Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé (2026): Viel Bling-Bling und 1.169 PS

Der neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé auf einen Blick
Was uns gefällt
Der V8-Sound, auch wenn er künstlich ist.
Was wir vermissen
Einen echten V8-Verbrenner.
Ideal wenn …
… man eine Limousine braucht, aber einen Sportwagen fahren will.
Die Alternativen
Porsche Taycan, Audi e-tron GT, Lucid Air
Stärken
- Emotionales Design
- Unglaubliche Power
- Motorsport-Technik
Schwächen
- Hoher Preis
- Zuviel Bling-Bling
- Überfrachtetes Cockpit
Kann ein Elektroauto emotional sein?
Ein Mercedes-Vorstand wie Ola Källenius hat diverse Privilegien. Zum Beispiel, dass er als einer der ersten die neuen Modelle testen darf. Als ehemaliger AMG-Chef hat er beim neuen viertürigen Sportcoupé GT sicher ganz genau hingesehen. Denn hier geht es auch um die Existenzberechtigung der Sportwagenmarke, die früher mit viel dicker Hose und Krawall ihren Ruf gegründet hat. Und jetzt muss AMG diesen Erfolg ins Elektrozeitalter retten – ganz still und leise. Sein erstes, kaum verwunderliches Urteil: „Dieses Coupé liefert die Emotion, die unsere Fans von einem AMG erwarten. Jetzt auch elektrisch.“ Wie viel Gefühl steckt in diesem Auto, oder andersherum gesagt, wie viele Gefühle löst dieser AMG aus – diese Frage haben wir uns bei einem exklusiven Vorab-Termin gestellt.
So viel kostet der Luxus-Coupé
Vom Verbrenner-Vorgänger, der von 2018 bis Ende 2025 gebaut wurde, hat man nur wenige zehntausend Exemplare verkauft. Kein Wunder: Der Kundenkreis war eher klein. Manager, und Geschäftsleute, die ein exklusives Sportauto fahren und dabei auf den Komfort einer Limousine nicht verzichten wollen. Also Menschen, die auch einen Porsche Panamera kaufen würden. Angeboten wurde der viertürige AMG GT als Sechs- und Achtzylinder, sogar einen Plug-In-Hybrid gab es. Die Preise reichten von 100.000 bis weit über 220.000 Euro. So viel wird der reine Elektrosportler auch kosten, zumindest heißt es in der Pressemitteilung: „Preislich werden sich die Modelle an den vergleichbaren Vorgängerfahrzeugen orientieren.“ Zum Bestellstart werden zweit Motorisierungen angeboten. Der Mercedes-AMG GT 55 (600 kW / 816 PS) und den Mercedes AMG GT 63 (860 kW / 1.169 PS).
Dieses Design löst Emotionen aus
Schwarzes Studio, Spiegelwände, knallgelbes Auto: Fast schon geblendet kreisen wir um das Mercedes-AMG-GT 4-Türer Coupé. Und sind beeindruckt. Sieht elegant aus für so eine 5,10 Meter lange Limousine. Die Frontansicht wird geprägt von zwei mächtigen Powerdomes auf der Motorhaube, den ausgestellten Kotflügeln, und dem flachen, extrem breiten Kühlergrill. Hinten dominieren kräftige Schultern, ein schwarz eingefasstes Lichtband mit sechs roten Heckleuchten im Sternen-Design und der ausfahrbare Diffusor. Das Design berührt, vielleicht polarisiert es auch, aber kalt lässt dieses Auto bestimmt niemanden. Es löst Emotionen aus. Zumindest hier hat Källenius recht.
Großes Kino mit Rüttel-Sitzen
Auch im Interieur geht das Spektakel weiter. Das Armaturenbrett erinnert mehr an ein Flugzeug-Cockpit. Der Pilot hat zwei zur Fahrerseite hin gebogene und 10,2 und 14 Zoll große Monitore. Die Farbe Rot umspült nicht nur die Grafiken, sondern auch die vielen Drehregler, mit denen man die Fahrprogramme individualisieren kann. Großes Kino mit viel Carbon, Chrom, Licht- und Rüttel-Effekten. Richtig gelesen – bei diesem AMG vibrieren die Sitze, wenn Leistung abgerufen wird. Da darf der Fahrzeughimmel nicht einfach nur schwarz sein – auch das Dach bekommt seine eigene Inszenierung. Mit leuchtenden AMG-Wappen oder farbigen Racing Stripes passend zum gewählten Ambientelicht. Das Auge fährt halt mit. Wer so viel Bling-Bling braucht, der dürfte bei diesem AMG echte Gefühle bekommen.Vor lauter Glück.
Der Motorsound ist künstlich, der Gangwechsel wird simuliert
Bleiben wir bei den vielen Inszenierungen im neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé, die ein Stück weit auch dazu da sind, um die großen Gefühle zu ersetzen, die bislang ein blubbernder Motor und ein trompetender Auspuff erzeugt hat. Künstlich ist zum Beispiel der Sound, der sogar nach außen übertragen wird. Ein AMG will ja auch gehört werden. Grundlage dafür ist der echte Sound eines AMG GT-R, der auf einem Rollenprüfstand gefahren wurde. Die Ingenieure haben dort von 16 Mikrofon-Positionen aus den Klang des Achtzylinders akribisch eingefangen und digitalisiert. Er wird passend zur Fahrsituation über die HiFi-Anlage wieder eingespielt. Ebenfalls nicht echt sind die simulierten Schaltvorgänge des nicht vorhandenen Doppelkupplungsgetriebes. Hier lässt Hyundai grüßen. Die Südkoreaner haben so ein System bereits seit 2023 im Ioniq 5N im Angebot und rollen dieses Feature jetzt auch auf andere Modelle gegen Aufpreis aus.. Wir fanden es ganz lässig, andere hingegen bezeichnen das als reine Mogelpackung.
Luftfahrwerk mit semiaktiver Wankstabilisierung
Auch beim serienmäßigen Luftfahrwerk legt AMG in Sachen Beweglichkeit noch eine Schippe drauf. Die Stoßdämpfer sind semi-aktiv, das heißt, sie arbeiten mit Hydraulikelementen. Damit erhöht man die Reaktionsgeschwindigkeit und spart sich die Stabilisatoren. Die Karosserie kann dadurch in Millisekunden auf Wankbewegungen reagieren - alles gesteuert von einem Zentralrechner, der mit einem Hochleistungschip ausgestattet ist. Mit dem so genannten AMG Race Engineer regelt man die Fahrdynamik. Über drei Drehknöpfe auf der Mittelkonsole lassen sich das Ansprechverhalten der drei Elektromotoren justieren, das Kurvenverhalten steuern oder die Traktion verändern. Selbstverständlich hat der AMG auch eine Hinterachslenkung.
Erstes Fazit
Mit dem AMG GT 4-Türer, der die technische Basis für weitere Modelle, darunter auch SUVs ist, zeigt Mercedes, wie die Zukunft elektrischer Sportwagen aussehen kann. Viel Bling-Bling, viele künstliche Animationen - das gefällt sicher nicht jedermann. Vermutlich ist es aber der einzige Weg, Emotionen zu schaffen, ganz ohne Verbrenner. Wir sind gespannt, wie sich dieser AMG fährt. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)
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