VW Arteon Shooting Brake (R): Neue Noblesse aus Wolfsburg

Wer im Wörterbuch nach dem Begriff „Premium“ sucht, wird schnell fündig: beste Qualität, erstklassig oder auch hochwertig steht dann da. In der deutschen Autowelt nehmen Mercedes, Audi oder BMW das Prädikat für sich in Anspruch, wollen sich damit von der Massenware unterscheiden und die hohen Preise rechtfertigen. Jetzt will auch Volkswagen deutlicher als bisher an die Premium-Tür klopfen, dabei aber beim Preis das Nobel-Trio deutlich unterbieten.
Als sich VW in die Oberklasse traute
VW und Premium – da war doch was? Vor 18 Jahren erschien das Fünf-Meter-Schiff Phaeton, das fast alles an Bord hatte, was damals technisch angesagt war. Doch bei Preisen von 70.000 Euro bis hin zu 125.000 Euro wollten die verwöhnten Dienstwagen-Einkäufer der Chefetagen nicht mitmachen, setzten lieber weiterhin auf Mercedes S-Klasse, BMW 7er oder Audi A8. Im März 2016 zog VW die Reißleine, wollte die hohen Verluste des Prestige-Objekts auch wegen der teuren Diesel-Affäre nicht mehr stemmen. Das Aus für den Phaeton war besiegelt. In der eigens errichteten „gläsernen Manufaktur“ in Dresden kümmert man sich heute um Elektroautos
Arteon Shooting Brake mit viel Konkurrenz
Der Arteon, technisch eng mit dem Passat verwandt, wurde im gleichen Jahr 2016 vorgestellt, sollte die Lücke des Phaetons füllen und ersetzte so ganz nebenbei auch die in die Jahre gekommene Coupé-Limousine CC. Und spätestens mit dem jetzt präsentierten großen Facelift sprechen die Wolfsburger wieder vom „Premium-Anspruch“, wenn auch mehr als eine Klasse unter dem Phaeton. Den Durchbruch soll vor allem der neue Shooting Brake schaffen, als feines Familienauto für besserverdienende Mittelständler, aber auch als Begleiter von Handelsvertretern mit Platzbedarf. Als Rivalen nennt VW ganz offiziell die Touring genannten Kombis von BMW 3er und 5er, die T-Modelle der Mercedes C- und E-Klasse, aber auch den Audi A4 Avant oder den Volvo V60.
Mehr Radstand als beim Passat
Und so bläst VW mit dem Arteon Shooting Brake zur Jagd und zeigt zunächst eine schön gestaltete Außenhaut. Obwohl das langgezogene Dach gen Heck sanft abfällt und in einem Dachkantenspoiler über der Rückscheibe endet, bietet der Shooting Brake mehr Kopffreiheit für die Hinterbänkler als die Schrägheck-Limousine. Nach hinten verjüngen sich Dach und die lange Fensterfront, was für sportliche Dynamik steht und für eine elegante Stufe über den hinteren Radhäusern sorgt. Für Lademeister unter den Kunden bietet der Kombi 75 Liter mehr Fassungsvermögen als sein Brüderchen, insgesamt 1.632 Liter. Bei beiden ist die Ladefläche 2,09 Meter lang. Der Radstand des Arteon liegt bei nahezu identischer Außenlänge mit 2,84 Metern um fünf Zentimeter über dem des VW Passat.
Limousine kaum verändert, Innen digitaler
Die äußeren Veränderungen beim normalen Arteon halten sich indes in Grenzen. Am deutlichsten ist er von vorn am geänderten Tagfahrleicht zu erkennen, das jetzt die Enden der LED-Leisten in den Scheinwerfern miteinander verbindet, also quer durch den Kühlergrill verläuft. Auch die Grafik der Heckleuchten wurde überarbeitet. Völlig neu ist die Cockpit-Landschaft im Innenraum. Lenkrad mit digitalen Touchflächen, Temperaturwahl der Klimaanlage durch Wisch-Schalter, die Armaturen im 10,25 Zoll großen Display ähneln jetzt denen des neuen Golfs und können dem Geschmack des Fahrers angepasst werden. Der zentrale Monitor (9,2 Zoll) kann auch über Schaltflächen am Lenkrad bedient werden. Erstmals gibt es im Arteon zudem eine Sound-Anlage von Harman Kardon zu bestellen.
Viele Individualisierungsmöglichkeiten
Zur Veredelung des Innenraums warten in der Preisliste diverse Verlockungen. Kunstlederoberflächen mit Ziernähten, Karbonapplikationen oder beleuchtete Dekore in Armaturen- und Türverkleidungen. Insgesamt 30 Farben sind wählbar. Zudem ist der Arteon dank fest installierter SIM-Karte immer online, für Apple Car Play oder Android Auto benötigt man kein Extrakabel. Lang ist die Liste der Assistenzsysteme, neu etwa das Abstandsradar inklusive Stau- und Baustellenassistent inklusive Kurvenerkennung. Der „Travel Assist“ soll den Fahrer dabei von 0 bis 210 km/h unterstützen können.
Arteon R wird neue Top-Version
Qual der Wahl im Motorraum: Neben zahlreichen bekannten Diesel- und Benzin-Antrieben sowie einem Plug-in-Hybriden, gibt es für das Sportlerherz nunmehr den Arteon R. 235 kW/320 PS stark, serienmäßig mit Allradantrieb und 7-Gang-Direktschaltgetriebe (Seriennahe Studie, Homologation ausstehend²). Die neuen Diesel haben als technisches Highlight indes ein doppeltes Katalysator-System, das Stickoxide um bis zu 85 Prozent reduzieren soll.
Marktstart und Preise
Technisch näher ins Detail geht Volkswagen beim neuen Arteon bislang noch nicht. Die Preise sollen in Deutschland bei rund 44.000 Euro starten, der Aufpreis für den Shooting Brake liegt bei 885 Euro. Der Markstart ist für die zweite Jahreshälfte 2020 geplant. (Text: pm/sp-x, tv | Bilder: Hersteller)
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