Toyota GR Yaris H2: nur Wasserdampf oder doch heiße Luft?

Es scheint, als hätte der größte Autokonzern der Welt etwas gegen Batterie-elektrische Fahrzeuge. Entsprechend wollen sie mit dem Toyota GR Yaris H2 ein Zeichen setzen. Ob allerdings ein Frage- oder ein Ausrufezeichen bleibt unklar.

Mit Blick auf die weltweiten Messen, Fahrzeug-Neuvorstellungen und die globale politische Großwetterlage ist die Frage nach dem Antrieb der Zukunft recht deutlich beantwortet. Die Zukunft fährt elektrisch. Doch während praktisch alles dafür spricht, dass die kommenden Fahrzeuggenerationen Batterie-elektrisch angetrieben werden, geht Toyota einen anderen Weg.

Zwar hat man kürzlich mit dem bZ4X ein erstes Lithium-befeuertes Modell präsentiert und verspricht neben dem Kompakt-SUV eine ganze Familie an „beyond zero“-Fahrzeugen an den Start zu bringen, dennoch scheinen die Japaner keine Freunde rein elektrisch angetriebener Fahrzeuge zu sein.

Dabei sind sie bei den Hybrid-Modellen weltweit führend, haben diese Antriebsform mit dem Prius überhaupt erst salonfähig gemacht und haben mit der komplexen Orchestrierung mehrerer Antriebe im Fahrzeug nun schon über zwei Jahrzehnte Erfahrung. Elektrifizierung ist also kein Fremdwort für Toyota. Warum dann diese Zurückhaltung?

Wasserstoff als bessere Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien

Die Japaner sprechen mit Blick auf Lithium-Ionen-Batterien immer von Ressourcen. Nicht nur die Produktion verschlingt selbige, auch das stete Mitschleppen einer hunderte Kilogramm schweren Kraftquelle scheint den Ingenieuren energetisch keinen Sinn zu machen. Entsprechen proklamieren sie den Hybrid-Vorteil aus kleiner Batterie und dennoch überraschend großem elektrischen Fahranteil etwa im städtischen Betrieb.

Vor allem aber hat es den Japanern der Wasserstoff angetan: Höhere Energiedichte, kürzere Tankzeiten und vor allem weniger Energieeinsatz für die Speicherproduktion. So sieht man bei Toyota die wesentlichen Vorteile gegenüber Lithium-Ionen-Batterien. Den Wasserstoff wollen sie dabei nicht nur per Brennstoffzelle wie im Mirai nutzen.

Mit dem Toyota GR Yaris H2 (Fahrzeug steht nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend²) zeigen sie nun erstmals eine straßentaugliche Motorsport-Studie für die Direktverbrennung. Dabei wird der Wasserstoff analog wie Benzin in den Brennraum eingespritzt und zusammen mit Luft zu einem Zündgemisch angereichert. Aufwändige Umbaumaßnahmen am Motor bleiben aus, es gilt nur die Einspritzperipherie anzupassen.

Der Toyota GR Yaris H2 hat sich im Mirai-Teileregal bedient

Die komplette Tankanlage für den unter höchstem Druck stehenden Wasserstoff übernimmt der Toyota GR Yaris H2 vom Mirai. Damit sollte auch die Frage nach einer Serienfähigkeit des kleines Sport-Kompakten geklärt sein. Denn im Prinzip entspricht nichts dem Prototypen-Status.

Ob allerdings der Einsatz von teurem Wasserstoff für die Direktverbrennung sinnvoll ist muss hinterfragt werden. Aktuell entsteht er zwar als Abfallprodukt in der Petrochemie und anderen Grossprozessen, aber man kann nicht von Überfluss sprechen. Gesamtenergetisch hinkt der Toyota GR Yaris H2 im Wirkungsgrad einem Elektroauto ebenfalls deutlich hinterher.

Für Toyota zählen die Emotionen noch immer viel

Toyota geht es allerdings auch um etwas anderes. Sie sprechen von Fahrspass und akustischem wie sensorischen Eindrücken. Sie sehen den Yaris H2 nicht als Sparauto, sondern als Spassauto.

Mit dem Wasserstoff-Antrieb haben sie ihn allerdings zukunftsfähig gemacht. Denn aus dem Auspuff entweicht kein CO2. Stattdessen nur reiner Wasserdampf. Damit will man die weltweiten Grenzwerte erreichen und nicht nur auf Elektro setzen.

Ob die Wette allerdings aufgeht? Mit dem Hybrid hat Toyota schon einmal bewiesen, dass ein Sonderweg der richtige war. (Text: fm | Bilder: Hersteller)

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