Mercedes-Benz EQG: Die Panzer-Wende

Ein Erfolgsgarant seit 1979
Der Mercedes G war bei seiner Einführung eher pragmatisch. Ein Geländewagen, daher das Modellkürzel, robust und unaufhaltbar, dazu sparsam im Unterhalt. Letzteres hat sich spätestens in den Neunzigern mit der Einführung der Luxusbaureihe W463 geändert, denn mit ihr kamen die großvolumigen und entsprechend durstigen Motoren. 450.000 Stück sind seit Beginn der Produktion im Jahr 1979 in Graz bei Steyr vom Band gelaufen, heute übrigens in überwältigender Mehrheit in den Vollfett-AMG-Versionen.
Elektrische Zeitenwende auch beim G
Mit dem neuen Mercedes-Benz EQG (Fahrzeug steht noch nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend)² dürfte der Erfolg noch weiter angefacht werden. Zwar kommt er erst 2024 auf den Markt, das hindert die Schwaben aber nicht daran ihn schon einmal seriennah ins Feld zu schicken. Und dort sorgt der elektrische G nicht nur wegen seiner auffälligen Folierung für Furore, es sind vor allem seine Offroad-Talente, die begeistern.
Vier E-Motoren dürften auch die großen AMG-Modelle in den Schatten stellen
Noch halten sich die Schwaben bei den Leistungswerten zurück, doch man darf üppiges erwarten. Gleich vier Motoren kümmern sich um den Vortrieb des elektrischen G und dürften somit locker 500 PS in den Untergrund rammen. Wenn man von den bisherigen EQ-Modellen den Dreisatz nimmt, dann scheinen auch 600 bis 700 PS realistisch. So einfach scheint es allerdings nicht. Denn der Mercedes EQG basiert nicht auf der elektrischen EQ-Plattform von EQE und EQS, stattdessen steht er weiterhin auf dem altbewährten Leiterrahmen.
Radnahe Motoren mit Untersetzung und Kevlar-geschützte Batterien
3,4 Millimeter dicker Stahl schützt also die mittschiffs liegende Batterie seitlich – übrigens mit der Silizium-Anode, die jüngst im EQXX vorgestellt wurde und die bislang fortschrittlichste Zell-Chemie für Mercedes bedeutet, untenrum sorgen massive Kevlar-Platten für Panzerung. Man darf von Kapazitäten über 100 kWh für den großen EQG ausgehen, der damit gut 500 Kilometer Reichweite schaffen dürfte.
Denn auch die Motoren sind Effizienz-Wunder. Sie sind radnah platziert, was vor nicht nur Vorteile bei der Bodenfreiheit unter dem Auto bedeutet, sondern vor allem bei der Güte der Steuerung. Ohne lange Signallaufzeiten lässt sich das Drehmoment viel feinfühliger stellen – was im Gelände für atemberaubende Möglichkeiten sorgt. Dass Mercedes dennoch ein Untersetzungsgetriebe in die Antriebe integriert zeigt, dass sich es auch im EQG wirklich ernst meinen mit den Talenten.
Die Panzer-Wende ist eine Spielerei der Entwickler
Dass der EQG auch zum Scherzen im Stande ist, zeigt ein besonderes Feature des Prototyps: Die Panzer-Wende. Der elektrische G kann sich im Stand drehen. Die linken Räder drehen in die eine Richtung, die rechten in die andere. Auf Sand und losem Untergrund funktioniert das prächtig, auf Asphalt und anderen hohen Reibwerten schert es allerdings schnell die Mechanik ab – aber der Applaus gehört dem G. Zumal: Rivian und Ford haben ein solches Feature beide angekündigt und noch nicht geliefert. Der Schwabe liefert auch hier ab.
Marktstart und Preis
Mercedes lässt seine Kunden noch zwei Jahre auf den EQG warten. Doch das Jahr 2024 ist taktisch klug gewählt, obwohl das Auto bereits fertig scheint: Bis dahin ist der W463A sowieso ausverkauft. Und dass trotz irrwitzigen Preises, die für den elektrischen G ebenfalls gelten dürften. Unter 200.000 Euro wird man die Panzer-Wende wohl kaum seinen Freunden vorführen können. (Text: Fabian Mechtel | Bilder: Mercedes)
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