Renault Espace 2023 – der Van ist tot

Über mehrere Wochen hinweg hat Renault ihn in kleinen Schnipseln vorgestellt: den neuen Espace (Kraftstoffverbrauch kombinier: ab 4,7 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: ab 105 g/km)². Mehr als 30 Jahre lang war er zwischen 1984 und 2015 das Raumwunder für die Großfamilie, dann, 2015, wurde die fünfte Generation erstmals zu einer Art Crossover. Ein Mix aus Van und SUV. Dass jene Wandlung weitergehen sollte, war spätestens zu diesem Zeitpunkt mehr als wahrscheinlich und die Franzosen enttäuschten die Vorhersagen nicht. Der neue Renault Espace ist – dem Zeitgeist entsprechend – ein SUV geworden. Ein auf 4,72 Meter verlängerter Austral.
Leichter und ansehnlicher als die Vorgänger
Das hat natürlich einen entscheidenden Vorteil: Der neue Renault Espace hat optisch nichts mehr gemein mit den biederen Familienvans der 1980er- und 1990er-Jahre – er zeigt sich, nahezu aus jeder Perspektive, adrett gekleidet und ist überdies mit einem Gewicht zwischen 1,6 und 1,7 Tonnen um bis zu 215 Kilogramm leichter als sein Vorgänger. Scharf gezeichnete LED-Scheinwerfer, eine große Kühlermaske, die hochgezogene Seitenlinie und der selbstbewusste Heckabschluss künden auch von einer Art Wiedergeburt der französischen Traditionsmarke. Die, vor allem für Kunden außerhalb Frankreichs, speziellen Jahre um Modellkreationen wie Vel Satis, Avantime und Modus scheinen endgültig vorbei.
Und auch wenn wir schreiben, dass der Van tot ist, ist Renault dennoch bemüht, auf die räumlichen Vorzüge des neuen Espace hinzuweisen. Er ist ohne Aufpreis als Siebensitzer erhältlich, bietet in der zweiten Reihe eine um 220 Millimeter längs verschiebbare Rücksitzbank, die sich im Verhältnis 60 zu 40 teilen lässt. Wer es noch gemütlicher haben will, kann zudem die Rückenlehne um bis zu 31 Grad nach hinten neigen. Wenngleich die zweite Sitzreihe das komfortable Reisen auf längeren Strecken ermöglichen soll, auch im Renault Espace wirkt die dritte Reihe, nach klassischem SUV-Vorbild, eher wie eine Notbestuhlung. Das lässt auch die Kniefreiheit erahnen, die mit lediglich 128 Millimetern angegeben ist.
Viel Raum, viel Ausstattung
Viel interessanter erscheinen da schon die Lademöglichkeiten. So gibt der Hersteller ein maximales Stauvolumen von 1.818 Litern an, wobei der normal nutzbare Kofferraum bei aufgestellter zweiter Sitzreihe bei bis zu 777 Liter liegen soll. Hier der Hinweis, dass sich die Angaben auf den Fünfsitzer beziehen. Der Siebensitzer hingegen wird aufgrund der fehlenden Tiefe im Kofferraum etwas weniger Volumen bieten. Ist die volle Saalbestuhlung hochgeklappt, sollen allerdings immer noch 159 Liter zur Verfügung stehen.
In Sachen Ausstattung fährt Renault für das neue Flaggschiff natürlich alles auf, was sie so zu bieten haben. Bekannt aus dem Megane E-Tech (hier im Test) ist beispielsweise das sogenannte openR-Link-Multimediasystem. Es setzt als Betriebssystem auf Google Automotive und dementsprechend auch als Kartendienst auf Google Maps. Die Bedienung erfolgt hauptsächlich über einen vertikal montierten 12-Zoll-Touchscreen, wobei für die Klimasteuerung weiterhin echte Tasten zur Verfügung stehen. Hinter dem leicht hexagonal ausgeführten Lenkrad befindet sich indes ein 12,4 Zoll großes Kombiinstrument, das, wie das Infotainment-System, in einen schwarzen Hochglanzrahmen eingefasst ist.
Technisch aufwändiger Vollhybrid als derzeit einzige Motoroption
Abhängig von der gewählten Ausstattung (Techno, Iconic und Esprit Alpine) stehen dem Espace-Kunden folgende, teils optionale, Extras zur Verfügung: In jeder Sitzreihe zwei USB-C-Anschlüsse, eine elektrische Heckklappe, ein optionales Panorama-Glasdach mit einer Grundfläche von mehr als einem Quadratmeter sowie weitere Annehmlichkeiten in Form einer Harman-Kardon-Soundanlage, Lederpolstern sowie Sitz- und Lenkradheizung.
Mit Blick auf den Antrieb ruft sich der Renault Austral wieder in Erinnerung. Von ihm übernommen wird der E-Tech Full Hybrid 200, der, wie es die Bezeichnung vermuten lässt, eine Systemleistung von 200 PS zur Verfügung stellt. Herzstück ist ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 131 PS und 205 Newtonmeter Drehmoment, der von zwei Elektromotoren unterstützt wird. Dem Hauptaggregat mit 68 PS und 205 Nm (gespeist von einer 2 kWh großen 400-Volt-Batterie) sowie dem Hochspannungs-Startergenerator mit 25 PS und 50 Nm. Auf die Straße gebracht wird die Leistung über ein sogenanntes Multi-Mode-Getriebe, das für den elektrischen Betrieb zwei und für den für den Verbrennerbetrieb vier Fahrstufen vorsieht. Renault gibt an, dass inklusive Leerlauf, insgesamt 15 verschiedene Fahrstufen- und Antriebskombinationen möglich sind.
Geringer Verbrauch, kein Allrad
So ist das Antriebssystem in der Lage zwischen dem Betrieb im vollelektrischen Modus sowie im seriellen und parallelen Hybridmodus hin- und herzuzuhalten. Dies in Abhängig des gerade vorherrschenden Energiebedarfs, der Leistungsabgabe, des Akkuladestands und dem gewählten Fahrprogramm. Gemäß Hersteller sollen innerstädtisch rund 80 Prozent aller Wegstrecken rein elektrisch zurückgelegt werden können. Der vorläufig genannte kombinierte Kraftstoffverbrauch beträgt hingegen 4,7 Liter auf 100 Kilometer, die CO2-Emissionen sollen mindestens 105 Gramm pro Kilometer betragen.
Anders als viele Mitbewerber verzichtet Renault allerdings auf den Einsatz einer Allrad-Option. Einzig eine Allradlenkung mit dem Namen „4ControlAdvanced“ wird angeboten. Sie ist in der Lage, die Hinterräder bei langsamen Tempo um bis zu fünf Grad einzuschlagen.
Marktstart und Preis
Offizielle Preise nennt Renault für den neuen Espace noch nicht, ebenso wenig, ob noch weitere Motor-/Antriebsvarianten folgen werden. Nachdem der Austral als Vollhybrid allerdings ab rund 41.000 Euro in der deutschen Preisliste startet, ist mit einem Basispreis für den Renault Espace nicht unter 46.000 Euro zu rechnen. Marktstart soll noch im Frühjahr 2023 sein. (Text: tv | Bilder: Hersteller)
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