Rolls-Royce Spectre: Der Perfekteste

Wenn innerhalb einer Woche die beiden einst luxuriösesten Automarken der Welt ihr erstes vollelektrisches Flaggschiff zeigen, dann lohnt sich ein genauer Blick. Im Falle des Rolls-Royce Spectre sieht man überraschend viel bekanntes. Und doch soll er der perfekteste Rolls aller Zeiten sein.

Rolls-Royce-Spectre-Detail

Das lautlose Phantom

Zu Beginn ist eine Einordnung nicht schlecht. Der neue Rolls-Royce Spectre (Fahrzeug steht noch nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend)² reiht sich brav in die Geschichte traditioneller Modelle ein, wenngleich man ihn in Goodwood als etwas völlig Neues und den Beginn eines Zeitenwandels sieht. In seiner Form erinnert er klar an Wraith und Phantom Coupé, beerbt allerdings nur letzteres. Mit 5,45 Metern Länge ist der Spectre ein beeindruckendes Automobil geworden, auch der Radstand ist mit 3,21 Metern ziemlich herrschaftlich geraten.

Rolls-Royce-Spectre-Side-Rear

Nicht nur der Name hat Gewicht, auch das Auto

Waren Rolls-Royce dieses Ausmaß nie Leichtgewichte, so sprengt der E-Rolls dennoch die Waage. Fast drei Tonnen bringt der Spectre mit – und das leer. Wer also nur im Besitz eines konventionellen Führerscheins ist, der darf kaum vier Personen und Reisegepäck mitnehmen. Allerdings: Das heftige Gewicht hat seinen Grund und versteckt sich diskret im Unterboden. Denn dort wartet der potenteste Elektroantrieb, den die Rolls-Royce-Muttergesellschaft BMW je in einem Nicht-M in Serie gebracht hat.

Rolls-Royce-Spectre-Side-Seats

„Architecture of Luxury“ gepaart mit BMW i7-Technik

Möglich ist das, weil die „Architecture of Luxury“, so nennt Rolls-Royce seine Plattform, auf dem großen Baukasten des BMW-Konzerns basiert. Damit kann der Spectre auf die vom neuen BMW i7 bekannte Technik zurückgreifen, wenn auch in bisher ungekannter Leistung. Aktuell sprechen die Briten von 430 kW, also 585 PS, und einem maximalen Drehmoment von 900 Newtonmetern. Damit wird der Rolls-Royce Spectre in 4,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und bis zu 250 km/h schnell sein. Seine Kraft schöpft er dabei aus einem voraussichtlich 100 kWh fassenden Akku – hier laufen aber die letzten Erprobungen noch und man wollte sich noch nicht auf eine exakte Größe festlegen. Klar ist jedoch, dass es gemäß WLTP-Einordnung etwa 520 Kilometer pro Ladung weit gehen kann.

Rolls-Royce-Spectre-Dash

Klassische „Rolls-Royce“-Tugenden bleiben erhalten

Nicht nur im Exterieur bleibt der Spectre seinem Markenkern treu, auch das Interieur erkennt jeder sofort als Rolls-Royce, der in der Vergangenheit einen Wraith oder Phantom gesehen hat. Es bleibt bei den hinten angeschlagenen Türen, Cockpit-Layout und Bedienung sind weiterhin konservativ, nur der Sternenhimmel zieht sich nun bis in die Türen und Seitentafeln. In den Starlight Doors glitzern nun 5.876 zusätzliche Sterne. Auch in Sachen Ausstattung bleibt alles beim Alten – trotz Umstieg auf den elektrischen Antrieb.

So ist das aktive Planar-Fahrwerk dank aktivem Straßenoberflächen-Scan und aktiv entkoppelbaren Stabilisatoren auf größtmöglichen Komfort ausgelegt. Rolls-Chef Torsten Müller-Ötvös drückt es so aus: „Der Spectre ist das perfekteste Produkt, das Rolls-Royce je produziert hat.“ Ein selbstbewusstes Statement, doch schon Firmengründer Sir Charles Stewart Rolls drückte sich vor 122 Jahren ähnlich aus: „Das Elektroauto ist geräuschlos und sauber. Es gibt keinen Geruch oder Vibrationen. Sie sollten sehr nützlich werden, wenn feste Ladestationen eingerichtet werden können.“

Rolls-Royce-Spectre-Front

Marktstart und Preis

Der erste strombetriebene Rolls-Royce rollt erst im Herbst 2023 lautlos zu den erlauchten Kunden. Bis dahin haben die Interessenten Zeit ihren Spectre ganz auf ihren persönlichen Geschmack zuzuschneiden. Denn der Basispreis von 379.015 Euro dürfte wahrscheinlich nie dem Endpreis entsprechen. Dafür dürften die Individualisierungsoptionen zu vielfältig sein. (Text: Fabian Mechtel | Bilder: Hersteller)

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