VW ID.4 Pro Performance im Test: Kühler Technokrat

Der Volkswagen ID.4 Pro Performance im Überblick
Stärken
- - Souveräne Fahrleistungen
- - Komfortables Fahrwerk
- - Bequeme ergoComfort-Sitze
- - 125 kW-Schnellladefunktion
- - Gute Assistenzsysteme
Schwächen
- - Komplizierte Bedienung
- - Teils magere Qualität
- - Wenig Platz im Kofferraum
- - Schlechte Rundumsicht
ID-Produkte mit Anlaufschwächen
Langsam, aber sicher erwacht der Konzern-Koloss zum elektrischen Leben. Volkswagen, in Sachen E-Auto vor kurzem noch ein ganzes Stück weit hinter den Verkaufszahlen von Tesla, ja auch von manch chinesischem Newcomer überrascht, will in Sachen Batteriemobilität die Vorreiterrolle übernehmen. Mit dem Erstlingswerk ID.3 gelang ein eher holpriger Start, mit kleineren und größeren Pannen. Unter anderem abstürzende Betriebssysteme, fehlende Updates und nicht zuletzt eine Anhänge- und Dachlast von null Kilogramm sorgten für reichlich Spott.
Beim ID.4 sollen jene Unzulänglichkeiten nun der Vergangenheit angehören und immerhin kann ich gleich zu Beginn dieses Textes berichten, dass Blackscreens und streikende Assistenzsysteme während unserer beiden Testwochen ausgeblieben sind. Der 4,58 Meter lange Crossover darf zudem 1,2 Tonnen an den Haken nehmen und kann bis zu 75 Kilogramm auf dem Dach transportieren. Jene zusätzlichen Transportmöglichkeiten sind auch nötig, denn der Kofferraum fällt eher kläglich aus.
Kein "Frunk", Kofferraum für viele Familien zu klein
Offiziell sollen 543 Liter in den ID.4 passen, die Krux an dieser Zahl ist die Miteinberechnung der 75 Liter unter dem doppelten Ladeboden. Bleiben in etwa 468 Liter für das normale Gepäck, welche für Familien mit Kind(-erwagen) eher nicht so tauglich sind. Da der ID.4 im Vorderwagen zudem über keinen „Kabelfrunk“ verfügt, muss das sperrige AC-Ladekabel im Kofferraum transportiert werden. Und wo liegt es, wenn man es doch einmal braucht? Richtig, da wo man nicht hinkommt.
Wahrlich zum Tragen kommen die stattlichen Außenabmessungen des ID.4 erst, widmet man sich den beiden Passagierreihen. Hier gibt es massig Platz, zumindest in der Ausstattungslinie Pro Performance Max (Stromverbrauch kombiniert: 16,9-16,2 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km²) sehr bequemes ergoComfort-Gestühl in der ersten und eine breite Sitzbank in der zweiten Reihe. USB-C-Lademöglichkeiten werden in der äußerst leisen Kabine genauso üppig gereicht wie Ablagemöglichkeiten für Smartphones, Getränke oder weiteren Kleinkram. Nur eine Sache, die haben sie bei Volkswagen offensichtlich vergessen: Das Ambiente.
Unterkühlter Innenraum, umständliche Bedienung
So wirkt das Interieur des ID.4 auf mich in etwa so unterkühlt wie der Warteraum einer Zahnarztpraxis. Der Kunststoff ist einfach, vor allem die Hochglanzelemente kratzanfällig und die Bedienflächen wurden über das Wesentliche hinaus reduziert. Den Höhepunkt des Verzichts markiert sicherlich die Fensterhebereinheit für den Fahrer, der für vier Scheiben nur zwei physische Tasten samt Wechselfunktion hat. Kann man sicherlich so machen, ist im Zweifel aber genauso umständlich zu bedienen wie das Infotainment-System. Dass der Beifahrer beim Tragen von leichtem Schuhwerk die Kabelage im Fußraum ertasten kann, mag ebenfalls zum neuen Qualitätsverständnis von Volkswagen passen.
Aber genug gemeckert. Was der Volkswagen ID.4 als Pro Performance Max ziemlich gut kann, ist fahren. So bringt der Stromer in jener, Stand 04.07.2021 nicht konfigurierbaren, Ausstattungslinie nicht nur ein sehr kommodes Adaptivfahrwerk mit, er verfügt zugleich über eine angenehm gewichtete Lenkung und natürlich über einen souveränen Heckantrieb. 150 kW/204 PS und 310 Newtonmeter Drehmoment beschleunigen den (mit Fahrer) 2,3 Tonnen schweren ID.4 in glaubhaften 8,5 Sekunden auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist dagegen bei eher mageren 160 Stundenkilometer erreicht.
Souveräne Fahrleistungen, schnelle Ladevorgänge
Rekuperiert wird derweil per Gangwahlhebel hinter dem Lenkrad, wobei sich die Energierückgewinnung nur aktivieren oder deaktivieren lässt. Die Verzögerungsstufen selbst können nicht verändert werden, One-Pedal-Driving bis zum Stillstand ist ebenfalls nicht möglich. Am DC-Schnelllader soll der ID.4 Pro Performance serienmäßig mit bis zu 125 kW laden können, in der Spitze schaffte unser Proband kurzzeitig rund 100 kW bei noch 25 Prozent Restkapazität im netto 77 kWh großen Akku.
Am Ionity-Lader waren so 30,5 kWh in 20 Minuten nachgeladen, was bei einem Autobahnverbrauch von 21 kWh für weitere 145 Kilometer reichen sollte. Lässt man es gemächlicher angehen beziehungsweise fährt man den ID.4 vordergründig im stadtnahen Bereich, so zeigte der Bordcomputer zwischen 17 und 18 kWh auf 100 Kilometer an. An AC-Säulen kann der in Zwickau montierte Wolfsburger überdies mit maximal 11 kW geladen werden, was für eine vollständige Ladung circa acht Stunden bedeutet – eine geeignete Wallbox oder Ladestation vorausgesetzt. Eine Option auf die doppelte AC-Leistung (22 kW) steht nicht zur Verfügung.
Als Maximalreichweite rechnet Volkswagen beim ID.4 Pro Performance übrigens mit optimistischen 508 bis 522 WLTP-Kilometer. Im Alltag waren es bei uns derlei eher 360 bis knapp über 400 Kilometer.
Fazit
Der Volkswagen ID.4 Pro Performance Max ist ein insgesamt gutes, aber überaus kühles Elektroauto geworden, das seine Passagiere sicher, komfortabel und vergleichsweise verbrauchsgünstig von A nach B bringt. Die großzügige Kabine gefällt, der (insbesondere für Familien) kleine Kofferraum eher weniger. Zudem fehlt ein praktischer „Kabelfrunk“. Für mindestens 58.820 Euro leider ein No-Go sind die magere Bedienung und das stark nachlassende Qualitätsbewusstsein. Wer genauer hinschaut findet unter anderem schlecht lackierte Karosserieteile und Gepäckraumösen. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
Technische Daten*
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