Erster Test: Mercedes-Benz GLC – Gelungener Spagat

Wir haben uns bei einer ersten Ausfahrt von seiner beeindruckenden Vielseitigkeit überzeugt. Der ab September 2015 erhältliche neue Mercedes GLC beerbt seinen Vorgänger GLK. Wie viele Modelle der Stuttgarter, ist das Kompakt-SUV einer Namensänderung unterzogen worden, die ihn näher an seine technische Basis, die C-Klasse, rückt. Mit einem Einstiegspreis von 44.500 Euro ist das permanent allradangetriebene SUV zwar kein Schnäppchen, doch hat Qualität bekanntlich ihren Preis. Und mit Qualitäten kann er auf jeden Fall glänzen.
Mercedes versteht es, den Komfort der C-Klasse und die Offroadaffinität der G-Klasse im GLC in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen. Längere Ausfahrten auf der Autobahn oder über Land dürften wohl sein häufigstes Einsatzgebiet sein; besonders lässig gleitet er mit der Luftfederung dahin, die allerdings stolze 2.261 Euro kostet. Doch wen die Lust nach Abenteuer packt, der kommt auf seine Kosten. Mit dem Offroad-Technik-Paket (Aufpreis 702 Euro), welches mit fünf Gelände-Fahrprogrammen, einem Berg-Abfahrassistenten und einem angehobenem Fahrwerk von plus zwanzig Millimetern daherkommt, wird der sonst recht braven GLC zum Bergfex, was er uns in einem Offroad-Parcours bewiesen hat.
Dort angekommen streckt sich vor uns eine 80 prozentige Steigung in die Höhe. Da sollte es hoch gehen - und zugegeben, uns wurde leicht flau im Magen. Doch ohne Probleme krabbelte der Bremer-Benz die Wand hinauf. Was wir sahen, war der blaue Himmel doch zum Glück offenbarte uns die Frontkamera, dass sich hinter der Kuppe eine Kurve befand. Runter nutzten wir den Bergabfahrassistent, den wir vorher auf vier km/h einstellten und der, wie zu erwarten, das Abfahren sehr bequem gestaltete.
Die dann folgenden Schlaglöcher waren so groß, dass wir das Schlimmste vermuteten. Und so sollte es kommen: Beim Durchfahren kippte das Auto zur rechten Seite und machte mit dem vorderen linken Reifen das, was Entchen viel besungen mit dem Schwänzchen machen – so standen wir anstatt auf vier Rädern nur noch auf dreien. Der elektronische gesteuerte Allradantrieb bemerkte dies binnen kürzester Zeit, verteilte die Kraft auf die am Boden verbliebenen Räder und setzte so das Auto wieder in Bewegung.
Und in alltäglichen Situationen? Ob über Land oder auf der Autobahn, langstreckentauglich ist er allemal. Die wohlgeformten Sitze sind anschmiegsam und bieten optimale Stabilität – lediglich etwas mehr Seitenhalt wäre wünschenswert. Dass das Reisen im Fondbereich sich ebenso kommod gestaltet, dürfte, bei seinen Außenmaßen von 4,66 Meter Länge und gut zwei Meter Breite, keiner in Frage stellen. Auch fasst der Kofferraum im Vergleich zu seinem Vorgänger nun 80 Liter mehr und nimmt damit jetzt 550 Liter auf. Dem nächsten Familienurlaub steht also auch nichts mehr im Wege.
Straßenverhältnisse
Im alltäglichen Straßenverkehr zeigte sich der Wahlbremer aus dem ehemaligen Borgward-Werk im Großen und Ganzen stetig von seiner Schokoladenseite, nicht nur auf Grund der citinbraunen Farbe unseres Testwagens - ein warmes Schokobraun aus dem neunteiligen Farbmenü der Benz-Lackierungen. Der Fahrer hat die Möglichkeit zwischen fünf verschiedenen Fahrdynamik-Programmen zu wechseln. Eco, Comfort, Sport, Sport+ und Individual, das sich nach ganz persönlichem Herzensbegehren programmieren lässt.
Egal was man wählt: Das Fahrwerk ist präzise auf das Fahrzeug abgestimmt und gibt dem Fahrer stets eine gute Rückmeldung über die Straßenbeschaffenheit.
Angetrieben werden die 1,8 Tonnen Leergewicht auf unserer Testfahrt vom kleinsten Diesel (220d 4Matic) im derzeit drei Triebwerke umfassenden Sortiment; ein Vierzylinder mit 170 PS, dessen 400 Newtonmeter Drehmoment schon bei 1400 Umdrehungen anliegen. Das serienmäßige Neungang-Automatikgetriebe erweist sich, zumindest im Eco - und Komfortmodus als treuer Begleiter, das zuverlässig mit den Gängen jongliert. Im Sport- und Sport-Plus-Modus werden die Fahrstufen etwas forscher eingelegt und beim Kick-Down ist das Automatikgetriebe nicht ganz so treffsicher. Ab und an scheint es einen Schritt zu weit in die unteren Gänge gespurtet zu sein. Ein kleines Versehen, was mit einem ruppigen Hochschalten in den nächstgelegen Gang behoben wird.
- Technische Daten
Länge: 4,66 Meter, Breite: 2,10 Meter, Höhe: 1,64 Meter, Radstand: 2,87 Meter, Kofferraumvolumen: 550 bis 1.600 Liter
2,2-Liter-Vierzylinderdiesel, Allradantrieb, 9-stufiges Automatikgetriebe; 125 kW/170 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm zwischen 1.400 - 2.800 U/min, 0-100 km/h: 8,3 s, Vmax: 210 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,5 Liter Diesel, CO2-Ausstoß: 129 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Preis: ab 44.863 Euro
2,2-Liter-Vierzylinderdiesel, Allradantrieb, 9-stufiges Automatikgetriebe; 150 kW/204 PS, maximales Drehmoment: 500 Nm zwischen 1.600 - 1.800 U/min, 0-100 km/h: 7,6 s, Vmax: 223 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5 Liter Diesel, CO2-Ausstoß: 129 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Preis: ab 46.410 Euro
2-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, Allradantrieb, 9-stufiges Automatikgetriebe; 155 kW/211 PS, maximales Drehmoment: 350 Nm zwischen 1.200 – 4.000 U/min, 0-100 km/h: 7,3 s, Vmax: 223 km/h, Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter Benzin, CO2-Ausstoß: 152 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Preis: ab 44.506 Euro
Artenvielfalten
Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Für Freunde der individuellen Ausgestaltung des Innenraums hält Mercedes allerhand bereit. Dem Käufer stehen fünfzehn verschiedene Sitzbezüge in Leder, Nappa-Leder oder Ledernachbildung zur Auswahl. Bei den Zierelementen sind es acht verschiede Materialen, wie zum Beispiel Klavierlackoptik in schwarz, das traditionelle Wurzelnuss-Holz, das moderne längsgeschliffene Aluminium oder unser spezieller Favorit, das offenporige, schwarze Eschen-Holz, die zur Auswahl stehen; so ist sichergestellt, dass für wirklich jeden etwas dabei ist.
Und wer die Wahl hat, hat die Qual. Kleiner Tipp: Vorher im Konfigurator verschiedenste Kombinationen ausprobieren, abspeichern und ein paar Tage auf sich wirken lassen. Man will sich schließlich nicht nach kürzester Zeit am Traum-SUV sattgesehen haben. Ein gelungener Spagat und würdiger GLK-Nachfolger ist der neue Mercedes GLC in jedem Fall. Auch den, auf dem Papier angegebenen, kombinierten Verbrauch von 5,5 Litern kann der von uns getestete Diesel 220d bei entspanntem Fahrverhalten annähernd einhalten – sportliche, ambitionierte Fahrer werden sich allerdings im niedrigen zweistelligen Verbrauchsbereich wiederfinden. Wer es besonders bequem, sollte die Luftfederung nehmen; das Geländepaket braucht hingegen nur, wer wirklich vor hat, abseits der Straße unterwegs zu sein. Übrigens: Wer noch etwas Geduld aufbringen kann, dem empfehlen wir noch bis zum Ende des Jahres zu warten. Dann steht auch der GLC 350e 4Matic, der Plug-In-Hybrid mit 320 PS, in der Preisliste. Dieser soll sich laut Herstellerangabe mit einem Durchschnittsverbrauch von 2,6 Litern begnügen.
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