Corona und die Autoindustrie: Schrittweise zur Normalität

Die aktuelle Coronavirus-Pandemie hat den Alltag für einen Großteil der Bevölkerung mit einem Schlag auf den Kopf gestellt. Was viele Wochen mit Geschichten aus dem fernen China für Staunen sorgte, aber eben weit weg war, ist nun ein globales Problem. Auch für die Automobilindustrie.

Aktualisiert am 17.04.2020:

Nachdem der Bund am 15.04.2020 erste Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen in Aussicht gestellt hat, haben nun auch die Autobauer reagiert. Allen voran Volkswagen will bereits ab dem 20.04.2020 seine Produktion wieder schrittweise hochfahren. Zunächst in Zwickau und Bratislava, eine Woche später auch in Wolfsburg und in weiteren Standorten in Spanien, Portugal, den USA und Russland. Die Bänder in Südafrika und Südamerika werden noch einige Wochen länger stillstehen.

Die Konzerntochter Audi will im Stammwerk Ingolstadt ab dem 27.04.2020 wieder mit der Fertigung beginnen. BMW sendete ebenfalls positive Signale - wenn auch auf einem anderen Weg. So bestellten die Münchner mitten in der Corona-Lage 5.000 neue Fertigungsroboter beim Augsburger Unternehmen Kuka. Frühestens ab dem 30. April will man die Produktion in den Werken Dingolfing und Spartanburg (USA) wieder hochfahren. Die BMW-Fabriken in Wackersdorf und Landshut fertigen unterdessen weiterhin Komponenten - auch für die chinesischen Werke der Bayern.

Daimler hatte während der letzten Wochen ebenfalls nicht die komplette Fertigung eingestellt. So lief vor allem die Batteriefertigung im sächsischen Kamenz weiter. Schrittweise sollen auch hier wieder alle Produktionsstandorte ihre Werkstore öffnen. Bei Porsche hingegen sieht man derzeit noch keine Möglichkeit, die Sportwagen- und SUV-Produktion wieder anlaufen zu lassen. Die Stuttgarter geben an, dass weiterhin wichtige Lieferketten unterbrochen seien. Der Fertigungsstopp im Stammwerk Zuffenhausen und am Standort Leipzig wird also noch etwas länger andauern.

Ursprünglicher Artikel vom 20.03.2020:

Vor allem in der Produktion wird oftmals auf engem Raum zusammengearbeitet, hier kann der Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern zwischen zwei Personen nicht eingehalten werden. Zudem sind Lieferketten unterbrochen. Als Folge stehen die Werke still. Nahezu alle Autohersteller haben das Aussetzen ihrer Produktion angekündigt. Volkswagen hat die Produktion in sämtlichen europäischen Werken gestoppt, ebenso die Konzerntöchter Audi, Bentley, Porsche, Seat und Skoda. Das gleiche gilt für die Nutzfahrzeugmarken der Gruppe: MAN, Scania und Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Autobauer schließen Werke

Die Liste lässt sich fortsetzen: BMW mit Mini und Rolls-Royce, Daimler, Jaguar Land Rover, Toyota und andere bauen gerade keine Autos. Auch die Vielzahl der Zulieferer sind zur Schockstarre verdammt. Neuvorstellungen, aktuell stehen wichtige Modellwechsel bei Audi A3, Seat Leon und Skoda Octavia auf dem Programm, werden verschoben. Denn es fehlen nicht nur die Autos aus den ruhenden Fabriken. Auch die Händler sind geschlossen. Einzig der Werkstattbetrieb darf weiterlaufen, da es sich hier um eine alltagsrelevante Dienstleistung handelt.

BYD liefert Masken und Desinfektionsmittel

Ein Blick nach China zeigt aber, dass es wieder aufwärts geht. Dort fahren mehr und mehr Fabriken und damit ganze Unternehmen wieder hoch. Außerdem kann man in jeder Krise auch Chancen und Möglichkeiten sehen. Medienberichten zufolge reagiert der chinesische Autohersteller BYD auf die Herausforderungen und kündigt an, kurzfristige Anpassung der Produktion vorzunehmen. Neben Elektroautos und Batterien, sollen täglich auch bis zu fünf Millionen Mundschutzmasken und 300.000 Flaschen Desinfektionsmittel produziert werden.

In den USA soll neben General Motors und Ford auch Tesla bereit sein, die eigenen Fabriken für die Herstellung medizinischer Güter zur Verfügung zu stellen. Auch für die europäischen Werke könnte das ein Vorbild sein. Denn damit kann nicht nur der Gesellschaft geholfen werden, gleichzeitig bleiben Arbeitsplätze erhalten. Von Menschen, die auch in Zukunft weiter mobil bleiben wollen und Autos kaufen werden. (Text: Bernd Conrad)

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat fährt er eine Mercedes-Benz S-Klasse S 450 4Matic W221.

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