Kommentar: Das Handschaltgetriebe ist endgültig am Ende

BMW zeigt auf der CES 2025, wohin die Reise im Cockpit gehen wird. Die digitale Welt soll mit der realen verschmelzen. Platz für ein Handschaltgetriebe gibt es dort nicht mehr – auch nicht bei Verbrennern. Das manuelle Getriebe wird in Zukunft zum Luxusgut. Ein Kommentar.

CES 2025: Die BMW Group präsentiert auf der Consumer Electronics Show ihr neues Panoramic iDrive. Mehr denn je wird das Auto damit zum fahrenden Computer; die digitale Welt soll so weit wie möglich mit der realen verschmelzen. Das erste Neufahrzeug der Münchner, das mit dieser Bedienlandschaft ausgerüstet wird, ist das „Neue Klasse“-SUV – der Nachfolger des bisherigen BMW iX3.

Zwar gehen wir nicht davon aus, dass sich das neue Elektro-SUV der Münchner allzu schlecht fahren wird, aber BMW geht auf Nummer sicher. Bevor sich alle Hersteller in einer gewissen Beliebigkeit bei den Fahreigenschaften verlieren, will man in Sachen In-Car-Infotainment neue Maßstäbe setzen. Das dürfte, vorausgesetzt, dass das ebenfalls neue Operating System X stabil läuft, durchaus gelingen. Vom ersten iDrive anno 2001 bis heute hat man schließlich viel Erfahrung sammeln können.

 Blick in die Vergangenheit: Cockpit des BMW M3 E90 (2008) mit Handschaltung und iDrive-Controller. Blick in die Vergangenheit: Cockpit des BMW M3 E90 (2008) mit Handschaltung und iDrive-Controller.

Viele BMW-Kunden wollen weiterhin ein Schaltgetriebe

Das Panoramic-iDrive-System macht aber eine Sache unmissverständlich klar: Das Handschaltgetriebe ist nicht nur bei BMW für den normalbürgerlichen Sportfahrer endgültig am Ende. Denn so rasant, wie sich die Autoinnenräume derzeit weiterentwickeln, gibt es künftig schlicht keinen Platz mehr für einen echten „Stickshift“ – auch nicht bei den verbleibenden Verbrennermodellen.

Freilich ist dies keine neue Erkenntnis, aber es erstaunt dann doch, dass BMW parallel zur CES-Premiere den US-Kollegen von motor1.com verriet, dass die Amerikaner bei bestimmten Modellen ziemlich an der manuellen Getriebeoption hängen.

So wollten 2024 offenbar 65 Prozent der US-Kunden ihren Sechszylinder-Z4 mit einem Schaltgetriebe ausstatten, und auch Toyota meldete beim Schwestermodell Supra, über alle angebotenen Motorisierungen hinweg, ähnlich hohe Anteile. Knapp 50 Prozent der M2-Käufer in den USA scheinen ebenfalls weiterhin Gefallen an der manuellen Gangwahl zu finden. Ob sich diese Werte auf den deutschen Markt übertragen lassen, bleibt unklar, da BMW hierzu keine spezifischen Zahlen veröffentlicht. Bekannt ist lediglich, dass weltweit rund 15 bis 20 Prozent der BMW-M-Kundschaft weiterhin die manuelle Sechsgang-Schaltung bevorzugen, sofern diese für das jeweilige Modell verfügbar ist.

Die zehn sportlichsten, 2025 noch als Neuwagen erhältlichen Fahrzeuge mit Handschaltgetriebe in Deutschland:

Modell Motorisierung Leistung Grundpreis
BMW M2 Sechszylinder-Biturbo 480 PS 76.600 €
BMW M3/M4 Sechszylinder-Biturbo 480 PS 94.200 €
BMW Z4 M40i Sechszylinder-Biturbo 340 PS 69.300 €
Ford Mustang GT Achtzylinder-Sauger 446 PS 59.900 €
Honda Civic Type R Vierzylinder-Turbo 329 PS 58.900 €
Mazda MX-5 Vierzylinder-Sauger 184 PS 37.790 €
Porsche 911 Carrera T Sechszylinder-Boxer-Turbo 394 PS 141.700 €
Porsche 911 GT3 Sechszylinder-Boxer-Sauger 510 PS 209.000 €
Subaru BRZ (Lagerfahrz.) Vierzylinder-Boxer-Sauger 234 PS 38.990 €
Toyota Supra Sechszylinder-Biturbo 340 PS 67.850 €

Das Schaltgetriebe als Kunstobjekt

Eine letzte Domaine für Schalter-Fans werden in Zukunft ausschließlich sündhaft teure Kleinserienmodelle sein. Wie das konkret aussehen kann, zeigen Hersteller wie Porsche und Pagani schon heute: Während die Stuttgarter ihre manuell geschalteten Exoten (etwa den 911 S/T) nur beim Preis vergolden, inszeniert Pagani sie zusätzlich als wahre Kunstwerke. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: tv, Hersteller)

 Das Handschaltgetriebe wird zum Luxusgut. Wie hier zu sehen im Pagani Utopia. Das Handschaltgetriebe wird zum Luxusgut. Wie hier zu sehen im Pagani Utopia.

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 leitender Redakteur des AutoScout24 Magazins. Der gebürtige Oberbayer verbindet seine Leidenschaft für klassische Youngtimer mit einem feinen Gespür für aktuelle Automobiltrends. Am liebsten unterwegs auf kurvigen Alpenstraßen, testet er heute ebenso souverän moderne Elektromodelle. Der Traum vom Audi RS 6 Avant C5 in Goodwoodgrün lebt weiter!

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