Gebrauchtwagentest: Mercedes C-Klasse – Ohne Rost auf Premiumniveau

Das Mittelklassemodell nimmt die Markenwerte wieder ernst und zeigt sich als echter Dauerläufer. Wer einen schicken Innenraum will, muss E-Klasse fahren – das schien lange das hochnäsige Credo der Mercedes-Designabteilung zu sein. Die dritte C-Klasse-Generation demokratisierte edles Ambiente dann langsam. Schon vor dem Lifting 2011 stimmt die Verarbeitungsqualität, danach wurde dann auch an Materialien und Gestaltung gefeilt, so dass man auch den Vergleich mit Audi nicht mehr scheuen muss. Insgesamt ist die Cockpit-Qualität sehr gut: Wer bei einem Gebrauchtwagen mehr als ganz leichte Abnutzungserscheinungen wahrnimmt, sollte bei niedrigen Laufleistungs-Angaben auf jeden Fall stutzig werden. Kaufinteressenten haben die Wahl zwischen drei Karosserieversionen, von denen Kombi und Limousine die gängigsten sind. Zwischen 2011 und 2015 gab es außerdem ein Coupé, das wieder klassischer auftritt als die CLC genannte Zweitürer-Variante beim Vorgänger.
Überdurchschnittliches Sicherheitsniveau
Das Antriebs-Angebot bei der C-Klasse ist umfangreich und imposant. Sechszylinder, Achtzylinder, Allradantrieb – alles dabei. Das Gute daran: Schon der über die Laufzeit in unterschiedlichen Varianten angebotene, 115 kW/156 PS starke 1,6-Liter-Einstiegsbenziner C 180 macht seine Sache gut und reicht im Alltag vollkommen aus. Wie alle Vierzylinderbenziner gibt es ihn nur mit Hinterradantrieb. Beim Getriebe sind neben der Standard-Handschaltung unterschiedliche Automatikausführungen zu haben. Die mit sieben Gängen sind denen mit fünf dabei deutlich vorzuziehen. Der Einstiegs-Diesel C 180 CDI muss mit 88 kW/120 PS auskommen und eignet sich somit vor allem für das Sparen im Stadtverkehr. Wer auch mal längere Autobahnetappen plant, sollte lieber zum nicht durstigeren C 200 mit 100 kW/136 PS greifen. Am oberen Ende des Motorenbandes findet sich der 380 kW/517 PS starke V8 aus dem C 63 AMG Coupé Black Series. Zwischen den beiden Polen dürfte für fast jeden Anspruch das Richtige zu finden sein. Allradtechnik gibt es bei den Benzinern ab 170 kW/231 PS (C 280), bei den Dieseln schon ab 150 kW/204 PS (C 250 CDI).
Wie bei allen deutschen Premium-Autos ist auch bei der C-Klasse die Basisausstattung eher schmal und die Aufpreisliste lang. Immerhin ist mit neun Airbags auch in der günstigsten Ausführung für ein überdurchschnittliches Sicherheitsniveau gesorgt. Moderne Assistenten gab es vor allem im Paket. Daneben ließ sich der Neuwagen mit allem ausstatten, was seinerzeit gut und teuer war – von Sport-Schmankerln wie der Parameterlenkung bis zum Multikontursitz für komfortorientierte Fahrer. Wichtig: Wer viel reist sollte darauf achten, dass der Erstbesitzer für kleines Geld den großen 66-Liter-Tank geordert hat. Serienmäßig gibt es nur 59 Liter – ein bewährter Mercedes-Trick, um das Fahrzeuggewicht und damit den Kraftstoffverbrauch bei der Labormessung zur Typgenehmigung zu drücken.
Fuß auf die Feststellbremse
Der TÜV attestiert dem W 204 „extreme Mängelarmut und Rostresistenz“. Das war bei der C-Klasse nicht immer so, wie ein Blick auf den qualitativ mäßigen Vorgänger beweist. Mercedes hat gelernt und macht fast alles besser. Ein paar Schwächen gibt es aber noch, etwa verschlissene Achsaufhängungen, gebrochene Federn und korrodierte Bremsleitungen. Vor allem bei Kilometerfressern wie Dienstwagen oder Taxis. Bei Automatikmodellen sollten Kaufinteressenten die Fußfeststellbremse prüfen; weil sie von den Vorbesitzern oft nicht genutzt wird, kann sie schon mal etwas einrosten. Insgesamt schneidet der Mercedes im Vergleich zur Konkurrenz aber in jedem Kapitel des TÜV-Reports hervorragend ab.
Der W 204 ist ein Mercedes wie er nach dem Selbstverständnis der Marke sein sollte, hochwertig und langlebig. Das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist groß, vor allem Diesel sind in großer Zahl zu finden (Euro 4 und Euro 5). Ein Schnäppchen ist die dritte C-Klasse aber nicht, auch wenn mittlerweile längst Generation vier auf dem Markt ist. Unter 6.500 Euro ist kaum etwas zu machen. (sp-x/hh/jms)
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