Kommentar: Ferrari Luce und die Verunglückung neuer Autodesigns

Ferrari baut einen Stromer, der eher nach Playmobil als nach Maranello aussieht, Mercedes-AMG setzt auf Fischmaul und Bildschirmflut, Jaguar bricht gleich mit der ganzen Markenhistorie. Ein Kommentar über neue Luxus-Elektroautos, die um jeden Preis anders sein wollen.

Man muss kein großer Autoversteher, kein Connaisseur des fahrenden Blechs sein, um festzustellen, dass der Ferrari Luce von außen nach allem aussieht, nur nicht nach einem Ferrari. Unweigerlich erinnert er an einen Playmobil-Sportwagen.

FERRARI LUCE FRONT 3Q 16x9 RGB WEB SOCIALS (1)

Ferrari Luce: Das Playmobil aus Maranello

Der erste Stromer der Italiener wurde bereits vor einiger Zeit über das Interieur angeteasert. Da war die Welt noch in Ordnung. Denn für das Innere zeichnen schließlich Apple-Designer Sir Jony Ive und Marc Newson verantwortlich. Das wirkt stimmig, klassisch: die Anzeigen, das Layout, ein komplett reduziertes Lenkrad. Irgendwie durfte man sich danach sogar richtig auf den Ferrari Luce freuen.

Luce 38rtv4 6000x3375

Bis er nun wirklich enthüllt wurde. Pardon: "Lutschiger" und damit nichtssagender als der Luce war bisher wohl kein Ferrari in der jüngeren Vergangenheit. Viel mehr lässt sich dazu kaum schreiben. Ob die bis zu 1.050 PS, 999 Nm Drehmoment und eine 0-100-Zeit von 2,5 Sekunden noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken? Für über 550.000 Euro besteht durchaus die Gefahr eines Ladenhüters. Droht Ferrari am Ende das gleiche Schicksal wie Porsche, die sich elektrisch (zumindest vorübergehend) mehr oder weniger ins Aus manövriert haben?

Mercedes AMG GT 4

Mercedes-AMG GT 4-Türer: Große Klappe und Bildschirmflut

Gegen das Playmobil aus Maranello wirkt der neue Mercedes-AMG GT 4-Türer beinahe schon wieder ästhetisch. Klar, das große Fischmaul muss man auf sich wirken lassen. Vielleicht muss es auch nicht gleich Neongelb sein; eine gedeckte Farbe könnte helfen. Aber dennoch gilt: Schön im Sinne von schön ist auch dieses Auto nicht. Derweil setzt Mercedes, anders als Ferrari, innen auf ein Maximum an Bildschirmen.

26C0129 016

Das ist halt billig umzusetzen; Gedanken an Instrumente verschwendet da niemand mehr. Ein bisschen grafische Oberflächengestaltung hier, ein bisschen Software dort. Wenn das am Ende alles funktioniert, mag das vielleicht auch ganz fein sein. Oder man behält eben einfach seinen alten Benz.

Einen genaueren Vor-Ort-Eindruck vom neuen Monster-AMG hat Kollege Rudolf Bögel in seinem Erstkontakt zusammengefasst.

Jaguar Type 01: Die Wiedergeburt einer Marke?

Jaguar wiederum hat nicht nur mit seinem Design gebrochen, sondern direkt mit der kompletten Markenhistorie. Aus dem „Type 00“, dessen Name an ein WC-Reinigungsmittel erinnerte, wurde mittlerweile der „Type 01“, der für die Wiedergeburt von Jaguar als Elektromarke stehen soll. Designtechnisch ist auch dieses Auto einigermaßen beliebig; in der hier gezeigten Folierung erinnerte es an einen fahrenden Backstein.

TYPE01 SIDE ROLLER 16x9

Übrigens: Ähnlich schwer wie ein ganzer Haufen solcher Backsteine sind auch die drei genannten Autos. Allesamt bringen sie mehr als 2,2 Tonnen auf die Waage. Vorläufiger Spitzenreiter des Trios ist der AMG mit 2,49 Tonnen; das Gewicht des Jaguars ist allerdings noch nicht bekannt.

Jetzt könnte man meinen, dass hier drei besondere Beispiele herausgesucht wurden, die sich am Ende ohnehin nur sehr wenige leisten können. Doch das Gezeigte hat leider durchaus Abstrahlpotenzial auf andere Marken und andere Preisklassen. Es bleibt zu hoffen, dass sich möglichst wenige Designer ein Beispiel daran nehmen. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller, KI Titelbild)

Artikel teilen

vogelhuber.avif

Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat fährt er eine Mercedes-Benz S-Klasse S 450 4Matic W221.

Alle Artikel

Alle ansehen
Megane-E-Tech-elektrisch

Renault Megane E-Tech (2026): Neues Gesicht, LFP-Akku und endlich 500-Kilometer Reichweite

Renault überarbeitet den Megane E-Tech umfassend. Und das Facelift hat es in sich: Statt bloßer Kosmetik-Korrektur krempeln die Entwickler vor allem die Batterie-Technologie radikal um, spendieren deutlich mehr Reichweite und bringen künstliche Intelligenz ins Cockpit.

Mehr lesen
Renault Megane E-Tech (2026): Neues Gesicht, LFP-Akku und endlich 500-Kilometer Reichweite
2026 Audi A3 Sportback 1

Audi A3 Modellpflege (2026): Großes Digital-Upgrade mit Riesen-Display und weniger Tasten

Audi wertet den A3 technisch und digital auf. Die größte Änderung betrifft das Interieur. Ein riesiges Curved-Display zieht ein, viele echte Knöpfe fliegen raus und die Assistenzsysteme lernen das autonome Bremsen an roten Ampeln. Die A3-Modelle stehen im September ab 31.850 Euro beim Händler.

Mehr lesen
Audi A3 Modellpflege (2026): Großes Digital-Upgrade mit Riesen-Display und weniger Tasten
260619 Porsche 911 GT3 Earls Court Edition 2

Porsche 911 GT3 Earls Court 51 Edition: Dieser Elfer trägt Grün, Holz und Cord

Porsche legt zum 75-jährigen Jubiläum in Großbritannien ein besonders exklusives Sondermodell auf. Basis der Earls Court 51 Edition ist der 911 GT3 mit Touring-Paket, 4,0-Liter-Boxer und 510 PS. Lackierung und Ausstattung greifen die Geschichte des Porsche 356 auf. Gebaut werden nur 51 Exemplare.

Mehr lesen
Porsche 911 GT3 Earls Court 51 Edition: Dieser Elfer trägt Grün, Holz und Cord