Lotus Emira 3.5 V6 (2026) im Test: Der letzte seiner Art?

Das Wichtigste zuerst
AutoScout24-Bewertung: 7,9 von 10 Punkten.
Der Lotus Emira V6 ist ein Mittelmotor-Sportwagen mit 406 Kompressor-PS und Sechsgang-Handschaltung. Im Test begeistert er mit seiner hydraulischen Lenkung und einer geradezu unverschämten Gelassenheit in Kurven. Der Toyota-V6 klingt prächtig, fühlt sich aber weniger explosiv an, als seine Leistung es vermuten lässt. Dazu kommen ein Preis jenseits der 120.000 Euro sowie ein hoher Verbrauch.
Stärken, Schwächen, Alternativen
Was uns gefällt
Dass es so einen ungefilterten Fahrspaß noch neu zu kaufen gibt.
Was wir vermissen
Ein besseres Preis-Leistungsverhältnis.
Ideal, wenn …
… es noch einmal ein handgeschalteter Mittelmotor-Sportwagen sein soll.
Die Alternativen
Gebraucht: Porsche 718 Cayman, Alpine A110 | Neu: Corvette C8 Stingray
Stärken
- Sehr gutes Handling
- Gut klingender V6
- Wertige Verarbeitung
Schwächen
- Teuer in der Anschaffung
- Hoher Verbrauch
- Wenig Platz
Von der Lotus Elise bis zum Emira
Ein Lotus ist schon ein sagenumwobenes Konstrukt. Denkt man an die Marke, kommt einem zumindest als Autoenthusiast die Elise in den Sinn. Jenes Modell, das der damalige Firmenchef Romano Artioli zu Ehren seiner Enkelin Elisa Artioli benannt hat. Klein und spartanisch war sie, als sie 1996 debütierte. Klein und spartanisch war sie auch noch, als sie 2021 in dritter Generation ausgemustert wurde.
Die Leistung gipfelte einst in 253 PS bei einem Leergewicht von maximal 931 Kilogramm. Wahnsinn! Zur Sage gehört allerdings auch das Thema Platz: Für Menschen jenseits der Normgröße war schlicht keiner da, der Ein- und Ausstieg entsprechend beschwerlich. Das galt auch für den Evora, den etwas größeren Bruder der Elise. Beide sind mittlerweile Geschichte. Seit 2017 gehört Lotus außerdem zum chinesischen Autobauer Geely, der den Engländern eine ordentliche Finanzspritze verpasste. So kann selbst der vorerst letzte Verbrenner-Sportwagen der Marke noch am Stammsitz in Hethel gebaut werden.
Also Ring frei für den Lotus Emira, der seit 2022 alles besser machen soll.
Leichter wirds nicht mehr
Ob nun wirklich alles besser wurde, darüber werden insbesondere die Puristen unter den Lotus-Fans rege diskutieren. Denn mit rund 1,5 Tonnen Leergewicht ist der 4,41 Meter lange Emira nicht wirklich leicht. Wobei wir natürlich in einer Zeit leben, in der andere mit drei Tonnen schweren Elektro-SUVs durch die Gegend fahren. Ein solches hat übrigens auch Lotus im Programm. Der Eletre leistet bis zu 918 PS und wird demnächst auch als Plug-in-Hybrid erhältlich sein. Aber bleiben wir beim Emira...
Dessen Motoren stammen von zwei bekannten Zulieferern - Toyota und Mercedes-AMG. Mehr denn je entscheidet die Wahl des Antriebs darüber, welchen Charakter ein Auto erhält. Freilich kennen wir das Spiel mit Vier- und Sechszylindern auch von Porsche, aber der im Testwagen verbaute 3,5-Liter-V6-Kompressor mit 406 PS und der Turboaufgeladene M139-Vierzylinder mit bis zu 421 PS unterscheiden sich dann (besonders idiologisch) schon massivst.
Die richtige Motorwahl ist entscheidend
Während der Mercedes-AMG-Motor seine sportliche Bestimmung im Emira nie verleugnet, war das zugrunde liegende Toyota-Triebwerk ein Allrounder, der ohne Kompressor in Modellen wie dem RAV4 oder dem Minivan Sienna zum Einsatz kam. Das spricht gegebenenfalls für seine Zuverlässigkeit, aber nicht in erster Linie für seine Dynamik. Entsprechend übersichtlich sind die Fahrleistungen: Auf dem Papier beschleunigt der Emira in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h, in echt fühlt sich das aber deutlich zaghafter an.
Zwar klingt der 3,5-Liter-V6 mittels Zwangsbeatmung wie eine kleine SRT-Hellcat, dennoch kommt am Ende vom ganzen Lärm recht wenig auf der Straße an. Zudem hat der Kompressor die Eigenheit, ein wenig nachzulaufen - also auch dann noch Schub zu liefern, wenn man eigentlich schon längst nicht mehr auf dem Gaspedal steht. Gleichzeitig läuft der Sprit aus dem Tank nach. Mehr als 15 Liter Testverbrauch rücken den Emira in die Nähe der kürzlich getesteten Corvette Z06. Die brauchte trotz zwei Litern mehr Hubraum auch „nur“ 18 Liter auf 100 Kilometer.
V6-Kompressor und 6-Gang-Schaltgetriebe sind für Genießer, nicht für Raser
Bisweilen klingt es, als wäre der V6 im Mittelmotor-Sportwagen eine Fehlbesetzung. Doch er hat etwas zu bieten, das es mit dem Mercedes-AMG-Motor nicht mehr gibt: ein 6-Gang-Schaltgetriebe. Das ist freudvoll zu bedienen und mit seiner teilweise offenen Schaltkulisse schön anzusehen. Vor allem aber trägt es zu jenem feinen Fahrgefühl bei, das der Emira auf kurvigen Landstraßen entfaltet. Dort ist der Lotus dank seiner hervorragenden hydraulischen Lenkung in seinem Element. Der bullige 3,5-Liter-V6 liefert mit seinen 420 Newtonmetern reichlich Fahrfreude, ohne den Fahrer mit seiner Leistung zu überfordern. So lässt sich der Emira beinahe immer schnell fahren, ohne dass man mit außergewöhnlichen Mittelmotor-Zicken rechnen müsste.
Eine wichtige Wahl betrifft indes das Stahlfahrwerk. Zwei Varianten stehen zur Wahl: Tour und Sport. Man kann sich denken, für welche wir plädieren. Bei den heutigen Straßen ergibt es einfach kaum noch Sinn, sich ein bretthartes Feder-Dämpfer-Setting anzulachen. Außer natürlich, man besitzt eine Dauerkarte für die Nürburgring-Nordschleife. Für die ist auch das Bremssystem geeignet, das sich während des Tests zu keiner Zeit Schwächen leistete. Solche sind für den aufgerufenen Basispreis ohnehin Tabu. Denn der getestete Lotus Emira V6 SE Racing Line startet bei 121.500 Euro.
Im Cockpit ist der Emira auf das Wesentliche reduziert
Last but not least schauen wir auf den Innenraum. Hier gibt es ganz grundsätzlich für einen Lotus wirklich wenig zu beanstanden. Selbst mit 1,94 Metern kommt man anständig rein und, viel wichtiger, auch wieder heraus. Die Sitze passen gut, Material- und Verarbeitungsqualität sind in Ordnung. Navigation und Bedienung hingegen erinnern uns ein wenig an andere chinesische Hersteller. Etwa MG.
Fazit
Der Lotus Emira ist 2026 einer der letzten puristischen Mittelmotor-Sportwagen, die man noch neu kaufen kann. Das lassen sich die Engländer allerdings teuer bezahlen: Mit Kompressor-V6, Handschaltung und Racing Line werden schnell mehr als 120.000 Euro fällig. Dafür bekommt man einen Kurvenräuber par excellence, der mit seiner hydraulischen Lenkung begeistert und seinen Fahrer dennoch nicht überfordert. Der Toyota-V6 klingt gut, verbraucht aber gemessen an der Leistungsausbeute insgesamt zu viel. Schönfahren lässt sich der Emira also mühelos. Schönrechnen eher nicht. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Lotus Emira
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