Der neue Alltag im Autohaus

In diesen Tagen öffnen hierzulande wieder die Autohäuser ihre Verkaufsflächen. Die Kunden werden aber in Corona-Zeiten ganz neue Erfahrungen bei der Suche nach dem Traumauto machen – und manche dürften durchaus willkommen sein.

Nach Wochen, in denen wegen des Virus der Autoverkauf in den Hochglanzhallen der Marken komplett verboten war, geht jetzt der stationäre Handel wieder los. Doch Auto-Fans werden sich genau wie die Verkäufer an eine völlig andere Welt gewöhnen müssen - den Berater hinter Glas zum Beispiel. Viele Händler werden ihre Verkäufer nämlich so hinter Plexiglas-Wände abkapseln, wie an vielen Supermarktkassen. Ein Toyota-Händler im deutschen Rheinland etwa hat das in den vergangenen Wochen bereits geübt, als der einzig anwesende Verkäufer per Mail, Chat und Telefon mit den Kunden Kontakt gehalten hat. Von den Kollegen in der Werkstatt war er da schon durch den Rundumschutz abgeschottet – und so ist das seit Montag auch gegenüber den ersten Kunden, die sich dort ein Auto anschauen wollen.

Verkäufer hinter Plexiglas

“Wir wollen die direkten Kontakte so weit wie möglich reduzieren - und natürlich alle ohnehin gültigen Sicherheitsregeln einhalten”, so ein Sprecher der bekannt sicherheitsbewussten Japaner. Mundschutz, mindestens 1,5 Meter Abstand, häufiges Händewaschen, Husten nur in die Armbeuge… so, wie alle Deutschen das schon kennen. Aber wie funktioniert das beim innigen Auto-Kennenlernen? Erst einmal so: Alle Fahrzeuge sind verschlossen. Fasst ein Kunde sie an, wird danach kräftig desinfiziert. Selbst, wenn der Auto-Fan zuvor die überall aufgestellten Desinfektions-Spender benutzt hat.

Die neue Art der Besichtigung

Bei allen Herstellern wird der Besucher im Autohaus jetzt erst mal allein durch die Ausstellung laufen – was manchem auch ganz angenehm sein wird. Möchte ein Interessent sich aber ein Fahrzeug näher ansehen, den Kofferraum öffnen oder unter die Motorhaube schauen, muss er selbst aktiv werden. Dann ist der Gang zum Verkäufer hinter Glas oder mit Mundschutz angesagt – der den Wunschwagen wahrscheinlich erst einmal näher per Video oder 3D-Ansicht erklärt. Digital von allen Seiten, innen und außen. Das reale Modell bleibt möglichst unangetastet.

Probesitzen ja, aber...

Viele Besucher wollen aber natürlich in ihrem Lieblingsauto auch mal sitzen. Dann werden die Verkäufer jetzt häufig aus ein paar Metern Entfernung die Türen per Fernbedienung öffnen. Zusammen mit dem Kunden hineinsetzen dürfen sie sich in den meisten Bundesländern nicht; der Experte kann aber mit etwas Abstand zur geöffneten Tür das Innenleben erklären. Der Kaufinteressent sitzt am Steuer, testet Touchscreen, Lenkrad oder Tasten. Danach kommt, was kommen muss: die Desinfektionsorgie vor dem nächsten Kunden.

Die Testfahrt kommt zum Kunden

VW und Audi etwa haben dazu den Verkäufern und Serviceteams schon umfangreiche Videos zusammengestellt. Was ist alles zu reinigen, wenn der Kunde am Auto war? Noch umfangreicher wird das, wenn der potenzielle Käufer eine Probefahrt möchte: Bei einem VW-, Hyundai- und Skoda-Händler in Niedersachsen etwa wird das Auto dazu direkt zum Kunden gebracht – natürlich von einem Fahrer mit Schutzkleidung, der Sitz in Folie gepackt, das Auto vom Schlüssel übers Bordbuch bis zum Lenkrad rundum sterilisiert. Stress für den Händler ist da garantiert, damit der Probefahrer auf der anderen Seite möglichst sorgenfrei hinterm Steuer sitzen kann.

SsuebergabeAudi

Lieber sicher, als gar nicht

„Der Autokauf soll schließlich auch in Corona-Zeiten erst mal Vergnügen machen“, erklärt der Verkäufer eines deutschen Herstellers die Herausforderung. Gar nicht so einfach, wenn zum Beispiel alle Sitzecken in seinem Showroom mit roten Folien gesperrt sind, selbst der übliche Gratis-Kaffee aus Hygiene-Gründen gestrichen ist und das klassische Verkaufsgespräch höchst distanziert vonstattengeht. „Vor Corona haben wir da einen Happen aus unserem Bistro kommen lassen und auf dem Ledersofa in der Ausstattungsliste geschwelgt”, seufzt der Händler. Jetzt sitzt der Kunde in fast zwei Metern Entfernung und bekommt ein Wasser aus dem eingeschweißten Sechserpack gereicht – mit Gummihandschuhen. „Aber immer noch besser als die paar Autoübergaben, Telefonberatungen und Internet-Kontakte in den vergangenen Wochen”, so der Berater.

Hoffnung auf das restliche Jahr

Wirklich neu verkauft haben viele Händler in diesen Tagen fast nichts. Und da auch viele Zulassungsstellen zumindest tageweise geschlossen waren, konnten viele Autos auch nicht übergeben werden. Die Folge: Der Kunde hat erst einmal auch nicht überwiesen. Jetzt ist die Hoffnung groß, den Absatzrückgang aus dem ersten Quartal im Rest des Jahres einigermaßen abzumildern. In China geht es ja bereits wieder aufwärts, machen sich etwa Vertreter des Vertriebs der deutschen Premium-Hersteller Mut.

Mutmacher China

Auch dort haben die Händler den kontaktlosen Autoverkauf massiv vorangetrieben. In China haben etwa 99 Prozent der Audi-Händler wieder geöffnet – und machen vor, wie „social distancing“ geht: Die Autos werden desinfiziert, versiegelt und auf einem Laster zum Kunden vor die Haustür gebracht. „Ein Kundenberater mit Mundschutz erklärt das Auto und überreicht den hygienisch verpackten Schlüssel“, so eine Sprecherin.

Automat statt Berater

In Österreichs Handel wird wohl auch immer öfter ein Automat für die nötige Distanz sorgen; beim Werkstattbetrieb haben die Händler diese Übergabe in den vergangenen Wochen schon zur Routine gemacht. Der Kunde wird per SMS benachrichtigt, erhält einen Sicherheits-TAN-Code und bezahlt direkt am Automaten. Dann plumpst der Schlüssel aus dem Kasten – natürlich garantiert virenfrei. (Text: pw/sp-x, tv)

Artikel teilen

Jetzt neue Angebote auf AutoScout24.at entdecken

Alle Artikel

Alle ansehen
Wiener-elektro-tage-2026_titel

Wiener Elektro Tage 2026: Neuheiten-Feuerwerk am Rathausplatz

Mit über 60 ausgestellten Fahrzeugen von mehr als 20 Herstellern sowie weiteren Themen rund um die Elektromobilität bot die sechste Auflage der Wiener Elektro Tage tausenden Besuchern spannende Einblicke in die Welt der nachhaltigen Fortbewegung – darunter auch zahlreiche Österreich-Premieren.

Mehr lesen
Wiener Elektro Tage 2026: Neuheiten-Feuerwerk am Rathausplatz
092 BYD DOLPHIN G

BYD Dolphin G DM-i: Der Kleine mit dem Riesen-Akku

Plug-in-Hybride galten in Kleinwagen lange als unmöglich. Zu teuer, zu schwer, kein Platz. Doch BYD zeigt mit dem Dolphin G DM-i jetzt mit riesigen Batterien, wie die Pendler-Zukunft aussehen kann. Die Blade-Batterie bietet bis zu 105 Kilometer Reichweite. Preise nennt BYD bislang noch nicht.

Mehr lesen
BYD Dolphin G DM-i: Der Kleine mit dem Riesen-Akku
Generation 34 Front 16zu9 (002)

VW Multivan und California: Schönheits-OP für den Bulli

VW hat Multivan und California zur Beautykur geschickt. Sie erhalten eine neue Frontpartie, neue Farben, neue Räder und ein moderneres Cockpit mit 12,9-Zoll-Screen. Spannend: Bei den Motoren gibt es keine Neuerungen. Der Multivan startet bei 57.465 Euro, der California bei 66.087 Euro.

Mehr lesen
VW Multivan und California: Schönheits-OP für den Bulli