Test VW Tiguan 2.0 TDI (2024): Solider Fortschritt, stolzer Preis

Der neue VW Tiguan TDI auf einen Blick
- 2.0 TDI mit 150 PS und 460 Nm
- Allrad nur für die starken Motoren
- Verbrauch knapp unter 6,0 l/100 km
- Gute Verarbeitung, viel Platz
- Verbessertes Infotainment-System
- Grundpreis TDI (Deutschland) ab 42.865 Euro
Preis & Ausstattung | Fahreindruck | Innenraum & Nutzwert | Fazit
VW steckt in der Krise. Absatz und Gewinn schrumpfen rasant, das China-Geschäft droht zur Belastungsprobe zu werden. Was die Wolfsburger nun brauchen, sind bezahlbare Autos fürs Volk – echte Volkswagen eben. Auch der Tiguan war einst als solches gedacht, mobilisierte die Bevölkerung zwischen Golf und Passat. Die zweite SUV-Modelllinie nach dem Touareg war und ist ein Erfolg, wurde binnen 17 Jahren mehr als 7,5 Millionen Mal verkauft und ist auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt durchaus gefragt.
Preis & Ausstattung: Linientreu
Kann Tiguan Nummer drei an den Erfolg anknüpfen? Er steht nach einer ersten Preiserhöhung im laufenden Jahr 2024 ab 38.250 Euro in der deutschen Preisliste und wäre damit eigentlich immer noch ein fairer Deal. Jedoch hat man an dieser Stelle nicht die Rechnung mit den Ausstattungs-Jongleuren bei Volkswagen gemacht. Die haben nämlich, gewitzt wie sie sind, in den Konfigurator ein paar Fallstricke eingebaut. Wer nun meint, sich in ein namensloses Tiguan-Basismodell ein paar nette Extras reinkonfigurieren zu können, um dann mit 40.000 Euro vom Hof zu fahren, der irrt in den meisten Fällen.
Viele Extras (u. a. das empfehlenswerte DCC Plus Fahrwerk) sind, wie auch manche Motorisierungen, an die nächsthöheren Ausstattungslinien, etwa Life oder Elegance, gekoppelt. Freilich, das machen andere auch. Die haben aber nicht das Volk im Konzernnamen stehen. So geht halt Marge. Wir verstehen natürlich, dass Volkswagen von der Variantenvielfalt bei den normalen Brot-und-Butter-Autos runterkommen muss – aber etwas Augenmaß würde gerade in der heutigen Zeit nicht schaden. Und so ist es dann auch kein Wunder, dass unser Testwagen, ein 150 PS starker 2.0 TDI mit Frontantrieb, stolze 61.700 Euro kosten soll.
Fahreindruck: So fährt sich der neue Tiguan mit 150 PS Diesel und DCC Plus Fahrwerk
Nun könnten wir im Test-Tiguan so manche Sachen herausrechnen, wie die urst bequemen Ledersitze mit Massagefunktion, die Standheizung, die Anhängerkupplung oder die Harman Kardon-Soundanlage. Richtig teuer wird das Mittelklasse-SUV aber vor allem durch die Auswahl des Diesels. Auch hier ist uns der Druck von außen bewusst, der Selbstzünder gilt als Klimasünder und wird entsprechend abgestraft. Dass das rund 1,8 Tonnen schwere SUV damit auf der anderen Seite nur knapp unter sechs Liter Kraftstoff (laut Bordcomputer) verbraucht, scheint keine Rolle mehr zu spielen.
Nun ist es aber so, dass Volkswagen selbst kaum eine bessere Alternative im Petto hat. Der schmalbrüstige 1.5 eTSI Mild-Hybrid ist für dieses Auto (sowie den Passat) kaum die richtige Wahl, und den starken 2.0 TSI kann sich ohnehin kaum noch jemand leisten. Der extern aufladbare eHybrid? Vielleicht ein Antrieb für den sparfüchsigen Dienstwagenberechtigten, der sich über die 0,5-Prozent-Regelung freuen kann. Die goldene Mitte markiert für uns aber weiterhin der akustisch klar als solcher identifizierbare Diesel. Mit 150 PS und 460 Nm ist dieser in jeder Lebenslage ausreichend stark (0-100 km/h in 9,4 s; Vmax 206 km/h) und trumpft überdies mit dem zuvor erwähnten geringen Kraftstoffverbrauch auf. Wer gerne Hänger zieht oder im alpinen Terrain wohnt, kann zudem über die 193 PS starke Variante mit 4Motion-Allradantrieb nachdenken. Unabhängig vom Antrieb gesetzt sind ein harmonisch schaltendes Siebengang-Direktschaltgetriebe, eine standfeste Bremsanlage sowie eine angenehm gewichtete Lenkung.
Innenraum & Nutzwert: Wertig, mit viel Platz und guter Anhängelast
Innen setzt derweil Verblüffung ein. Insbesondere deshalb, weil es eigentlich nicht sein kann, dass ein VW Tiguan wertiger daherkommt als ein Audi A5 Avant. Doch zumindest in der ersten Reihe und in der Ausstattungslinie Elegance finden wir nur recht selten dünnwandiges Hartplastik, die Kunstlederakzente in den Türen werten das Cockpit spürbar auf und – Trommelwirbel – es gibt sogar Filzeinlagen in den Türtaschen. Der Informationsbildschirm hinter dem Lenkrad mit echten Knöpfen ist gut ablesbar, bietet viele Funktionen – unter anderem weiterhin eine große Kartenansicht. Dies ist ein kleiner Wink an Audi, die diese Ansicht in ihrem Virtual Cockpit jüngst in ihren neuen Modellen wegrationalisiert haben.
Head-up-Display und 15-Zoll-Infotainment-Bildschirm ergänzen die Szenerie in ansprechender und zumeist gut bedienbarer Weise. Die Sprachassistentin IDA (mit ChatGPT) könnte, genauso wie zahlreiche Assistenzsysteme, allerdings noch etwas Nachhilfe vertragen. Immerhin: Spurhalteassistent und EU-Tempogebimmel lassen sich per Schnellwahlmenü ohne unnötige Umwege deaktivieren. Abschließend noch ein paar Daten und Fakten zum Raumangebot: Der neue Tiguan misst 4,52 Meter in der Länge, bietet vorne wie hinten ausreichend Raum für großgewachsene Passagiere und hält ein Gepäckabteil mit 665 bis 1.550 Litern Volumen bereit. Der 150 PS starke Diesel kann bis zu 2,2 Tonnen schwere Anhänger ziehen. Mehr Raum gefällig? Anfang 2025 erscheint der Tiguan-Allspace-Nachfolger mit dem Namen Tayron.
Fazit
Der neue VW Tiguan zeigt, dass das VW-Management durchaus in der Lage ist, auf Kundenkritik angemessen zu reagieren. Material- und Softwarequalität sind spürbar besser geworden, das Diesel-Kerngeschäft beherrschen die Wolfsburger nach wie vor wie kaum ein Zweiter. So gesehen ist die dritte Generation des Mittelklasse-SUV zwar ein gutes Auto geworden, aber unter dem Strich muss man dafür ziemlich tief in die Tasche greifen. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)
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