Mercedes EQS – Mit Vollstrom in die Oberklasse

Mit der Elektro-Limousine EQS beginnt bei Mercedes nun endgültig das Elektro-Zeitalter. Der lokal emissionsfrei fahrende Bruder der S-Klasse ist das erste Modell auf einer echten E-Plattform und soll mit seinem betont luxuriösem Charakter nicht nur die an Tesla verlorene Kundschaft zurückerobern. Die ersten Modelle werden voraussichtlich im Herbst auf die Straße rollen.
Während die bisherigen E-Autos der Marke äußerlich erkennbar auf Verbrenner-Architekturen basieren, kann der EQS mit den Design-Konventionen der traditionellen S-Klasse brechen. Statt des bewährten Drei-Box-Designs mit langer, optisch abgesetzter Motorhaube und korrespondierendem Gepäckabteil, setzt der Oberklasse-Stromer eher auf eine fließende Linie – One-Bow-Design nennt Mercedes das.
Ein Viertelquadratmeter Bildschirm
Deutliche Unterschiede zur S-Klasse finden sich auch im Innenraum. Wo diese auf große, hochauflösende Bildschirme setzt, wird das Cockpit im EQS gleich komplett zu einem gigantischen Monitor. „Hyperscreen“ nennt Mercedes den ausladenden Glasschirm, der sich von der linken zur rechten Tür zieht und eine nutzbare Fläche von rund einem Viertelquadratmeter bietet. Dort wo das Lenkrad sitzt, findet sich ein Zentralinstrument für den Fahrer, auf dem vor allem Fahrinformationen zu finden sein werden. Rechts daneben beginnen vor allem die Infotainment-Inhalte für die Mitreisenden.
Gesteuert wird die Darstellung auf den drei Bildschirmen über die neueste Ausbaustufe des 2018 eingeführten MBUX-Bediensystems. Künstliche Intelligenz soll dabei eine Überfrachtung der Bildschirmgrafik verhindern und dem Fahrer immer die passenden Funktionen anbieten. Wer etwa auf dem Nachhauseweg immer einen bestimmten Kontakt anruft, bekommt einen entsprechenden Anruf künftig an diesem Wochentag und zu dieser Uhrzeit vorgeschlagen. Wer immer die Massagefunktion aktiviert, sieht direkt nach dem Einsteigen die entsprechende Schaltfläche.
Der EQS soll auch klassischen Luxus bedienen
Der Hyperscreen ist das zentrale Innovations-Bauteil des EQS und soll bei der Kundschaft eine Art „i-Phone-Effekt“ hervorrufen. Diesen Haben-und-Nutzen-wollen-Reflex macht sich auch Tesla bei seinen Modellen zunutze, deren Bildschirme im direkten Vergleich nun gerade mickrig wirken.
Aber auch eher klassische Oberklasse-Extras sind im EQS an Bord. So schwingen die Türen beispielsweise elektrisch auf, wenn sich die Insassen nähern, die Spiegelverstellung funktioniert teilweise per Blicksteuerung und das Leselicht für die Fondpassagiere lässt sich in zahlreichen Parametern an die Vorlieben des Nutzers anpassen – bis hin zur Lichtfarbe. Automatisiertes Fahren auf Level 3 ist künftig ebenfalls möglich.
Zum Marktstart zwei Antriebe und eine Batterie
Beim Antrieb setzt Mercedes auf effiziente permanenterregte Motoren. Im vorläufigen Basismodell EQS 450+ sitzt eine 245 kW/333 PS starke Variante an der Hinterachse, beim E 580 4Matic kommt ein weiterer Antrieb an der Vorderachse hinzu, so dass insgesamt 385 kW/523 PS zur Verfügung stehen (Stromverbrauch kombiniert: 20,0-16,0 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km²).
Ihre Energie beziehen die Motoren in beiden Fällen aus einem 107,8 kWh großen Akku im Unterboden. Der EQS 450+ soll eine Reichweite von 770 Kilometern bieten, Werte für das stärkere Modell reicht Mercedes nach. Auch eine AMG-Variante mit 560 kW/761 PS ist in Planung (Fahrzeug steht noch nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend²). Die dürfte dann auch schneller fahren als die Standardmodelle mit ihren maximal 210 km/h.
Geladen wird serienmäßig über einen 11-kW-Bordlader, der für die meisten heimischen Wallboxen ausreicht. Alternativ ist ein 22-kW-Modell zu haben, mit dem die AC-Ladezeit von 10 auf 5 Stunden sinkt. Schneller geht es am DC-Lader, wo der EQS bis zu 200 kW verträgt. Im Idealfall ist der Akku dann innerhalb einer halben Stunde zu 80 Prozent gefüllt. Nach 15 Minuten wäre dann genug Strom für weitere rund 300 Kilometer Fahrt an Bord. Auf ein 800-Volt-System wie es Audi, Porsche und sogar Hyundai für potenziell noch höhere Ladeleistungen nutzen, verzichtet Mercedes zugunsten der bekannten 400-Volt-Technik.
Ohne 800-Volt-Technik, aber mit Ökostrom
Der lokal emissionsfreie Antrieb ist aber nicht alles, was den EQS zum Umweltengel machen soll. So setzt Mercedes etwa Recycling-Garn für die Bodenbeläge oder wiederverwerteten Kunststoff für die Kabelkanäle ein, die eigenen Ladestrom-Kunden werden zudem mit reinem Öko-Strom beliefert. Nicht zuletzt soll die Limousine wie auch die Batterien sowie alle anderen Pkw ab 2022 CO2-neutral produziert werden.
Preise für das elektrische Schwestermodell der S-Klasse nennt Mercedes noch nicht. Sie dürften aber mindestens auf dem Niveau des rund 100.000 Euro teuren Verwandten liegen. (Text: hh/sp-x, tv | Bilder: Hersteller)
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