VW ID. Tiguan (2027) im ersten Test: So gut wird der ID.4-Nachfolger

Das Wichtigste zuerst
Der neue VW ID. Tiguan bleibt technisch dem MEB-Baukasten treu, weshalb weder extreme Reichweiten noch besonders hohe Ladeleistungen im Mittelpunkt stehen. Je nach Antrieb sind rund 450 bis 600 Kilometer Reichweite geplant, die maximale Ladeleistung liegt modellabhängig bei 160 kW. Dafür legt Volkswagen bei Qualität und Komfort spürbar nach. Im ersten Test überzeugte das 220 kW/299 PS starke Allradmodell außerdem mit stimmigem Fahrkomfort und einer guten Geräuschdämmung.
Stärken, Schwächen, Alternativen
Was uns gefällt
Dass Volkswagen offenbar verstanden hat, an welchen Stellen der ID.4 bislang hinter den Erwartungen zurückblieb.
Was wir vermissen
Einen größeren Technologiesprung bei Batterie und Ladeleistung.
Ideal, wenn …
… man einen komfortablen Reisewagen für Familie und Alltag sucht und auf Lade-Rekorde verzichten kann.
Die Alternativen
Škoda Enyaq, Audi Q4 e-tron, Opel Grandland Electric, Tesla Model Y, Volvo EX60
Stärken
- Komfortables Fahrwerk
- Gute Geräuschdämmung
- Aufgewerteter Innenraum
Schwächen
- Beim Antrieb nichts Neues
- Durchschnittliches DC-Laden
- Preise über Verbrenner-Tiguan
Bekannter Name, bekannte Qualität?
Mit Probefahrten noch getarnter Prototypen eines neuen Automodells ist das immer so eine Sache. In aller Regel (wie auch in diesem Fall) haben die anwesenden Journalisten bereits das fertige Auto gesehen. Berichten dürfen wir darüber allerdings erst am 9. Oktober. Derweil dient dieser Erstkontakt mit dem neuen Volkswagen ID. Tiguan lediglich als Heißmacher, als Teaser für das, was da noch kommt.
Und auch wenn wir nicht allzu viel verraten können und dürfen, da wir sonst in Wolfsburg die Gemüter erzürnen würden, möchten wir festhalten: Das wird gut! Als jemand, der regelmäßig einen aktuellen ID.4 im familiären Umfeld bewegt, kann der Autor dieser Zeilen sogar schreiben, dass der elektrische Tiguan so wird, wie er am besten schon von Anfang an hätte sein müssen. Innen geht es qualitativ definitiv in die richtige Richtung, den Rest können Interessierte vom neuen ID. Polo, ID.3 Neo, aber auch vom neuen Audi Q4 e-tron ableiten. Ja, es wird sicherlich noch die eine oder andere Überraschung geben - überwiegend jedoch positive.
Bildergalerie: VW Tiguan 2027 (Prototyp)

VW ID. Tiguan kommt mit frischer Optik, aber bekannter MEB-Technik
Karosserietechnisch dürfte der ID. Tiguan indes etwas länger sein als das bisherige Modell (4,58 m), auch hier können wir noch nicht mit finalen Zahlen glänzen. Nur so viel dürfen wir verraten: Bis auf das Dach sind alle Karosserieteile neu, der Elektro-Tiguan ist rein äußerlich also mehr Neuentwicklung denn Facelift. Unter dem Blechkleid bleibt dagegen weitestgehend alles beim Alten. Da lässt die alternde MEB-Plattform kosteneffizient einfach nicht mehr allzu viele Neuerungen zu.
Die Antriebsvarianten VW ID. Tiguan im Überblick:
| Technische Daten | Kleiner Akku | Großer Akku | Großer Akku mit Allradantrieb |
|---|---|---|---|
| Antrieb | Heckantrieb | Heckantrieb | Allradantrieb |
| Motorleistung | 140 kW / 190 PS | 210 kW / 286 PS | 220 kW / 299 PS |
| Akku | 58 kWh LFP | 77 kWh NMC | 77 kWh NMC |
| AC-Ladeleistung | max. 11 kW | max. 11 kW | max. 11 kW |
| DC-Ladeleistung | max. 105 kW | max. 165 kW | max. 165 kW |
| DC-Ladedauer 10–80 % SoC | 26 Min. | 29 Min. | 29 Min. |
| Reichweite | bis zu 450 km | bis zu 600 km | bis zu 560 km |
Übersetzt heißt das, dass der ID. Tiguan in der Basis voraussichtlich mit einem 58 kWh großen LFP-Akku ausgeliefert wird, wohingegen die beiden stärkeren Varianten mit und ohne Allrad jeweils auf eine 77-kWh-NMC-Batterie setzen sollen. Reichweiten von 450 bis 560 Kilometern werden in Aussicht gestellt - etwas mehr als bisher. Die Reichweitenzuwächse sollen vor allem durch eine verbesserte Aerodynamik entstehen, aber, so vermuten wir, auch durch den Einsatz des weiterentwickelten und etwas effizienteren APP350-Elektromotors, wie er schon beim ID.3 Neo zum Einsatz kommt.
Fährt sich gut, lädt nur durchschnittlich
Keine großen Sprünge sind zudem bei der DC-Ladeleistung zu erwarten. Zwar beteuert Volkswagen immer wieder, dass die maximale Ladeleistung von 105 kW beim Einstiegsmodell und bis zu 160 kW bei den Top-Modellen über einen weiten Bereich des Ladevorgangs gehalten werden kann - zumindest auf dem Papier verlieren die Wolfsburger damit dennoch zunehmend den Anschluss an die Konkurrenz. Während wir uns beim ersten Test noch keinen Eindruck von Reichweite und Ladeleistung verschaffen konnten, können wir bereits erste Aussagen zum Fahrkomfort treffen.
So wird der angetestete VW ID. Tiguan in der Top-Variante mit 220 kW/299 PS und Allrad weiterhin ein sehr fähiges, weil komfortables Familienauto bleiben. Mit den gewohnt weitreichenden Einstellungsmöglichkeiten des optionalen DCC-Pro-Fahrwerks gelingt der Spagat zwischen Langstreckengleiter und Dynamiker ziemlich glaubhaft. An der Antrittskraft ist ebenfalls nichts auszusetzen. Angenehm aufgefallen sind uns zudem die präzise Lenkung und die enorme Ruhe im Fahrzeug. Hier hat Volkswagen schon beim ID.4 keine schlechte Arbeit geleistet, der ID. Tiguan wirkte im Umland von Wien aber noch eine Spur leiser.
Erstes Fazit
Der neue ID. Tiguan wird das Elektroauto sicherlich nicht neu erfinden und muss es vielleicht auch gar nicht. Die MEB-Technik ist bekannt, Reichweite und Ladeleistung bleiben daher eher Durchschnitt. Dafür besinnt sich Volkswagen auf alte Stärken: Ruhe, Komfort und Qualität. Der erste Fahreindruck stimmt jedenfalls optimistisch. Jetzt muss nur noch der Preis stimmen. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum VW ID. Tiguan
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