Test Mercedes CLE 450 4Matic: Was ist Luxus?

Das Mercedes CLE 450 4Matic Coupé auf einen Blick*
- CLE fasst C- und E-Klasse Coupé zusammen
- Elegantes Design, aber mit B-Säule
- CLE 450 4Matic leistet 381 PS + 23 PS
- 0-100 km/h in 4,4 s, Vmax 250 km/h
- Sportlich-komfortable Abstimmung
- Grundpreis CLE 450 ab 80.087 Euro
*(Kraftstoffverbrauch kombiniert (WLTP): 7,7 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 174 g/km; CO2-Klasse: F)²

Kraftvoller Auftritt auch ohne AMG-Zierrat
Bei Mercedes wird in den letzten Jahren immerzu von Luxus gesprochen. Die ganze Unternehmensstrategie zielt mittlerweile darauf ab, „Das Beste oder nichts“ anzubieten. Gleichzeitig strichen die Stuttgarter schon 2020 die zweitürigen Varianten der S-Klasse und fassen die bisherigen Coupé- und Cabrio-Varianten der C- und E-Klasse neuerdings in der 4,85 Meter langen CLE-Baureihe 236 zusammen. Dabei ist es doch gerade die Coupé-Form, die Luxus und automobilen Überfluss in Reinkultur verkörpert. Man muss es sich schließlich leisten können und wollen, auf zwei zusätzliche Türen und eine vollwertig nutzbare Rücksitzbank zu verzichten, obwohl eine größere Limousine kaum mehr kostet.
Bestes Beispiel: Der hier getestete Mercedes-Benz CLE 450 4Matic startet derzeit in der Preisliste ab 80.087 Euro, wohingegen der deutlich alltagsfreundlichere E 450 4Matic (Kraftstoffverbrauch kombiniert (WLTP): 7,5 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 172 g/km; CO2-Klasse: F)² als Viertürer ab 81.776,80 Euro angeboten wird. Durch den vorübergehend gewährten Kundenvorteil von Mercedes (Stand 06/2024) haben sich die realen Preise des CLE zwar etwas verringert, im Grunde platziert der Hersteller aber beide Modelle auf dem gleichen Niveau. Also warum sollte man den Zweitürer vorziehen? Rational betrachtet gibt es kaum Gründe, optisch hingegen schon: Rein subjektiv schindet vor allem die Seitenansicht des CLE Coupés mächtig Eindruck – und das bereits ohne den über alle Modellreihen hinweg inflationär eingesetzten AMG-Zierrat.
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Leistungsstark und effizient: Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder M 256
Weiterhin spricht für die CLE-Baureihe das Motorenangebot. Während zum Beispiel die C-Klasse (inklusive AMG-Modelle) derzeit nur mit Vierzylindern bestellbar ist, setzt der hier getestete CLE 450 4Matic auf einen 381 PS + 23 PS starken 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbomotor (M 256). Das Plus bei der Leistungsangabe zeigt bei Mercedes unmissverständlich, dass es sich um einen Mild-Hybrid handelt, der überdies bis zu 205 Nm zu den 500 Nm des Verbrenners bereitstellt. Jetzt lassen sich die Zusatzwerte nicht eins zu eins addieren, da der integrierte 48V-Startergenerator bei maximaler Leistungsabforderung primär als Booster fungiert und in gewisser Weise das Fehlen eines zweiten Turboladers ausgleicht. Gleichzeitig ermöglichen es die Hybrid-Komponenten, dass der CLE (zumindest im aktiv ausgewählten Eco-Fahrprogramm) auch längere Zeit im Segelmodus verweilen kann. Lohn all der technischen Mühen? Eine Sprintzeit von null auf 100 km/h in sportlichen 4,4 Sekunden auf der einen, ein Testverbrauch von 9,8 Litern je 100 Kilometer auf der anderen Seite.
In Sachen elektrifizierte Verbrenner sind sie bei Daimler in der Tat ganz weit vorn dabei und wer auf längeren Autobahnetappen ohne Hast unterwegs ist, kratzt ohne Mühen gar an der Sieben-Liter-Marke. Der Reihensechszylinder verfügt daneben über sehr gute Manieren, klingt unaufdringlich kernig und schiebt auch bei höheren Geschwindigkeiten äußerst souverän an – Tempo 250 sind für ihn ein Kinderspiel. Mehr Schnelligkeit ginge sicherlich auch, ist allerdings mit 270 km/h dem 449 PS + 23 PS starken E 53 vorbehalten (Kraftstoffverbrauch kombiniert (WLTP): 9,4 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 212 g/km; CO2-Klasse: G)², dessen Sechszylinder-Turbo einen zusätzlichen E-Verdichter spazieren fährt. Während ursprünglich damit gerechnet wurde, dass damit die Fahnenstange erreicht ist, dürfte im künftigen CLE 63 S (Fahrzeug steht noch nicht zum Verkauf)² aufgrund von zunehmendem Kundendruck der bekannte 4,0-Liter-V8-Biturbo ein Comeback feiern.

Der Fokus bei der Entwicklung lag auf dem Fahrgenuss, nicht auf äußerlichen Details
Doch zurück zum „zivilen“ 450er Coupé, dessen Leistungsstärke man ihm selbst auf den zweiten Blick nicht ansieht. Das liegt auch am enttäuschenden Heckdesign, das nicht die gleiche ästhetische Wirkung erzielt wie die Seitenansicht: Die Auspuffblenden, der Diffusor und die seitlichen Luftaustritte sind nur Attrappen. Zusammen mit dem unterbrochenen LED-Heckleuchtenband wirkt es, als hätten Sparmaßnahmen bei einigen Designentscheidungen dominiert. Das gilt auch für das Vorhandensein einer B-Säule, die nicht zur Coupé-Historie passt, da versenkbare hintere Seitenscheiben immer ein Markenzeichen der zweitürigen Mercedes-Modelle waren.
Nicht lumpen ließ man sich hingegen bei der fahrdynamischen Abstimmung des rund zwei Tonnen schweren Allradlers. Nein, ein reinrassiger Dynamiker will dieser nicht sein (dafür gibt es den AMG), wohl aber ein sportlich-komfortabler sowie traktionsstarker Gran Tourer. Im optionalen Technikpaket enthalten sind neben den empfehlenswerten aktiven Dämpfern auch eine Hinterachslenkung, wobei sich das Volant als solches (zumindest in der Sportstellung) ziemlich präzise bedienen lässt. Die Sechszylinder-Variante des CLE profitiert beim Bremsen zudem serienmäßig von größeren Stahlscheiben. Sehr unaufgeregt und dem Charakter dieses Langstreckenwagens entsprechend, ist die Neungang-Automatik abgestimmt. Fahrstufenwechsel gelingen beinahe unmerklich, auf harte Gasbefehle reagiert der Wandler hingegen mit deutlicher Verzögerung.

Innen ist nicht alles Gold was glänzt
Zum Schluss der Blick ins Innere. Hier ist die CLE-Baureihe der C-Klasse näher als der E-Klasse. Festmachen kann man dies nicht nur an den ab der Gürtellinie eingesetzten (teils billigen) Materialien, sondern auch an der Aufbereitung des MBUX-Infotainment-Systems. Je nach Menüebene wird zwischen konservativer Mercedes- und neuartiger Smartphone-Gestaltung hin und her gewechselt – ein wenig mehr Konsequenz hätte dem Design sicherlich nicht geschadet. Während man sich an die Eigenheiten der Handhabung schnell gewöhnt, bleiben die bequemen, aber für Großgewachsene insgesamt zu hoch montierten Sitze bis zuletzt ein Nachteil. Weil wahrer Luxus aber darin besteht, Platz zu haben, passen in den 420 Liter großen Kofferraum laut Hersteller immerhin bis zu drei Golfbags. Ganz gleich, ob auf der beengten Rücksitzbank nun wirklich eine dritte Person mitfahren möchte, oder nicht.

Fazit
Das Mercedes-Benz CLE 450 4Matic Coupé ist eine erfrischende Ausnahme im Modellprogramm der Stuttgarter. Hier steht der automobile Genuss noch vor der Vernunft: Es gibt einen seidigen 48V-Reihensechszylinder und ein komfortables Fahrwerk, das nicht durch unzählige Testrunden auf dem Nürburgring für den Alltag ruiniert wurde. Der CLE 450 ist daher besonders für lange und entspannte Reisen geeignet. Für die aufgerufenen Oberklasse-Preise hätten wir uns jedoch außen mehr Detailarbeit und innen an vielen Stellen wertigere Materialien gewünscht. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
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