Maserati MC20 Vorstellung: Der Beliebigkeit entgegen

Wenn die italienische Automarke mit dem Dreizack ein neues Modell vorstellt, dann geht das natürlich nur mit viel südländischem Brimborium. Auf dem Autodromo di Modena schickte Maserati zunächst den legendären Supersportler MC12 auf den Weg, kredenzte den handverlesenen Zuschauern ordentlich viel Schaumwein und offerierte im Anschluss eine fulminante Medienshow um das neueste Pferd im Stall, den Maserati MC20, gebührend zu feiern (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 11,6 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 262 g/km²). Die bisherigen und aktuellen Modelle der Italiener standen Spalier, als der neue Mittelmotor-Sportwagen aus der Emilia-Romagna zum ersten Mal ungetarnt das Licht der Welt erblickte.
Maserati baut wieder eigene Motoren
Es folgten ein paar warme Worte von Maserati-COO Davide Grasso, der sichtlich bemüht war, den Maserati MC20 als einen Startschuss in eine neue Ära für die Fiat-Chrysler-Tochter anzupreisen. Innovativ soll diese sein, aber auch elektrisch. Dass der MC20 (irgendwann) ebenfalls als reiner Elektrosportwagen vorfahren soll, erwähnte er indes nicht. Im Mittelpunkt stand an diesem lauen Septemberabend hingegen der 630 PS starke und von Maserati selbst entwickelte V6-Twinturbo. Seine Besonderheiten? Der „Nettuno“-Motor setzt auf viel Formel-1-Technik, hat unter anderem zwei Brennkammern sowie zwei Zündkerzen pro Zylinder und verfügt zugleich über eine doppelte Einspritzung (Direkteinspritzung mit 350 Bar, Vorkammereinspritzung mit 6 Bar). Erstmals seit über 20 Jahren wagt man damit in Modena wieder den eigenständigen Motorenbau und sagt sich langsam los vom großen Bruder Ferrari.
Starke Leistungsdaten
Beten wir noch kurz das restliche Zahlenwerk des hinterradgetriebenen Mittelmotor-Sportwagens herunter: Null auf 100 km/h in unter 2,9 Sekunden, von null auf 200 km/h in unter 8,5 Sekunden und von 100 auf null km/h in gut 33 Metern. Der Topspeed soll bei über 325 km/h liegen. Beim Gewicht geben die Italiener schlanke 1.500 Kilogramm an und da der Antrieb in der Mitte sitzt, ist vorne (50 Liter) und hinten (100 Liter) sogar ein bisschen Platz für Gepäck. Ebenfalls nicht unerheblich ist die Tatsache, dass der 3,0-Liter-V6-Twinturbo mit seinen 730 Newtonmeter Drehmoment an ein 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist. Zumindest dieses könnte auch in anderen Modellen aus dem FCA-Konzern zum Einsatz kommen. Was uns zum eigentlichen Knackpunkt des MC20 führt: Alfa Romeo.
Maserati MC20 ist eigentlich ein Alfa 4C
Denn ursprünglich war der Maserati MC20 als Alfa Romeo 4C Nachfolger geplant und sollte keinen Sechs-, sondern einen Vierzylinder tragen. Aufgrund rigider Sparmaßnahmen seitens Fiat-Chrysler durften die Kleeblätter ihren Traum vom neuen Mittelmotor-Sportwagen allerdings nicht mehr verwirklichen und mussten stattdessen Maserati den Vortritt lassen. Diese konstruierten die Carbon-Monocoque-Basis in kürzester Zeit dahingehend um, dass der neuentwickelten V6-Twinturbo verbaut werden konnte. Offenkundig scheint Maserati anschließend die Zeit für ein extravagantes und zeitgemäßes Außendesign ausgegangen zu sein. Beileibe ist der MC20 kein schlecht anzusehendes Auto, allerdings wirkt die Formensprache wie aus dem Jahr 2015, insgesamt sehr beliebig und könnte auch zu einem McLaren oder Lotus passen. Damit Fußballstars und Klatsch-Promis dem, aufgrund seines ausgeklügelten Aerodynamikkonzepts, flügellosen Maserati dennoch Beachtung schenken, gibt es immerhin auffällige Scherentüren aus grob gechipptem Carbon.
Fazit
Was bleibt von der Präsentation des über 200.000 Euro teuren Maserati MC20 in Modena zurück? Vor allem die Erkenntnis, dass der Sparkurs der neuen Stellantis-Gruppe (so der erdachte Name für den Unternehmensverbund aus der PSA-Gruppe und Fiat-Chrysler) auch nicht die einstigen Kronjuwelen Fiats, Maserati und Alfa Romeo, verschont. Alfa musste sein 4C-Projekt zugunsten des Maserati MC20 einstampfen, dessen technisch aufwändiger V6-Twinturbo in der Tat etwas Besonderes zu sein scheint. Beim Außendesign verliert man sich hingegen in Beliebigkeit und setzt keine Akzente in gewohnter Tradition altehrwürdiger Turiner Karosseriebauer. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Thomas Vogelhuber, Zaid Hamid, Hersteller)
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