Porsche bringt mit dem 911 S/T einen GT3 RS mit Touring-Paket

Der Porsche 911 (992) S/T auf einen Blick
- Puristischer Sportwagen für die Landstraße
- 525 PS starker 4,0-Liter-Sechszylinder-GT-Motor
- Sechsgang-Schaltgetriebe mit Leichtbaukupplung
- 0-100 km/h in 3,7 s, Vmax 300 km/h
- Startpreis ab 292.187 Euro
Porsche 911 S/T kommt nur mit Schaltgetriebe
Kein ausgeklügeltes Aerodynamik-Konzept, kein XXL-Heckspoiler, keine Rekordzeit auf der Nürburgring-Nordschleife. Der neue Porsche 911 (992) S/T ist so etwas wie der Gegenentwurf zum rasiermesserscharfen 911 GT3 RS, den wir erst letztens durch die Grüne Hölle treiben durften (Kraftstoffverbrauch GT3 RS und 911 S/T jeweils kombiniert: 13,4 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 305 g/km)². Langeweile kommt aber auch beim neuen Sondermodell aus der Heritage-Modellreihe nicht auf. Der stärkste verfügbare Saugmotor aus der GT-Motorsportabteilung bringt es auf 525 PS bei 8.500 U/min, liefert 465 Nm Drehmoment und beschleunigt den lediglich (nach DIN) 1.380 Kilogramm leichten 911 S/T – im Bestfall – in nur 3,7 Sekunden auf Landstraßentempo.
Im Bestfall? Ja, denn es liegt vor allem an den Schaltkünsten des Fahrers, ob dieser Wert erreicht wird. Anders als beim GT3 RS bietet Porsche den auf weltweit 1963 Einheiten limitierten S/T einzig mit einem Sechsgang-Handschaltgetriebe an. Noch genauer handelt es sich um ein speziell entwickeltes Getriebe, das nicht aus einem anderen Modell übernommen, sondern exklusiv um eine Leichtbaukupplung erweitert wurde. In Verbindung mit einem Einmassenschwungrad lies sich so die rotierende Masse um gut 10,5 Kilogramm reduzieren. Auch soll sich das Ansprechverhalten des 4,0-Liter-Saugmotors noch einmal spürbar verbessert haben.
Leichtbau wohin das Auge blickt
Wie so oft, wenn die Damen und Herren der Porsche Motorsportabteilung ihre Finger im Spiel haben, dreht sich ein Gros der Entwicklungsarbeit darum, wie man das zunehmende Gewicht der Großserienfahrzeuge wieder verringern kann. Im Falle des 911 S/T galt es nicht nur die knapp 1.600 Kilogramm eines Basis-Carrera zu unterbieten, sondern auch die bereits fettreduzierten 1.418 Kilogramm des handgeschalteten GT3 mit Touring-Paket (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 13,0-12,9 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 294-293 g/km)², auf dem der S/T grundlegend basiert. Um auf die nun proklamierten 1.380 Kilogramm zu kommen, bestehen der Frontdeckel, das Dach, die vorderen Kotflügel und die Türen (mit richtigen Türöffnern) aus Kohlenstofffaser-verstärktem Kunststoff (CfK). Ebenfalls aus diesem Leichtbau-Material sind die Hinterachs-Stabilisatoren, das Schubfeld und der serienmäßige Überrollkäfig gefertigt.
Damit nicht genug liefert Porsche eine besonders leichte Lithium-Ionen-Starterbatterie, verzichtet beim 911 S/T auf die Hinterachslenkung und reduziert weiterhin die Dämmmaterialien. Serienmäßig steht der exklusivste aller Porsche 911 auf sündhaft teuren Magnesium-Rädern mit aufgezogenen Sport-Pneus im Mischformat 255/35/20 vorne und 315/30/21 Zoll hinten. Verzögert wird stets mittels der Keramik-Bremsanlage PCCB. Um den Leichtbaugedanken auch im Innenraum zu Ende zu führen, werden serienmäßig die bekannten CfK-Leichtbauschalensitze angeboten – preisneutral sind auch die deutlich bequemeren Vierwege-Sportsitze Plus lieferbar. Den Heckabschluss markiert eine auf dem ausfahrbaren Spoiler aufgesetzte Gurney Flap.
Preis und prominenter Erstbesteller
Das dritte von insgesamt vier Heritage-Sondermodellen des Porsche 911 ist weltweit auf 1963 Stück limitiert. Die krumme Zahl markiert das Präsentationsjahr des Porsche 901, der ein Jahr später aufgrund von namensrechtlicher Streitigkeiten mit Peugeot als Baureihe 911 auf den Markt kam. Die Zusatzbezeichnung S/T steht wiederum für Sport Touring und findet bei den Stuttgartern erstmals 1969 offiziell Verwendung. Damals wurde ein Porsche 911 S (G-Modell) mit Teilen eines 911 T zu einer ultraleichten Rennversion modifiziert.
Wer nun zugreifen will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass neben einer sehr guten Beziehung zum örtlichen Porsche Zentrum, auch mindestens 292.187 Euro auf der hohen Kante parat liegen sollten. Damit ist der 911 S/T rund 99.000 Euro teurer als ein GT3 Touring. Wird übrigens noch das Heritage Design Paket unter anderem mit einer individueller Außenbeklebung oder eine Farbe nach Wahl Plus bestellt, sprengt der S/T schnell die Grenze von 350.000 Euro. Mit einem 911 (992) S/T dürfte man sich dafür aber in guter Gesellschaft befinden. Wie man hört, soll sich Rallye-Legende Walter Röhrl noch während der Erprobung des Heritage-Modells einen Produktionsplatz gesichert haben. Diese Ehre wird sicherlich nicht jeder neuen 911-Variante zuteil. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)
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