Volkswagen: Gewinn bricht weiter ein, China bleibt das größte Problem

Volkswagen steckt weiter im Krisenmodus. Nun die nächste Hiobsbotschaft: Auch im zweiten Quartal 2026 sank der Nettogewinn. Diesmal um knapp ein Drittel. Verantwortlich sind vor allem das nochmals schlechtere China-Geschäft, internationale Handelszölle und der zunehmende Wettbewerbsdruck.

Volkswagen verdient weiterhin Milliarden und doch kehrt beim Automobilriesen aus Wolfsburg einfach keine Ruhe ein. Nach den turbulenten Diskussionen der letzten Monate um Sparprogramme, Werksschließungen und gestraffte Modellpaletten legen die Niedersachsen nun die offiziellen Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Die Bilanz fällt ernüchternd aus: Besonders das Geschäft in China entwickelt sich immer stärker zum Problem. Allerdings beweisen ausgerechnet die Töchter Škoda und Cupra, wie erfolgreich das aktuelle Modellangebot im Markt ankommt.

Das Konzernergebnis: Der Gewinn bricht um ein Drittel ein

Die Zahlen für den Zeitraum von April bis Juni 2026 sprechen eine deutliche Sprache. Das Konzernergebnis von Volkswagen sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 32,9 Prozent von ehemals 2,29 Milliarden Euro auf nunmehr 1,54 Milliarden Euro. Bereits im zweiten Quartal 2025 hatte der Konzern einen Rückgang von 36 Prozent verkraften müssen.

Hauptursache für die Delle in der Bilanz ist der weiter anhaltende Absatzschwund auf dem einstigen Wundermarkt China. Dort brach der VW-Absatz um 26 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge ein. Zuwächse in Europa und Südamerika konnten diesen Verlust nicht kompensieren. Zölle, geopolitische Spannungen und der überaus aggressive Wettbewerb im Reich der Mitte setzen dem Autobauer zu. VW-Chef Oliver Blume bringt das Problem auf den Punkt: „Unsere Produkte sind sehr beliebt, aber wir verdienen nicht genug Geld mit ihnen. Deshalb müssen wir unsere Kosten weiter senken und das über alle Kostenkategorien hinweg.“

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Aufgrund der aktuellen Entwicklung korrigiert der Konzern seine Umsatzerwartung für das Gesamtjahr 2026: Statt des ursprünglich angepeilten Wachstums von drei Prozent rechnet VW nun mit einem Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent. Die operative Gewinnmarge soll hingegen bei 4,0 bis 5,5 Prozent gehalten werden.

Škoda zeigt, wie es geht: Elektro-Rekord

Während im Konzern über Stellenstreichungen diskutiert wird, eilt die tschechische Konzerntochter Škoda von einem Rekord zum nächsten. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die weltweiten Auslieferungen um 9,1 Prozent auf 555.700 Fahrzeuge. Der Betriebsgewinn kletterte um 6,3 Prozent auf beachtliche 1,4 Milliarden Euro.

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Der Erfolgsgarant bei Škoda ist überraschenderweise die rein elektrische BEV-Sparte rund um Bestseller wie den Enyaq und den kompakten Elroq: Satte 48,3 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr gingen die Stromer vom Hof. Allerdings hat Škoda nun auch endgültig die Konsequenzen aus den drastischen Absatzeinbrüchen der letzten Jahre in China gezogen. Dort war man von 341.000 Autos im Jahr 2016 auf 15.000 in 2025 zurückgefallen und zieht sich nun bis zur Jahresmitte komplett aus dem chinesischen Markt zurück. Aber: Der radikale Schritt beschert den Tschechen nun eine befreite Bilanz.

Seat & Cupra: Der Raval zündet den E-Turbo

Auch aus Spanien kommen durchweg positive Nachrichten. Seat und Cupra verzeichnen für das erste Halbjahr 2026 ein stabiles Umsatzplus auf 7,7 Milliarden Euro und damit ein zartes Plus von 1,3 Prozent. Der Gewinn kletterte im gleichen Zeitraum allerdings deutlicher um 84 Millionen Euro auf insgesamt 122 Millionen Euro.

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Als absoluter Publikums-Liebling erweist sich dabei der neue Cupra Raval, der den Spaniern den bisher erfolgreichsten Marktstart der Marke bescherte. Die Kundenbestellungen für rein elektrische Fahrzeuge schnellten bei Cupra im zweiten Quartal um gewaltige 85 Prozent nach oben.

Ein ungewisser Ausblick

Die aktuellen Zahlen zeigen ein spannendes Bild innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Während die Kernmarke VW unter den Altlasten im schwierigen China-Markt und hohen Fertigungskosten leidet, beweisen die Töchter Škoda und Cupra mit gefragten Elektro-Modellen wie dem Elroq oder dem Cupra Raval, dass die technische Plattform stimmt.

Wenn Wolfsburg sich am Pragmatismus der Tochtermarken orientiert, stehen die Chancen gut, dass der Gesamtkonzern bald wieder ruhigerem Fahrwasser entgegensteuert. Doch der Spielraum wird kleiner. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die eingeleiteten Sparmaßnahmen und die neue Produktstrategie ausreichen, um den Konzern wieder auf einen nachhaltig profitableren Kurs zu bringen. (Text: an | Bilder: Hersteller)

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Alexander Nocker

Alexander Nocker verstärkt seit 2026 das AutoScout24 Magazin als freier Redakteur mit Fokus auf Antriebstechnologien. Er bringt langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus mit und beschäftigt sich vor allem mit neuen Technologien und aktuellen Mobilitätsthemen. Auch klassische Fahrzeuge kennt und schätzt er. Privat schlägt sein Herz für sportliche Klassiker - sein Traumwagen ist ein BMW M3 E30 Sport Evolution. Aktuell fährt er einen VW ID.3 GTX Fire & Ice.

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