Dem E-Auto-Akku auf den Zahn gefühlt: Interview mit Marcus Berger, CEO von Aviloo

Aviloo baut derzeit den weltweiten Vertrieb seiner selbst entwickelten Batteriediagnose weiter aus. Das Unternehmen mit Sitz im niederösterreichischen Wiener Neudorf bietet sowohl Fahrzeughändlern als auch Konsumenten eine herstellerunabhängige Analyse des Gesundheitszustands eines E-Auto-Akkus und damit eine wertvolle Basis zur Preisfindung bei gebrauchten Fahrzeugen. Wir haben mit Marcus Berger, dem CEO von Aviloo, über die aktuellen Trends bei der Akku-Entwicklung, die Vorteile des Aviloo-Batterietests, die Partnerschaft mit AutoScout24 sowie die zukünftigen Pläne des Unternehmens gesprochen:
Gibt es aktuell neue Batterietrends bei Elektroautos, in welche Richtung wird es in Zukunft gehen? Befindet sich der Lithium-Eisenphosphat-Akku im Vormarsch?
Den klassischen Lithium-Ionen-Akku gibt es mittlerweile seit 35 Jahren. Natürlich wird dieser laufend weiterentwickelt, große Sprünge, wie wir sie von anderen Technologien gewohnt sind, gibt es bei der Zellchemie jedoch nicht. Da diese NMC-Akkus (Nickel-Mangan-Kobalt) die höchste Energiedichte bei vergleichsweise niedrigem Gewicht aufweisen, wurden sie von Beginn an in Elektroautos eingebaut. Der hohe Preis spielte keine Rolle, da anfangs überwiegend große, teure Modelle gebaut wurden. Mit dem vermehrten Aufkommen von kleineren Fahrzeugen für den Massenmarkt rückte der günstigere LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat) immer mehr in den Vordergrund. Da chinesische Hersteller stark auf diese Technologie setzen, ist der Eindruck entstanden, dass es sich dabei um eine Neuheit handelt, was jedoch so nicht stimmt.
Wird der Feststoff-Akku in naher Zukunft eine größere Rolle spielen?
Es gibt den einen oder anderen Fahrzeughersteller, der ankündigt, 2027 Feststoff-Akkus verbauen zu wollen. Wir sind diesbezüglich etwas skeptisch und noch nicht ganz davon überzeugt, dass sich diese Technologie durchsetzen wird. Einerseits sind diese sicherer und die Energiedichte ist deutlich höher. Dem gegenüber steht jedoch der hohe Preis, der ein Mehrfaches jenes von LFP-Akkus beträgt. Ob es möglich sein wird, die Kosten in eine wirtschaftlich sinnvolle Richtung zu bringen, wird sich noch zeigen. Im Endeffekt wird entscheidend sein, ob der technologische Vorteil den Preisnachteil aufwiegen können wird.
Welche Vorteile bietet der Aviloo Batterietest für Händler und Käufer gebrauchter Elektroautos?
Der große Vorteil des Aviloo Batterietests ist, dass er Transparenz in das Unbekannte bringt. Er ist der einzige Test am Markt, der den Gesundheitszustand des Akkus (State of Health) unabhängig berechnet. Es ist uns wichtig, dies zu betonen, da es andere Produkte am Markt gibt, die lediglich den State of Health aus dem Batteriemanagementsystem des Fahrzeugs auslesen und diesen dann ausgedruckt als Zertifikat bezeichnen. Wir lesen Daten aus und berechnen den Gesundheitszustand selbst. Dieser kann stark vom fahrzeuginternen Wert abweichen. Da die Batterie einen stark wertbeeinflussenden Faktor bei einem gebrauchten Elektroauto darstellt, bietet unser Batteriezertifikat eine wichtige Grundlage für die gemeinsame Preisfindung zwischen Händler und Käufer.
Welche Möglichkeiten haben Interessenten, vor dem Kauf eines gebrauchten Elektroautos einen Aviloo Batterietest durchzuführen?
Mittlerweile verwenden sehr viele österreichische Autohändler die Aviloo-Technologie. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Auto mit einem Batterietest verkauft wird, schon relativ hoch. Sollte dies dennoch nicht der Fall sein, gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann den Aviloo Batterietest über unsere Website zur Selbstanwendung bestellen. Grundsätzlich kann ihn jeder durchführen, da er für einen Laien anwendbar konzipiert wurde. Wenn man das nicht möchte, kann man auch zu unseren Partnern, wie zum Beispiel ARBÖ oder ÖAMTC, fahren und dort im Rahmen einer Ankaufsuntersuchung einen Aviloo Batterietest durchführen lassen.
Wie beurteilst du die aktuelle Entwicklung bei der Kaufzurückhaltung im Bereich der gebrauchten Elektroautos? Hat sich die Situation in letzter Zeit verbessert? Konnte der Aviloo Batterietest dazu beitragen?
Die Situation hat sich aus unserer Sicht spürbar verbessert. Wir sind absolut davon überzeugt und viele Kunden bestätigen dies mittlerweile auch, dass der Aviloo Batterietest stark dazu beigetragen hat. Er hat Vertrauen beim Konsumenten geschaffen, dass ein gebrauchtes Elektroauto ein gutes Investment ist, sofern er unabhängig bestätigt bekommt, dass die Batterie in einem guten Gesundheitszustand ist. Wir haben mittlerweile viele Händler-Kunden, die herausgefunden haben, dass die Standzeiten ihrer Fahrzeuge mit einem Aviloo Batteriezertifikat deutlich reduziert werden und die Verkaufspreise damit um bis zu zehn Prozent nach oben gehen. Damit rechtfertigt sich auch das Investment der Händler.
Welche Gründe sprechen für die Kooperation zwischen Aviloo und AutoScout24? Welche positiven Effekte hat sie bisher?
Da wir im Grunde das Gleiche wollen, ist die Zusammenarbeit eine sehr sinnvolle. Wir haben mit den Autohändlern und Konsumenten die gleichen Kunden. Die Vermittlung von Elektroautos ist unsere gemeinsame Tätigkeit und wir beide haben den Wunsch, unseren Kunden eine hohe Qualität zu bieten. Da wir am selben Strang ziehen, ergeben sich enorm viele Synergien. Für Aviloo ist AutoScout24 nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland eine große Marke und eine Partnerschaft mit einem derart renommierten Unternehmen sehr wichtig – wir werden von Kunden auch oft darauf angesprochen. Somit ist die Kooperation sehr vorteilhaft für uns.
Aviloo war heuer bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit AutoScout24 bei den Wiener Elektro Tagen vertreten. Was wurde den Besuchern bei der Veranstaltung vermittelt und konnte dadurch erreicht werden?
Wir sehen die Wiener Elektro Tage als eine gute und wichtige Veranstaltung, die Elektromobilität in die Mitte der Gesellschaft bringt. War das vor einigen Jahren noch eher etwas für Tech- oder Öko-Nerds, die aus gewissen ideologischen Motiven heraus Elektroautos gefahren sind, so ist es mittlerweile eine ökonomische Entscheidung, die nahezu alle Teile der Gesellschaft trifft. Heute fällt die Entscheidung für ein Elektroauto aus den unterschiedlichsten Motiven und die Wiener Elektro Tage tragen die neue Technologie irgendwie in die Herzen der Menschen. Es sind zahlreiche neue Fahrzeuge zu sehen, es wird gezeigt, wie einfach das Laden von Elektrofahrzeugen ist und auch die Leistungen von Aviloo und AutoScout24 werden vorgestellt. Damit wird den Besuchern die Technologie nähergebracht und ihnen die Angst davor genommen.
Welche Pläne verfolgt Aviloo für die Zukunft – insbesondere im Hinblick auf den Einstieg neuer Investoren im heurigen Jahr und das dadurch zusätzlich verfügbare Kapital?
Wir haben grundsätzlich drei Stoßrichtungen: Die erste ist die geografische Expansion. Wir investieren einen Teil des Geldes in die USA, wo wir gerade unser Business aufbauen. Weiters etablieren wir gerade ein Unternehmen in China. Wir sind mit unseren mittlerweile 100 Mitarbeitern bereits global aktiv und wollen noch globaler werden. Als Zweites arbeiten wir an der Tiefe unserer Analyse. In Kooperation mit der deutschen Fahrzeugsystemdaten GmbH forschen wir dazu gerade sehr stark an sicherheitsrelevanten Aspekten, um noch mehr sicherheitsrelevante Faktoren in die Batterieüberprüfung einzubauen. Damit soll zum Beispiel verhindert werden, dass sich ein Fahrzeug plötzlich abschaltet, was zu sehr gefährlichen Situationen führen kann. Unser dritter Schwerpunkt betrifft das Angebot weiterer Produkte rund um den Batterietest. Aktuell launchen wir die „Aviloo Batteriegarantie“, die jeder Kunde erhält, der ein Batteriezertifikat mit einem qualifizierten Fahrzeug macht. Sollte das Fahrzeug binnen eines Jahres eine gewisse Reduktion der Batteriegesundheit erfahren, erhält der Kunde 3.000 Euro. Wir stehen hinter unserer Analyse und bestärken sie noch dazu mit einer Garantie.
Das Gespräch führte Armin Hoyer | Bilder: Aviloo
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