unübersichtlicher zu machen, kommen zusätzlich lokale Vorschriften hinzu. Die Automobilclubs empfehlen daher, sich vor Reiseantritt genau zu informieren, welche Vorgaben es zu erfüllen gilt. Denn bei Missachtung kann es schnell zu teuren Strafzetteln kommen.

Österreich

In der Alpenrepublik müssen Autofahrer im Zeitraum zwischen dem 1. November und dem 15. April bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Winter- oder Ganzjahresreifen unterwegs sein. Die Pneus müssen eine Mindestrestprofiltiefe von 4 Millimetern aufweisen. Sind Ganzjahresreifen aufgezogen, gelten sie nur als Winterreifen, wenn sie die „M und S“ Kennung auf der Flanke haben. Wer bei entsprechenden winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen erwischt wird, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Im Normalfall sind es 35 Euro, bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer können bis zu 5.000 Euro fällig werden, warnt der ADAC.

Schweiz

In der Schweiz gibt es zunächst keine generelle Winterreifenpflicht. Aber der Gesetzgeber schreibt vor, dass ein Autofahrer sein Fahrzeug jederzeit beherrschen und seinen „Vorsichtspflichten“ nachkommen muss. Unter anderem ist damit gemeint, dass er sein Fahrzeug entsprechend der Wetterbedingungen auszurüsten hat. Autofahrern drohen daher Bußgelder, wenn sie auf verschneiten Straßen mit ungeeigneter Bereifung den Verkehr behindern oder in einen Unfall verwickelt werden. Wer die Mindestanforderung an die Profiltiefe von 1,6 Millimetern nicht erfüllt, zahlt 100 Franken (ca. 90 Euro) Strafe.

Italien

Wer die Grenze zu Italien überquert, sollte auf die Straßenschilder achten. Da es keine landesweit verbindliche Regelung zur Winterreifenpflicht gibt, entscheiden die Provinzen selbst, welche Vorschriften gelten. Die geeignete Bereifung wird mittels Verkehrsschilder kommuniziert. Dazu kommen aber noch feste Regeln. In Südtirol sind Winterreifen bei winterlichen Bedingungen vorgeschrieben. Auf der Brennerautobahn A22 sind vom 15. November bis 15. April grundsätzliche Winterpneus Pflicht. Wer ins Aosta-Tal fahren will, muss ab dem 15. Oktober und ebenfalls bis zum 15. April Winterreifen aufgezogen haben. Die Bußgelder, die bei Missachtung der Vorschriften fällig werden, können happig ausfallen: Laut ADAC bis zu 345 Euro.

Frankreich

Auch die Franzosen setzen mittels einer situationsbedingten Winterreifenpflicht auf eine flexible Umsetzung und zeigen eine Notwendigkeit durch spezielle Schilder an. Die Pneus müssen dann allerdings eine Mindestprofiltiefe von 3,6 Millimetern haben. Wer gegen die Vorschriften verstößt, muss mit Geldbußen von bis zu 135 Euro rechnen. Die Behörden können zudem die Weiterfahrt untersagen.

Schneeketten mitnehmen: Ja oder Nein?

Besser ja: Wer in die oben erwähnten Länder fährt, sollte auch Schneeketten an Bord haben. Die Behörden können örtlich ihre Verwendung anordnen. Bis Tempo 50 darf man mit den angelegten Ketten unterwegs sein. In Österreich muss man darauf achten, dass die Ketten die Norm V5117 bzw. V5119 erfüllen.

Was ist zu tun?

Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie zwischen Oktober und Ostern stets mit gut profilierten Winter- oder Ganzjahresreifen unterwegs sind. Das gilt auch für Fahrzeuge mit Allradantrieb oder wenn Sie nicht ständig ins Ausland fahren. Obwohl hierzulande 1,6 Millimeter bei Winterreifen als Mindestprofiltiefe gelten; eine Grenze von 4,0 Millimeter sollte man nicht unterschreiten. Bereits hier nimmt der Haftwert deutlich ab und das Risiko zu, im Ernstfall auf Eis und Schnee die Fahrzeuggewalt zu verlieren. Schneeketten sollte jeder mitführen, der in Bergregionen unterwegs ist. Zur Grundausstattung für den Winterbetrieb des Fahrzeugs gehören zudem Handschuhe, Mütze, Besen und eine Decke für den Notfall. (Text: tv, em/sp-x | Bilder: Hersteller)

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