Test Volkswagen Sharan Highline – der letzte Van

Der VW Sharan II Highline 1.4 TSI DSG im Überblick
Stärken
- - Gutes Platzangebot für Familien
- - Einfache Bedienung
- - Durchdachte Schiebetüren
- - Großer Kofferraum
- - Komfortables Fahrwerk
- - Sichere Straßenlage
Schwächen
- - Überforderter 1.4 TSI
- - Hoher Verbrauch
- - DSG mit Anfahrschwäche
- - Unübersichtliche Karosse
- - Teuer in der Anschaffung
- - Veraltetes Infotainment
Kein Nachfolger in Sicht
SUVs und Crossover sind in, Vans dagegen out. Immer weniger Hersteller investieren ins hauseigene Familienprogramm, dagegen sollen Vielsitzer möglichst hip und möglichst sportiv daherkommen. Auch Volkswagen dürfte sich reiflich überlegen, wie es mit dem hier getesteten Sharan weitergeht. Dieser steht 2022 bereits 12 Jahre im Dienst und soll Gerüchten zur Folge für mindestens noch ein Jahr weitergebaut werden. Danach sind es die Modelle Multivan T7, Caddy Maxi und womöglich ein nicht näher spezifizierter VW Variosport, die kinderreiche Familien oder platzliebende Außendienstler glücklich machen sollen.
Ganz sicher ist dagegen, dass es keinen direkten Sharan-Nachfolger geben wird und wir mit dem Ableben des aktuellen VW Vans ein weiteres praktisches Auto verlieren werden. Auf 4,85 Meter findet sich nicht nur reichlich Platz für bis zu sieben Passagiere, zwischen den beiden (gegen 780 Euro Aufpreis) elektrischen Schiebetüren und der automatisch öffnenden Heckklappe können wahlweise auch 885 bis 2.430 Liter Gepäck verstaut werden.
Viel Platz, alte Technik
Auf gut geschnittenen Sitzen gelingt sowohl vorne als auch hinten in bequemer Weise die lange Reise, Staufächer sind in Hülle und Fülle vorhanden und das Smartphone oder Tablet lässt sich noch per altmodischer USB-A-Buchse laden. Generell merkt man dem Innenraum des Sharan mittlerweile an, dass er in die Jahre gekommen ist. Der Passat B6 als Technikplattform grüßt bereits seit einer Dekade aus den ewigen Jagdgründen, der Infotainment-Bildschirm des immerhin serienmäßigen Discover Media ist klein, der Funktionsumfang eingeschränkt. Doch hat das auch seine Vorteile: Die Bedienung ist für einen Volkswagen aus dem Jahre 2021 erstaunlich einfach. Kein modularer Informationsbaukasten der abstürzen kann, keine fummeligen Untermenüs für die Klimasteuerung.
Die analogen Rundinstrumente nebst simplem Fahrerinformationssystem präsentieren im Weiteren fahrtrelevante Werte glasklar und ohne Fragen zu hinterlassen. So gesehen ist der VW Sharan noch ein Auto, in das du dich unbedarft hineinsetzen und losfahren kannst – und zwar ohne ein Technikstudium absolviert zu haben. Etwas Kenntnis verlangt dagegen die schiere Fahrzeuggröße, die in einer gewissen Unübersichtlichkeit, vor allem nach vorne und zu den Seiten mündet. Hat man sich an die Außenabmessungen sowie den großen Wendekreis von knapp 12 Meter gewöhnt, gelingt das Einparken auch dank der empfehlenswerten Rückfahrkamera (410 Euro) von Mal zu Mal besser.
Der VW Sharan II als Gebrauchtwagen
Wer dem mäßigen Motorangebot sowie den teuren Neuwagenpreisen trotzen will, kann bei über zehn Jahren Bauzeit natürlich auch auf einen gebrauchten Sharan der zweiten Generation setzten. Doch Vorsicht: Auch der VW Sharan II ist mängelseitig kein unbeschriebenes Blatt. Der Van-Aufbau lastet schwer auf allen Fahrwerksteilen, der TÜV bemängelt vor allem ausgeschlagene Achsaufhängungen sowie defekte Dämpfer und Federn. Aber auch Rost wird immer mehr zum Thema – hier besonders an der Heckklappe und den Türunterkanten. Probleme mit dem AGR-Ventil und streikende Anlasser trüben das Bild ebenfalls. Zudem sind einige Dieselmodelle vom Abgasskandal betroffen. Wer dennoch einen Sharan sein Eigen nennen will, sollte definitiv etwas mehr Geld und Zeit mitbringen, um ein gutes Modell zu finden.
Komfortables Fahrwerk, schwacher Benziner
Empfehlenswert ist an dieser Stelle auch das Kreuzchen beim adaptiven Fahrwerk DCC (enthalten im Sportpaket für 1.790 Euro) zu setzen. Es ermöglicht das Einstellen von drei verschiedenen Fahrmodi, wobei die Komfort-Stellung am besten zum großen Volkswagen Van passt. Gutmütig werden Bodenwellen, Querrillen und andere Fahrbahnschäden geschluckt, die Wank- und Nickbewegungen halten sich in Grenzen. Weniger souverän arbeitet dagegen der einzig verbliebene Motor im Sharan. Der 1,4-Liter-TSI ist vergleichsweise träge, wirkt im mindestens 1,8 Tonnen schweren Sharan kaum 150 PS stark und verbraucht dafür mit neun bis zehn Liter auf 100 Kilometer zu viel Benzin (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 6,9 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 157 g/km²).
Dass der altertümliche, aber weiterhin 2.425 Euro teure 6-Gang-Doppelkuppler dem Vierzylinder-Turbo zudem das letzte Quäntchen Agilität raubt, trägt ebenfalls nicht zum positiven Bild der Antriebseinheit bei. Weshalb Volkswagen nicht zumindest den wesentlich sparsameren 2.0 TDI mit ebenso 150 PS im Programm behalten hat, bleibt daher ein Rätsel. Zusammen mit einem für normale Familien unerschwinglichen Basispreis von 42.080 Euro (44.505 Euro mit Automatik) gewinnt man als Außenstehender zumindest den leisen Eindruck, dass die Wolfsburger den Sharan eigentlich gar nicht mehr verkaufen wollen.
Fazit
Der VW Sharan ist eines der ältesten Fahrzeuge im VW-Modellprogramm, was man ihm mittlerweile auch deutlich ansieht. Doch die alte Technik, auf Basis des Passat B6, hat auch ihre positiven Seiten. Die Bedienung geht leicht von der Hand, die Materialqualität stimmt und die Praktikabilität steht klar im Vordergrund. Schwierig ist dagegen die Beziehung zwischen Fahrer, Motor und DSG-Getriebe. Der 1.4 TSI hat deutlich mit dem Fahrzeuggewicht zu kämpfen, der alte Doppelkuppler raubt dem Benziner auch das letzte Quäntchen Dynamik. Unterm Strich bedeutet das einen zu hohen Benzinverbrauch, bei wenig ansprechenden Fahrleistungen und einen dafür hohen Basispreis. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
Technische Daten*
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