Zahl der Oldtimer erreicht neuen Rekordwert

Der Oldtimer-Boom in Deutschland hält weiter an. 923.538 historische Fahrzeuge waren Anfang 2026 zugelassen – vier Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Damit hat sich der Oldtimer-Bestand auf den Straßen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Folgt nun die "Oldtimer-Schwemme"?
Kritiker warnen schon von der „Oldtimer-Schwemme“, die jetzt drohe. Das H-Kennzeichen wurde 1997 eingeführt, um rare Modelle als automobiles Kulturgut zu schützen. Die Privilegien sind eine auf 191 Euro gedeckelte Kfz-Steuer sowie freie Fahrt in die Umweltzonen der Städte. Doch zuletzt kamen zunehmend Massenmodelle der 1990er Jahre ins H-Kennzeichenalter – von VW Golf und Opel Astra über BMW 5er (E39) und Mercedes E-Klasse (W210) bis zum Volvo V70. Etliche davon werden heute noch als Alltagsauto genutzt. Kann man da noch von schützenswerten Oldtimern sprechen?
Tatsache ist allerdings auch: Viele dieser Veteranen tragen gar kein H-Kennzeichen mehr. Oldtimer-Pkw der 1990er Jahre verfügten bereits häufig über „moderne Abgasreinigungssysteme“ und erfüllten damit regulär die Anforderungen zum Erhalt einer grünen Umweltplakette, erklärt der ADAC. Damit fallen sie automatisch in eine günstigere Kfz-Besteuerung und die mitunter höher besteuerte Oldtimer-Kennzeichen hat keine Vorteile mehr gegenüber einer normalen Zulassung. So verzichten Oldtimer-Besitzer zunehmend auf die Sondernummer. Zuletzt lag die H-Kennzeichen-Quote laut ADAC bei 54 Prozent mit weiter fallender Tendenz.
Altes Garagengold mittlerweile weniger wert
Einen Dämpfer erlitten etliche Klassiker indes bei Image und Preis. Zwischenzeitlich als „Garagengold“ angepriesen, brachen die Marktwerte für Modelle aus den 50er bis 70er Jahren teilweise ein. Beim BMW „Barockengel“ etwa sank der Marktwert gegenüber 2019 um fast 20 Prozent, stellte der Marktbeobachter Classic Data aus Bochum fest. Beim einstigen Luxusauto Glas 2600 V8 waren es 21 Prozent, beim Jaguar XK 140 OTS, einem Roadster aus den 50er Jahren, gar knapp 24 Prozent. Der Grund: Die Zahl derer, die einen persönlichen Bezug zu einem Barockengel oder einer längst untergegangenen Automarke wie Glas haben, nimmt rapide ab.
Im Trend sind dagegen junge Oldtimer und Youngtimer. Sie sind nicht nur oft günstig, sondern auch von hoher Qualität. Die Zeit um 1990 gilt als goldene Ära des Automobilbaus. Der Rostschutz wurde damals deutlich verbessert, Technik und Motoren wurden langlebiger. Gut gepflegt, können ein Audi A6 (C4), ein BMW 5er (E39) oder ein VW Bus (T4) aus dieser Zeit praktisch ewig halten – ob mit oder ohne H-Kennzeichen. (hp/spx | Bilder: Hersteller)
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