Mercedes-Maybach S-Klasse im Test (2026): Die Schampus-Klasse

Mercedes setzt der S-Klasse die Krone auf: Der neue Maybach strotzt vor Luxus. Rosé-Gold, Silberfelgen, Champagner im Kühlschrank. So wird aus dem Auto der Bosse eine Wellness-Oase auf vier Rädern oder wahlweise ein rollender Konferenzraum. Leider fehlt etwas ganz Entscheidendes.

Die Mercedes-Maybach S-Klasse auf einen Blick


Was uns gefällt

Der Chefsessel im First-Class-Fond.

Was wir vermissen

Immer wieder den Zwölfzylinder.

Ideal, wenn … … man überhaupt nicht auf das Geld schauen muss.

Die Alternativen:

Rolls Royce Ghost LWB, Bentley Flying Spur LWB, BMW (Alpina) 7er.


Stärken

  • Individualisierung ohne Grenzen
  • Der neue Mild-Hybrid-V8
  • Absolute Ruhe beim Fahren

Schwächen

  • Optik einer normalen S-Klasse
  • Zu weiches Fahrwerk
  • Sehr hoher Preis

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Das Beste oder das Allerbeste: Wie gut ist der Maybach?

Er war zwar nur der Chefkonstrukteur von Gottfried Daimler, seine Ansprüche übertrafen die seines Chefs aber deutlich. Während Daimlers Motto „das Beste oder nichts“ lautete, wollte Wolfgang Maybach „das Allerbeste aus dem Allerbesten“ erschaffen. Ob die aktuelle und gerade eben vorgestellte S-Klasse von Mercedes das Allerbeste ist, darüber diskutieren die Kritiker.

Sicher ist: Das Allerbeste der S-Klasse ist die Maybach S-Klasse. Zumindest, was den Luxus angeht. Denn technisch liegen zwischen den beiden Fahrzeugen keine Welten. Klar, der Maybach ist mit einer Länge von 5,48 Metern um 18 Zentimeter größer als das Spenderfahrzeug. Und ja, alle Motoren sind ein paar PS stärker als beim herkömmlichen Mercedes. Den größten Unterschied aber macht die Ausstattung. Wo die normale S-Klasse solide bis luxuriös ist, da muss man beim Maybach von edel bis erlesen sprechen.

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Interieur komplett beledert: 47.500 Euro

Das fängt bei den Rosé-Gold-Applikationen in den Scheinwerfern an, setzt sich bei den silberfarbenen Schmiederädern mit Goldfinish fort und endet beim Nappa-Leder, das man man komplett flächendeckend im Interieur einsetzen kann. Das kostet dann zwar stattliche 47.500 Euro, aber dafür ertasten die Finger weder blankes Blech noch harten Kunststoff. Haben wir vorhin geschrieben, dass der Luxus beim Leder endet? Das ist natürlich Unsinn.

Für Maybach-Kunden gibt es keine Grenzen, was die Ausstattung angeht. Höchstens, wenn es um die Sicherheit geht. Bestimmte Lacke zum Beispiel haben Auswirkungen auf die Radar-Sensorik und können nicht aufgetragen werden. Das gilt nicht für die „Sparkling Black“: Hier wurden Glaspartikel eingearbeitet, sodass der Maybach bei einer bestimmten Sonneneinstrahlung so leuchtet wie der Himmel in einer klaren Nacht.

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120 Lackfarben, 400 Lederfarben

Beim Thema Farben kann der Kunde schon beim „normalen“ Manufaktur-Programm zwischen 50 Optionen wählen. Bei der noch edleren Option namens „Made to Measure“ sind es sogar 120 Farben. Und wenn dann das Passende immer noch nicht dabei ist, dann rührt die Fachabteilung auch einen ganz persönlichen Ton an. Mehr Auswahl hat man nur noch beim Leder. Hier kann man zwischen 400 Farben wählen. Kleine Kaufberatung: Neu und wirklich schön ist Macchiato-Beige. Gern genommen wird auch die Zweifarblackierung für außen. Sie ist im Mercedes-Konzern der Marke Maybach vorbehalten, dauert fünf Tage in der Produktion und kostet etwa 15.000 Euro Aufpreis. Die Ausführung ist so perfekt, dass man keinen Unterschied bei den Übergängen fühlt, wenn man mit den Fingern darüber gleitet.

Auch die Türfalz und der Tankdeckel werden in „Two Tone“ lackiert. Perfektion - auch das ist in diesen Zeiten nicht mehr selbstverständlich, sondern der pure Luxus. Als besonders exquisit gilt die Kombination: Opalit White Bright (oben) mit dem leicht grünlichen Verdesilber Metallic. Es geht aber noch exklusiver: Ein Schweizer Kunde wünscht sich seinen Maybach mit Zweifarblackierung, aber nicht horizontal, sondern vertikal. Die eine Hälfte des Autos soll grau werden, die andere grün. Geht nicht, gibt’s nicht. Der Kundenwunsch wird erfüllt.

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Champagner aus dem Silberkelch oder Konferenzschaltung

Was ist für Maybach wahrer Luxus? Markus Bauer, der neue Chef der Edelmarke definiert Luxus mit Raum und Zeit. Raum respektive Platz bietet die Maybach S-Klasse üppig. Vor allem im First-Class-Fond. Hier können sich sogar die Größten langlegen und sich in die Kissen kuscheln. Wadenmassage gefällig? Kein Problem! Heimkino? Bitte sehr. Auf Knopfdruck gleitet der Sitz rechts hinten in Liegeposition. Kopfhörer aufsetzen, Fernbedienung nehmen und auf dem 13,1 Zoll großen Bildschirm die neuesten Folgen der Lieblingsserie streamen. Das Ganze lässt sich auch noch mit einem Glas Champagner garnieren. Hinter der (belederten) Mittelkonsole versteckt sich ein Kühlschrank mit zwei Silberkelchen der deutschen Edelmanufaktur Robbe & Berking.

Raum und Zeit - das ist wahrer Luxus. Zeit kann Maybach nicht schenken, aber zumindest kann man mit der Edel-Limousine Zeit sparen. Zum Beispiel Arbeiten auf dem Weg in die Konzernzentrale. Auch dafür ist der Chefsessel hinten rechts ausgestattet. Alle Displays sind mit Konferenztechnik bestückt, das heiß, hier gibt es Kameras und Mikrofone, um Besprechungen live abhalten zu können. Und am besten schaltet der Chauffeur dann in den Maybach-Modus - ein Fahrprogramm, bei dem das Fahrwerk besonders weich ausgelegt ist und die Gasannahme sanfter reagiert als üblich.

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Ruhe wie in einer Kathedrale - auch beim Fahren

Womit wir beim zweiten Zweck des Maybachs sind, dem Fahren. Das kann die Limousine natürlich auch. Unter der Woche vom Chauffeur, am Wochenende gerne vom Besitzer selbst. Denn das sanfte Gleiten mit der bärenstarken Limousine macht viel Spaß. Alle drei verfügbaren Motoren sind extra noch mal abgekapselt. Die Ruhe wie in einer Kathedrale - das ist der Anspruch. Für Entspannung sorgt auch die Luftfederung. Für unseren Geschmack ist sie weich wie Butter, selbst bei Sport wippt die schwere Limousine nach. Aber unser Geschmack ist beim Luxus-Thema Maybach vielleicht nicht entscheidend.

Die Beschleunigung, insbesondere vom neuen Achtzylinder im S 680, ist souverän, kraftvoll und selbstbewusst. Er bringt 450 kW / 612 PS auf die Straße und ein Drehmoment von 850 Nm. Kurzfristig kommen noch mal 205 Nm dazu, wenn der elektrische Startergenerator (17 kW / 23 PS) zusätzlich anschiebt. Leistung satt – das reicht für einen Spurt von null auf 100 in vier Sekunden. Um die Laufruhe des Triebwerks zu erhöhen, wurden noch zwei zusätzliche Lanchester-Ausgleichswellen eingebaut.

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Der Achtzylinder macht Spaß, aber die Sehnsucht bleibt

Die Zahl 612 weckt bei Motoren-Fans große Sehnsüchte. Aber solche, die nicht mehr erfüllt werden in Europa. Denn 612 PS hatte auch der legendäre Zwölfzylinder. Aus regulatorischen Gründen darf er hierzulande nicht mehr angeboten werden. Es sei denn, man weicht gleich auf die gepanzerte Limousine S Guard aus. Hier gibt es eine Ausnahme. Der gleiche V8 werkelt auch im S 580, allerdings nur mit 395 kW / 537 PS. Er ist um eine halbe Sekunde langsamer beim Sprint auf Tempo 100.

Der dritte Maybach-Antrieb im Bunde ist ein Plug-in-Hybrid mit einem wenig standesgemäßen Reihensechszylinder, der es zusammen mit einer E-Maschine auf stattliche 430 kW / 585 PS bringt, und sogar bis zu 98 Kilometer rein elektrisch fahren kann. Fürs gute grüne Gewissen. Alle Motoren bringen ihre Kraft via Allrad und mit Automatik auf die Straße. Damit das bis zu 2,6 Tonnen schwere Flaggschiff auch gut um die Kurven geht, gibt es eine Allradlenkung, die den Wendekreis immerhin auf 12,40 Meter einengt.

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Erstes Fazit

Das allerbeste oder nichts. So lautet das Motto, wenn man die Philosophien von Daimler und Maybach kreuzt. Die allerbeste S-Klasse ist ein exklusives Vergnügen. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Der S 580 kostet ab 216.434,23 Euro, der stärkere S 680 dann schon 269.646,86 Euro. Wie viel die durchschnittliche Kundschaft für Sonderausstattungen noch ausgibt, ist ein Betriebsgeheimnis. Oft kommt aber noch mal der Neupreis oben drauf, heiße es intern. Das Allerbeste kostet manchmal eben nicht weniger als das Allermeiste. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)

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Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

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