Test BMW X3 xDrive30d: Das Multitalent

Der BMW X3 xDrive30d auf einen Blick
Stärken
- Souveräner R6-Diesel
- Sichere Straßenlage
- Hohes Sicherheitsniveau
- Gute Verarbeitung
- Leichte Bedienung
Schwächen
- Teure Anschaffung
- Ruppiges Start/Stopp-System
- Teils schwergängige Lenkung
Der Sechszylinder-Diesel bleibt ein vornehmer Begleiter
Der standesgemäße 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbo (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 7,0–6,2 l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 183–162 g/km)² leistet 286 PS und 650 Nm Drehmoment, beschleunigt das 2,1 Tonnen schwere SUV in gut 5,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h. Dabei hält sich der Selbstzünder im BMW X3 (G01) xDrive30d (ab 62.950 Euro) akustisch stets vornehm im Hintergrund, arbeitet gewohnt geschmeidig und überträgt seine Kraft über eine gut gestufte Achtgang-Automatik in Richtung des heckbetonten xDrive-Allradantriebs.
Mittlerweile ist auch die Diesel-Palette bei BMW durchwegs mild hybridisiert, was man im Testalltag fast vergessen könnte – zumindest, wenn nicht hier und da eine, dem Umschaltprozess zwischen integriertem Startergenerator und Verbrenner geschuldete, dezente Anfahrschwäche spürbar wäre. Und diese Umschaltvorgänge treten dann doch häufiger auf. Wer nun meint, einfach die Start-Stopp-Automatik deaktivieren zu können, muss den Umweg über den Sport-(Individual)-Modus gehen.
Testverbrauch um 7,5 Liter auf 100 Kilometer
Einen separaten Knopf gibt es derweil nicht mehr. BMW spart sich so bei der WLTP-Wertung ein paar Gramm wertvolles CO₂ ein, und natürlich soll auch beim späteren Kunden eine Verbrauchsreduktion spürbar sein – dann, wenn der Computer dauerhaft entscheiden kann, wann er wie den Verbrenner aktiviert oder eben nicht.
Lohn all dieser technischen Überlegungen: Ein Durchschnittsverbrauch im BMW X3 während des Testzeitraums von immerhin 7,5 Litern auf 100 Kilometer gemäß Bordcomputer. Das freilich hat immer noch wenig mit den offiziellen Verbrauchswerten zu tun. Für die im Betrieb befindliche Masse sowie die Motorgröße geht dieser Wert allerdings noch in Ordnung.
BMW X3 xDrive30d bietet eine Anhängelast von bis zu 2,4 Tonnen
Wer an dieser Stelle nach Alternativen zum archaischen Dieselmotor fragt – die Multi-Antriebs-Plattform CLAR, die BMW auch für den X3 nutzt, überlässt es einem am Ende selbst, für welche Antriebsart man sich entscheidet. Neben weiteren Dieseln, einem Plug-in-Hybrid und verschiedenen Benzinern (inklusive M-Modell) wird auch eine vollelektrische Variante des X3 angeboten.
Letztere allerdings patzt bei der Anhängelast. Statt 750 Kilogramm darf der getestete X3 xDrive30d volle 2,4 Tonnen an den Haken nehmen, was dann doch ausreichend wäre, um Boote, andere Fahrzeuge oder Baumaschinen selbst über größere Distanzen hinweg souverän zu bewegen. Für die Langstrecke geeignet präsentiert sich zudem das optionale Verstellfahrwerk. Der Freude am Fahren verpflichtet, wird aus dem X3 zwar in diesem Leben keine Sänfte mehr, übertrieben nervös oder gar hart ist das SUV jedoch ebenfalls nicht abgestimmt.
Lenkt sich schwerer als er ist
Dagegen einer Feinkritik würdig ist die Lenkung. Zwar gefällt ihre direkte, sehr präzise Art, doch auf der anderen Seite ist sie für den Alltag eine Spur zu schwergängig abgestimmt. Zusammen mit dem sehr dick geschäumten M-Volant (enthalten im M-Sportpaket) entsteht schnell der Eindruck, man würde ein viel größeres Fahrzeug lenken. Dabei ist der BMW X3 mit 4,71 Metern gerade einmal so lang wie ein aktueller 3er Touring.
Gute Qualität, leichte Bedienung
Im Innenraum des getesteten BMW X3 gibt es dagegen nichts zu meckern. Wer ordentlich Geld in die Hand nimmt (der X3 startet ab einem Preis von 53.150 Euro), bekommt auch ordentlich etwas geboten. Ob das Armaturenbrett aus Sensatec besteht oder die Sicherheitsgurte in M-Farben gehalten sind, ist zweitrangig. Wichtiger ist zu wissen, dass die bequemen Sportsitze zum Serienumfang zählen und in Reihe zwei mit die besten, weil ohne Fummelei erreichbaren, Isofix-Haltepunkte angeboten werden. Ebenfalls verstehen sie es in München weiterhin, ein modernes Auto leicht bedienbar zu halten.
Zwar fehlt dem X3 bislang noch die Produktaufwertung auf das Operating System 8, doch auch das Vorgänger-iDrive macht seine Sache weiterhin gut. Drehen, Drücken, Sprechen, Touchen und Gestikulieren versteht das System, wobei sich – anders als bei OS8 – die Handhabung mittels Dreh-/Drücksteller am einfachsten gestaltet.
Fazit
Der zum Test angetretene BMW X3 xDrive30d bleibt auch 2022 eine Empfehlung für alle, die ein SUV für die Langstrecke suchen. Der Diesel erzeugt annehmbare Verbrauchswerte, das Platzangebot ist üppig, und die Anhängelast fällt mit 2,4 Tonnen gleichermaßen hoch aus. Wer dagegen alternative Antriebe bevorzugt, kann den X3 auch als Plug-in-Hybrid- oder Elektro-Variante bestellen. Die recht schwergängige Lenkung und das insgesamt hohe Preisniveau stellen die größten Kritikpunkte am BMW X3 dar. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
Technische Daten*
- Modell: BMW X3 xDrive30d M Sportpaket
- Motor: Sechszylinder-Diesel, 2.993 ccm
- Leistung: 286 PS (210 kW) bei 4.000 U/min
- Drehmoment: 650 Nm bei 1.500-2.500 U/min
- Antrieb: Allrad, 8-Gang-Steptronic
- Verbrauch kombiniert: 7,0-6,2 l/100 km²
- CO2-Emissionen kombiniert: 183-162 g/km²
- Beschleunigung (0–100 km/h): 5,7 s
- Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h
- Abmessungen (L/B/H): 4,71 m/1,89 m/1,68 m
- Gewicht: ca. 2.100 kg
- Grundpreis BMW X3 xDrive30d: ab 62.950 Euro
*Herstellerangaben
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