Studie zu E-Auto-Erwerb: Eine Frage des Einkommens

Niedrigere Betriebskosten stehen hohen Anschaffungspreisen gegenüber. Laut ICCT profitieren vor allem Besserverdienende vom E-Auto. Sozial gerechte Fördermodelle sollen nun gegensteuern.

Für den Umstieg auf Elektroautos sprechen inzwischen zahlreiche handfeste Argumente. Neben dem lokal emissionsfreien Fahren zählen dazu häufig auch niedrigere Energie- und Wartungskosten. Dennoch bleibt der Wechsel auf den batterieelektrischen Antrieb in Deutschland vorerst eine Frage des Geldbeutels. Darauf weist der neue „ICCT-Monitor 2025: Elektromobilität und soziale Teilhabe“ des International Council on Clean Transportation (ICCT) hin.

Nachdem der Markt für Elektro-Pkw 2024 vorübergehend an Dynamik verloren hatte, zog er 2025 wieder spürbar an. Am gesamten Pkw-Bestand bleiben Stromer mit einem Anteil von 3,5 Prozent im April 2025 jedoch weiterhin klar in der Minderheit. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt verläuft der Wandel noch langsamer: Bei den Besitzumschreibungen erreichten Elektroautos im ersten Halbjahr 2025 lediglich einen Anteil von 3,2 Prozent und lagen damit deutlich unter dem Niveau der Neuzulassungen.

E-Autos weiterhin teurer als Verbrenner

Die Studie identifiziert dabei eine soziale Schieflage. Haushalte, die Fahrzeuge mit alternativen Antrieben nutzen, verfügen laut ausgewerteten DAT-Daten im Durchschnitt über ein höheres monatliches Haushaltsnettoeinkommen als Halter von Benzin- oder Dieselfahrzeugen. Ein zentrales Hemmnis bleibt der Anschaffungspreis: Der durchschnittliche Neuwagenpreis eines Elektro-Pkw lag 2024 bei 45.900 Euro. Zwar sind auch gebrauchte Elektroautos günstiger geworden, sie kosten im Schnitt aber weiterhin deutlich mehr als vergleichbare Benziner. Zudem dominieren größere und damit kostenintensivere Modelle die Neuzulassungen, wenngleich elektrische Kleinwagen langsam an Bedeutung gewinnen.

Bei den laufenden Kosten können Elektroautos hingegen punkten. Wie das ICCT zeigt, ist das Laden trotz teils stark schwankender Strompreise häufig günstiger als das Tanken eines vergleichbaren Benzinfahrzeugs. Vor allem Vielfahrer mit privater Lademöglichkeit können laut Studie mehrere tausend Euro pro Jahr gegenüber einem Benziner einsparen.

Öffentlicher Ladestrom ist durchwegs zu teuer

Gleichzeitig macht der Monitor auch Kostentreiber aus. Öffentliches Laden über Roaming-Angebote oder spontane Ad-hoc-Tarife treibt die Ausgaben für Fahrstrom nach oben. Hier zeigt sich erneut eine soziale Dimension: Wer keine private Lademöglichkeit hat, ist stärker auf teurere und oft wenig transparente Tarifmodelle angewiesen, was den Umstieg zusätzlich erschwert. Mehr Preistransparenz und faire Konditionen gelten daher als zentrale Voraussetzungen, um die Kostenvorteile der Elektromobilität breiter nutzbar zu machen.

Vor diesem Hintergrund sprechen sich die Autoren außerdem für gezielte Förderinstrumente für den Fahrzeugerwerb aus. Damit der Hochlauf der Elektromobilität nicht auf einkommensstarke Haushalte beschränkt bleibt, sollen einkommensabhängige Zuschüsse den Zugang zu neuen und gebrauchten Elektro-Pkw erleichtern. Als besonders wirksam gilt eine Fokussierung auf niedrige Einkommen und preisgünstige Fahrzeuge, etwa über eine Preisobergrenze. Als Vorbild nennt der Monitor unter anderem soziale Leasingmodelle aus dem Ausland mit niedrigen Monatsraten für Pendler und Haushalte mit unterdurchschnittlichem Einkommen.

Unterm Strich lautet die Botschaft der Studie: Damit Elektroautos ihre technischen und wirtschaftlichen Vorteile in der Breite entfalten können, muss die Antriebswende stärker als Frage der sozialen Teilhabe verstanden werden. Andernfalls droht eine wachsende Kluft zwischen frühen, finanzstarken Umsteigern und dem restlichen Markt. (Text: mh/sp-x)

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