Kurztest VW Passat (B6) R36: E“R”lebenswert

Der VW Passat (B6) R36 auf einen Blick
Stärken
- - Souveräner VR6-Motor
- - Emotionaler Klang
- - Flottes DSG-Getriebe
- - Gute Straßenlage
- - Gute Sportsitze
Schwächen
- - Teuer in Anschaffung u. Unterhalt
- - Hoher Kraftstoffverbrauch
- - Wenig Platz im Fond (Limousine)
- - Teils billig wirkender Innenraum
Aus der Blütezeit der R-Modelle
Vor ziemlich genau 20 Jahren feierte der VW Golf 4 R32 seinen Marktstart. Ein durchtrainierter Kompaktsportler mit einem famos klingenden 3,2-Liter-VR6-Motor. Stolz waren sie in Wolfsburg einst auf ihn. Heute hingegen reicht es gerade einmal für ein fahrbares Exemplar in der hauseigenen Klassikabteilung. Zu wenig, wie nicht nur wir, sondern auch andere Medienvertreter während der R-Days in München fanden! So waren die handverlesenen Heritage-Modelle stets vergriffen, wohingegen die zahlreich vorhandenen „R’s“ der Neuzeit den Parkplatz säumten.
Nicht, dass so ein Golf 8 R Variant (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,1-7,8 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 185-177 g/km)² schlecht fahren würde. Er macht es allerdings auf eine andere Weise. Und so lässt sich über Ex-VW-Chef Martin Winterkorn (alias „Wiko“) so manches berichten, nicht aber, dass während seiner Amtszeit (ausschließlich) langweilige Autos entstanden wären. Ok, auch das war der Fall – siehe Golf 5 Plus. Jedoch kamen zwischen 2007 und 2015 auch Blüten des Fahrzeugbaus zum Vorschein, die heute erst so richtig zu strahlen beginnen. Der Golf R32 blieb während der Veranstaltung in München ein schnell entschwindendes Phantom, dagegen hatten wir die Gelegenheit uns einen Passat (B6) R36 zu schnappen.
Der VW Passat B6 als Gebrauchtwagen
Unabhängig ob R36, oder nicht: Der VW Passat B6, gebaut von 2005 bis 2010, geht unterm Strich als robuster Dauerläufer durch. Zwar bescheinigte ihm der TÜV früh eine erhöhte Mängelhäufigkeit, doch wurden viele „Passerati“ auch überdurchschnittlich viel gefahren. Diesel-Laufleistungen von mehr als 300.000 Kilometern sind bei Angeboten auf AutoScout24 keine Seltenheit. Dementsprechend gilt es vor allem die Fahrwerksteile, hier besonders Stoßdämpfer und Federn, genauestens zu prüfen. Erhöhter Verschleiß zeigt sich zudem bei den Bremsen.
Motorseitig sollte man Abstand von den Pumpe-Düse-Dieseln bis 2008 nehmen, die Euro4-Common-Rail-Selbstzünder späterer Baujahre sind zuverlässiger. Aber Achtung: Sie waren vom Diesel-Abgasskandal betroffen und müssten mittlerweile auf jeden Fall ein Software-Update erhalten haben. Bei den Benzinern spricht wenig gegen die TSI-Motoren; richtiges Öl und Super Plus tanken kann vor den typischen FSI-Problemen (z.B. Verkokungen) bewahren. Und der R36? Sein 3,6-Liter-VR6 gilt – bei richtiger Pflege – als unproblematisch. Steuerketten-Probleme, wie beispielsweise noch beim R32, waren und sind die Ausnahme. Fehleranfälliger war hier schon das Sechsgang-DSG, das mit Anfahrschwächen oder kompletten Getriebeschäden auf sich aufmerksam machte. In Sachen Rost gelten Heckklappe, Türunterkanten und Kotflügel als übermäßig anfällig.
Nicht schön, aber schnell
Als Limousine sicherlich nicht der schönste Fisch im Teich, dafür einer, der geht wie Hechtsuppe! Der bekannte VR6 wurde ab 2008 (unter anderem) im Hubraum von 3,2 auf 3,6 Liter aufgeblasen, fährt nicht mehr 250, sondern 300 PS bei 6.600 Umdrehungen auf und erhielt eine Benzindirekteinspritzung. Der mit viel Argwohn beäugte FSI (Stichwort Verkokung) kam nicht nur im Passat zum Einsatz, er schaffte es sogar in den Porsche Cayenne E1. Hüben wie drüben als Langhuber konzipiert, packten die Stuttgarter eine andere Ansaugbrücke auf das Aggregat, veränderten die Motorsoftware und erzielten am Ende ein paar Newtonmeter mehr Drehmoment. Leistungsmäßig stachen die 300 PS des Passat die „lediglich“ 290 PS des Cayenne allerdings aus.
Aber genug in der Mottenkiste gewühlt: Wie fährt sich der allradgetriebene VW Passat (B6) R36, gut 14 Jahre nach seinem Debüt im Januar 2008? So, wie man sich das von einem R-Modell wünscht: Spritzig, sportlich-komfortabel, von einer feinen Soundkulisse umgeben. Nichts wirkt aufgesetzt, gefiltert oder gar reglementiert. Puffs und Bangs einer „Golf 8 R 20 Years“-Edition (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 7,8 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 175 g/km)² sind dem „Passerati“ fremd, dagegen scheint das alte Sechsgang-Direktschaltgetriebe seinen Job besser zu verstehen als manch modernes DSG.
Von Haus aus sportlich abgestimmt
Verstellmöglichkeiten? Ein Heckscheibenrollo konnte elektrisch hoch- und runtergefahren werden. Aber im Ernst: Fahrwerk, Lenkung und Motor waren auf ihren Einsatzzweck hin schlicht und ergreifend ab Werk passend voreingestellt, nur die Automatik konnte noch in einen zackigeren S-Modus versetzt werden. Die touristische Runde auf der Nordschleife? Packt der R36 wahrscheinlich. Ein ehrgeiziger Zeitenjäger wollte er hingegen nie sein. Dabei ist die Lenkung von sehr direkter, sehr präziser Natur, gut gewichtet und teilt einigermaßen stimmig mit, was die Vorderachse so treibt.
In schnellen Kurven sorgt der schwere Rumpfmotor freilich für kopflastiges Untersteuern, das Heck folgt jedoch einigermaßen willig. ESP-Eingriffe sind bei jenen Manövern durchaus spürbar, aber nicht wirklich störend. Zur Not wird die elektronische Fangleine einfach deaktiviert. Was uns zu den qualitativen Stärken und Schwächen des Passat B6 im Innenraum führt.
Nur echt mit Tastenfeld
Verglichen mit dem heute aktuellen Passat B8 merkt man zunächst, wie klein der B6 heute ist. Fahrer- und Beifahrer sitzen näher zusammen, das Gestühl ist deutlich enger geschnitten und insgesamt wirkt der Innenraum etwas filigraner. Dafür ist die Sitzposition höher und auch die Ergonomie mancher Bedienelemente wirkt durchdachter. Wie sehr sich die Zeiten geändert haben, fällt schlussendlich beim Navigationssystem auf. Es ist zwar auch heute noch gut zu nutzen, mittlerweile wissen wir aber, dass sich fest installierte Tastenfelder (wenngleich sie zum Herausfahren sind) nicht etabliert haben.
Fazit
Zurück in die Zukunft im VW Passat (B6) R36! Wenngleich trinkfreudige 16 Liter Durchschnittsverbrauch heute mehr denn je die Gemüter erhitzen – der 3,6-Liter-VR6-Motor zeigt, woran viele moderne Autos (auch im VW-Konzern) kranken: Durch die fortschreitende Elektrifizierung geht ein Teil der Markenidentität verloren, die seelenlosen 2,0-Liter-Antriebe der heutigen R-Modelle sind da meist nur ein mehr oder minder dünnes Trostpflaster. Wer noch Platz in der Garage hat: Der VW Passat (B6) R36 ist es Wert für die Nachwelt erhalten zu bleiben.
Technische Daten*
- Modell: Volkswagen Passat (B6) R36
- Antrieb: Sechszylinder-Benziner, 3.597 ccm
- Leistung: 299 PS (220 kW) bei 6.600 U/min
- Drehmoment: 360 Nm bei 2.400 und 5.300 U/min
- Antrieb: 4Motion-Allrad, 6-Gang-DSG
- Verbrauch kombiniert: 10,5 l/100 km²
- Beschleunigung (0–100 km/h): 5,8 s
- Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
- Abmessungen (L/B/H): 4,77 m/1,82 m/1,47 m
- Gewicht: ca. 1.747kg
- Grundpreis Passat R36 Limousine 2008: ab 45.100 Euro
*Herstellerangaben
Aktuelle Angebote

Audi A3SB Ambition 2,0 TDI DSG
€ 1 900- 01/2005
- 280 300 km
- Diesel
- - (l/100 km)

Skoda ScalaEssence TSI
€ 21 490- 01/2026
- 5 215 km
- Benzin
- 5,1 l/100 km (komb.)

Peugeot 50081.6 BlueHDI 120 FAP Allure AHK/Kamera/SHZ
€ 17 990- 07/2017
- 121 850 km
- Diesel
- - (l/100 km)
Reduziert
Peugeot 5081.5 BlueHDi 130 GT Aut LED RADAR LEDER NAVI
€ 23 290- 01/2022
- 34 163 km
- Diesel
- - (l/100 km)

Peugeot 50081,6 BlueHDI 120 S&S EAT6 Allure / PANORAMAD./ N...
€ 18 990- 12/2017
- 83 600 km
- Diesel
- - (l/100 km)

BMW iX1xDrive30
€ 46 890- 12/2024
- 48 679 km
- Elektro
- - (kWh/100 km)

Skoda SuperbStyle *1BESITZ*VIRTUALCOCKPIT*HECKCAM*MEMORY*LED*
€ 20 9901- 03/2023
- 167 000 km
- Diesel
- - (l/100 km)

Skoda Karoq1.5 TSI ACT Style
€ 25 590- 02/2022
- 13 133 km
- Benzin
- 6,7 l/100 km (komb.)

Mercedes-Benz A 180A 180 Progressive
€ 18 290- 12/2018
- 39 489 km
- Benzin
- 6,2 l/100 km (komb.)

Mercedes-Benz E 350d 4MATIC Limousine PTS Shz LED Ambi RKam
€ 32 900- 02/2018
- 146 861 km
- Diesel
- - (l/100 km)

Volkswagen Golf1.4 TSI Highline BlueMotion Tech R-Line
€ 15 790- 03/2016
- 86 873 km
- Benzin
- 5,1 l/100 km (komb.)

Opel Mokka1.2 Turbo GS-Line Aut.
€ 20 950- 05/2025
- 38 000 km
- Benzin
- - (l/100 km)

SEAT IbizaReference
€ 10 350- 03/2021
- 82 580 km
- Benzin
- 5,4 l/100 km (komb.)

Audi Q3S-LINE 45 TFSI E PHEV S-tr *19 ZOLL / VOLL-LED & FLA / NAVI / VIRTUELL PLUS / ACC / E-KLAPPE*
€ 29 880- 05/2021
- 88 500 km
- Elektro/Benzin
- - (l/100 km)

BMW X1xDrive 25e xLine Aut LED SKY HEAD-UP LEDER NAV
€ 22 490- 11/2021
- 110 536 km
- Elektro/Benzin
- - (l/100 km)

BMW X6xDrive30d
€ 55 990- 01/2020
- 118 000 km
- Diesel
- - (l/100 km)

Mercedes-Benz E 300E 300e AMG Line Premium
€ 54 290- 10/2024
- 12 822 km
- Elektro/Benzin
- 6,7 l/100 km (komb.)

SEAT TarracoXperience 2.0 TDI DSG 4Drive
€ 36 490- 06/2023
- 83 771 km
- Diesel
- 6,8 l/100 km (komb.)

Alfa Romeo Tonale1.5 T Edizione Speciale
€ 23 5901- 10/2022
- 22 580 km
- Benzin
- 6,1 l/100 km (komb.)

Land Rover Range Rover EvoqueHSE Dynamic 2,0 TD4 Aut.
€ 20 900- 04/2016
- 97 000 km
- Diesel
- - (l/100 km)
Alle Artikel
Alle ansehen
VW ID. Polo (2026): Neuer Volksstromer ab 24.995 Euro
Bis zu 455 Kilometer Reichweite, viel Platz und endlich wieder echte Tasten: Der neue ID. Polo soll Volkswagens Versprechen einlösen, ein erschwingliches Elektroauto für rund 25.000 Euro auf die Straße zu bringen - ein Anspruch, der fast schwerer wiegt als das Auto selbst. Kann er ihn erfüllen?

VW Golf Falco Edition (2026): Er ist ein Superstar, er ist so populär
Mit dem neuen Golf Falco Edition setzt Volkswagen die lange Tradition der Musikkooperationen fort. Das exklusiv für den österreichischen Markt entwickelte Sondermodell verbindet zwei Ikonen, die sehr gut zueinander passen.

VW Golf 2.0 TDI (2026) im Test: Lohnt sich der Diesel noch?
Die Zulassungszahlen des Diesels im Allgemeinen, aber besonders in der Kompaktklasse sind rückläufig. Ein letztes TDI-Sternchen im VW-Konzern ist der Golf, den es weiterhin mit 116 und 150 PS zu bestellen gibt. Lohnt sich der Ölmotor dort noch?
