Wintertest Mercedes-Benz G 580 EQ (2026): Kann er es auch elektrisch?

Mit dem Mercedes-Benz G 580 mit EQ-Technologie elektrifizieren die Stuttgarter ihr Offroad-Urgestein. Der in Graz gefertigte Geländewagen überzeugt auf der Straße und Offroad gleichermaßen, wenn da nicht der übermäßige Stromdurst wäre.

Der Mercedes-Benz G 580 EQ (2026) auf einen Blick


Was uns gefällt

Dass sich außer dem Antrieb praktisch nichts verändert hat.

Was wir vermissen

Das beheizbares Lenkrad in einem Fahrzeug dieser Preisklasse.

Ideal, wenn …

… man sich nahezu lautlos im Gelände bewegen möchte.

Die Alternativen

Sind uns bisher noch keine untergekommen.


Mercedes-Benz G 580 EQ_Frontansicht

Optisch ganz die G-Klasse

Von außen unterscheidet sich der Mercedes-Benz G 580 mit EQ-Technologie, wie die etwas sperrige vollständige Bezeichnung lautet, nur marginal von seinen Benzin- oder Dieselbrüdern. Lediglich die im einen oder anderen Fall mehr oder weniger dezent ausgeführte Auspuffanlage mag bei genauerer Betrachtung fehlen. Ansonsten ist der Elektrische genauso massiv und kantig gebaut, wie man es seit dem Beginn der Baureihe im Jahr 1979 in weitgehend unveränderter Form gewohnt ist.

Die schweren Türen wollen mit ordentlich Kraft geöffnet und geschlossen werden. Genau wie man es von der G-Klasse erwartet, ohne dass dies im Alltag wirklich praktisch ist. Zu leicht kann es passieren, dass die Türen auch bei schwungvoller Betätigung nicht richtig schließen. Aber dafür weiß man stets, mit welchem Fahrzeug man es zu tun hat und kann sich ein wenig besser erklären, warum der Mercedes-Benz G 580 EQ über drei Tonnen wiegt.

Mercedes-Benz G 580 EQ_Seitenansicht

Ein Motor an jedem Rad

Der Mercedes-Benz G 580 EQ wird an jedem Rad von einem jeweils 108 kW starken Motor angetrieben. Daraus ergibt sich eine Systemleistung von 432 kW (588 PS) und ein Gesamtdrehmoment von 1.164 Nm. Dementsprechend kraftvoll ist der Antritt des Schwergewichts. In 4,7 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h – das ist gerade einmal 0,4 Sekunden länger als beim Mercedes-AMG G 63 mit dem klassischen V8-Benzinmotor. Bei der Höchstgeschwindigkeit ist mit Strom bereits bei 180 km/h und damit 40 km/h früher Schluss.

Mercedes-Benz G 580 EQ_Heck-seitlich

Komfortabel auf der Straße

Der Leiterrahmen wurde für den elektrischen G modifiziert und verstärkt. Neben der Starrachse hinten kommt vorne wie bei allen G-Modellen Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern zum Einsatz. In Verbindung mit der adaptiven Dämpferverstellung wirkt sich dies sehr positiv auf den Fahrkomfort aus. Dank der unterschiedlichen Fahrmodi bietet der Wagen ein breites Einsatzspektrum.

Im Comfort-Modus fühlt er sich zeitweise an wie eine Sänfte, mit dem Nachteil, dass er bei langen Bodenwellen nachschwingt. Da in diesem Modus vorrangig die Hinterachse angetrieben wird, kann sich bei kräftigerem Antritt auf Schneefahrbahn schon mal das Heck leicht ausbrechen – dies kann gewollt oder ungewollt passieren. Im Sport-Modus fühlt sich der G 580 deutlich straffer an und lädt damit auch zu ambitionierter Kurvenfahrt ein.

Mercedes-Benz G 580 EQ_Cockpit

Offroad ein echter G

Um abseits befestigter Straßen auch elektrisch eine echte Macht zu sein, benötigt der Mercedes-Benz G 580 EQ keinerlei mechanische Differenzialsperren. Da jedes Rad einzeln angesteuert wird, kann das erforderliche Drehmoment exakt zugeteilt und innerhalb von Sekundenbruchteilen elektronisch angepasst werden. Da das manuelle Zuschalten der Sperren nicht erforderlich ist, kann sich der Fahrer voll und ganz auf den Untergrund konzentrieren.

Zusätzliche Unterstützung im Offroad-Betrieb ist die zuschaltbare Geländeuntersetzung im Verhältnis von 2:1. Im winterlichen Test zeigt sich der G 580 EQ damit auch bei knackigen Anstiegen in tiefem Schnee völlig unbeeindruckt. Lediglich die Drehung am Stand mittels G-Turn benötigt optimalen Untergrund, der bei Nutzung im Gelände nicht immer gegeben ist. Gegenläufige Räder auf der linken und rechten Fahrzeugseite machen dieses Kunststück in beide Richtungen möglich. Für extreme Einsätze übertrifft die Wattiefe des G 580 EQ mit 85 Zentimetern jene der klassischen Brüder um 15 Zentimeter.

Mercedes-Benz G 580 EQ _Vordersitze

Traditioneller Innenraum mit digitalen Intarsien

Im Innenraum des G 580 geht es traditionell zu – hochwertige Materialien dominieren. Ist erst einmal der Hochsitz erklommen, fühlt man sich in dem komfortablen Ledersitz sehr gut aufgehoben und genießt einen herrschaftlichen Blick auf die Umgebung. Die fehlende Lenkradheizung – gibt es nur gegen Aufpreis – beeinträchtigt die ansonsten angenehme Atmosphäre bei winterlichen Temperaturen ein wenig.

Zwei jeweils 12,3 Zoll große Displays sind als Einheit formschön in das Armaturenbrett integriert. Auf der rechten Seite dominiert der G-typische Haltegriff. Zwischen den beiden zentralen Lüftungsdüsen befindet sich das sogenannte Offroad-Cockpit zur haptischen Steuerung der Offroad-Funktionen, darunter wird die Klimatisierung mit praktischen Kippschaltern eingestellt.

Wurde das Komfort-Paket im Konfigurator gewählt, lassen sich die beiden Becherhalter in der Mittelkonsole auf Wunsch temperieren – also kühlen oder beheizen. Davor befindet sich der etwas schwer zugängliche Platz für das Smartphone, das dort induktiv geladen werden kann. Touchpad und Direktwahltasten ermöglichen die Ansteuerung diverser Funktionen. Praktisch ist auch das per Knopfdruck öffnende Staufach unter der Mittelarmlehne.

Das Platzangebot fällt nur auf den vorderen Sitzen großzügig aus. Wird dieses voll ausgenutzt, geht es in der zweiten Reihe für ein Fahrzeug dieser Größe etwas eng zu. Hinter der weit aufschwingenden Hecktür wartet ein Laderaum mit 555 Litern Volumen, der sich durch Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1.990 Liter erweitern lässt. Die beim Testfahrzeug anstelle des Reserverads montierte Box dient als praktischer und schnell zugänglicher Stauraum für das Ladekabel und andere Kleinigkeiten.

Mercedes-Benz G 580 EQ_Mittelkonsole

Extremer Verbrauch trifft auf durchschnittliche Ladeleistung

Bei tief winterlichen Verhältnissen mit teilweise zweistelligen Minusgraden genehmigt sich der G 580 EQ auf Schneefahrbahn und in leichtem Gelände rund 45 kWh/100 km. Trotz des hohen Fahrzeuggewichts und der äußeren Bedingungen ist das ein extrem hoher Wert. Da ist es überraschend, dass sich bei österreichischem Autobahntempo auf der Strecke von Salzburg nach Wien und retour bei Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt kein höherer Verbrauch einstellt. Mit dem 116-kWh-Akku ergibt sich daraus eine Winterreichweite von rund 260 Kilometern.

Die Fahrt vom Bezirk Kitzbühel bis in die Bundeshauptstadt und retour ist trotzdem mit jeweils einem Ladestopp und etwas verbleibender Restreichweite möglich. Bei der Wiederbefüllung des Akkus gibt Mercedes-Benz eine maximale Ladeleistung von 200 kW an. Im Test waren es 175 kW. Damit dauert ein Ladestopp (20 bis 80 Prozent) in der Praxis rund eine halbe Stunde. Zuhause an der Wallbox vergeht für eine komplette Ladung mit für diese Fahrzeugklasse bescheidenen 11 kW fast zwölf Stunden.

Mercedes-Benz G 580 EQ_Kofferraum

Fazit

Bei keinem anderen Fahrzeug scheiden sich die Geister bei der Wahl der Antriebsform mehr als bei der G-Klasse. Daran ändern auch die nahezu gleiche Ausstattung und Optik nichts. Die einen können ohne den klassischen V8 und die damit verbundene Soundkulisse nicht leben, andere wiederum finden die nahezu lautlose Fortbewegung gerade in so einem traditionellen Fahrzeug reizvoll. Dies beweist auch die österreichische Zulassungsstatistik, die gewiss auch stark durch den hierzulande immensen NoVA-Aufschlag bei Benzinern und Dieseln dieser Größe beeinflusst ist. Laut Statistik Austria haben sich im Jahr 2025 knapp über 40 Prozent der G-Klasse-Käufer für einen elektrischen G entschieden.

Der Grundpreis des Mercedes-Benz G 580 mit EQ-Technologie liegt in Österreich bei 147.430 Euro. Mit der Mehrausstattung inklusive AMG Line und exklusiverer Innenausstattung liegt der Testwagenpreis bei knapp 180.000 Euro. Das fühlt sich fast wie ein Schnäppchen an, verglichen mit dem Mercedes-AMG G 63 mit V8 und vergleichbaren Fahrleistungen, der in Österreich bei 297.410 Euro startet. (Text und Bild: Armin Hoyer)

Mercedes-Benz G 580 EQ_Ladestation

Hinweis zum Testfahrzeug

Das Testfahrzeug wurde von Mercedes-Benz Österreich zur Verfügung gestellt. Das in Eugendorf ansässige Unternehmen ist eine 100-Prozent-Tochter der Mercedes-Benz AG und koordiniert als Generalimporteur alle Aktivitäten der Konzernmarken in Österreich.

Technische Daten


Modell Mercedes-Benz G 580 mit EQ-Technologie (2026)
Motoren 4 permanenterregte Synchronmaschinen
Leistung 432 kW / 588 PS
Drehmoment 1.164 Nm
Antrieb Allradantrieb, 2-Gang-Getriebe
Batterie (brutto) 116 kWh Lithium-Ionen
Verbrauch kombiniert (WLTP) 30,3 kWh/100 km
CO₂-Emissionen kombiniert 0 g/km
Elektrische Reichweite 250-300 km (realistisch im Winter), 434 km (WLTP)
Ladeleistung 11 kW AC / 200 kW DC
Ladedauer (AC/DC) 0–100 % in 11:46 h / 10–80 % in 32 min
Beschleunigung (0–100 km/h) 4,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h (abgeregelt)
Abmessungen (L/B/H) 4,62 m / 1,93 m / 1,99 m
Radstand 2,89 m
Wendekreis 13,6 m
Wattiefe bis 85 cm
Kofferraumvolumen 555 – 1.990 l
Leergewicht 3.085 kg
Grundpreis (AT) ab 147.430 Euro
Testwagenpreis 179.758 Euro

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Autorenfoto_Armin Hoyer.jpg

Armin Hoyer

Armin Hoyer ist seit 2025 als freier Redakteur für das AutoScout24 Magazin in Österreich tätig. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Motorjournalist und Kommunikationsexperte im Automobil- und Zweiradbereich erstellt der Wahltiroler Content für die Mobilitätsbranche. Für AutoScout24 berichtet er schwerpunktmäßig über seine Erfahrungen mit gebrauchten und neu erschienenen Elektroautos sowie Motorrädern und informiert zudem über die Highlights der wichtigsten Messen des Jahres.

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