Bericht: Modularer Querbaukasten – Lego-Prinzip

Den modularen Längsbaukasten, für Modelle mit längs eingebautem Frontmotor, nutzt Audi schon seit 2007. Jetzt hat Volkswagen das Pendant für Fahrzeuge mit Quermotor vorgestellt, den modularen Querbaukasten.

Durch eine Vereinheitlichung der Kleinwagen-, Komapkt- und Mittelklasse nach dem Lego-Prinzip soll die Produktivität deutlich gesteigert werden. Bis 2018 will Volkswagen alle seine frontgetriebenen Fahrzeuge mit Quermotor auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) aufbauen, in den kommenden fünf Jahren werden 40 der 200 Modelle aus dem Konzern umgestellt. Das reduziert zum einen die Montagezeiten um bis zu 50 Prozent – auf einer Produktionslinie sollen bis 500.000 Autos pro Jahr gebaut werden –, vor allem aber auch die Kosten.

Durch die Verwendung weniger, gleicher Teile kann VW viel höhere Stückzahlen zu günstigeren Preisen einkaufen. Außerdem soll die Entwicklung deutlich schneller und flexibler werden. Erster Vertreter, der aus den neuen Lego-Steinen zusammengebaut wird, ist der kommende Audi A3, der baugleich mit dem kommenden VW Golf VII ist.

Einbaulage und Abstand zu den Pedalen ist fix

Fix definiert ist zukünftig die Einbaulage des Motors und der Abstand der Vorderachse zu den Fahrpedalen. Die Diesel- und Ottomotoren werden zukünftig um zwölf Grad nach hinten geneigt, die "heiße Seite" mit Abgasrückführung und Turbolader zeigt immer zur Spritzwand, die "kalte" Seite mit der Luftzufuhr zur Vorderseite. Der Ladeluftkühler wird für eine kompakte Bauweise und höhere Leistungsdichte fortan in das Saugrohr integriert.

Überhänge, Radstand, Spurbreite und Fahrzeughöhe können anders als bei der klassischen Plattformstrategie hingegen frei gewählt werden. Durch den MQB sollen neue Modelle circa 40 bis 60 Kilogramm leichter werden. Die Vorderräder sollen zudem ein paar Zentimeter nach vorne rutschen; das gibt den Designer neue Möglichkeiten und soll den Passagieren mehr Platz im Innenraum bringen.  

Neue Motoren für den MQB

Herzstück des MQB ist der Antriebsbaukasten mit der neuen Otto-Motorengeneration EA211 (momentan als 1.2 TSI und 1.4 TSI mit 85 bis 140 PS) und den neuen Dieseln EA288 (1.6 und 2.0 TDI, 90 bis 190 PS). Im gleichen Baukasten finden sich aber auch ein Elektroantrieb, ein Plug-In-Hybrid, sowie Erdgas-, Flüssiggas und Ethanolvarianten.

Je nach Anforderung lassen sich Motormodule wie Turbolader, Katalysator, Zylinderkopf oder Ölwanne austauschen und kombinieren. Der neu entwickelte 1.4 TSI ist außerdem der erste Vierzylinder mit Zylinderabschaltung; er kommt ab Sommer im Polo BlueGT zum Einsatz und fährt bei Bedarf als Zweizylinder

Fast nur noch Gleichteile

Mit dem MQB führt VW auch den Modularen Produktionsbaukasten (MPB) mit vier Modulfamiliem (Antrieb, Fahrwerk, Elektrik und Aufbau) ein, mit dem neben Vorder- und Hinterachse, Lenkung, Sitzgestelle, Getriebe und den erwähnten neuen Motoren auch Assistenz- und Komfortsysteme vereinheitlicht werden. So soll zum Beispiel die Vielfalt an Infotainmentsystemen – jedes neue Fahrzeuge wird einen großen Bildschirm bekommen – reduziert werden; allerdings nach wie vor mit individueller Ausprägung.

Während Audi weiterhin auf einen Dreh-Drück-Schalter setzen wird, bekommen alle anderen Marken einen Touchscreen. Dieser erkennt, wenn der Nutzer sich mit der Hand nähert und schaltet in einen speziellen Bedienmodus. So lässt sich im Normalfall etwa die gesamte Breite zur Darstellung der Navi-Karte nutzen ohne die störenden Bedienfelder einzublenden.

Potential und Risiko

Welches Potential im MQB steckt, zeigt folgendes Beispiel eindrucksvoll: Mit seiner Hilfe will VW die Anzahl der verbauten Klimaanlagen-Varianten von 102 auf 28 reduzieren. Das gesparte Geld will VW vor allem in die Demokratisierung von Innovationen stecken, vor allem bisher hochpreisige Sicherheitssysteme, wie Notbremsassistenten, sollen in günstigeren Fahrzeugklassen Einzug halten. Allerdings birgt die Vereinheitlichung auch Gefahren: Wird zukünftig etwa bei einer Klimaanlage ein Fehler entdeckt, müssen weit mehr Fahrzeuge als bisher zurückgerufen werden.

Artikel teilen

Aktuelle Angebote

Alle Artikel

Alle ansehen

Weltgrößte E-Autohersteller: Tesla rutscht weiter ab

Die beiden größten E-Autohersteller weltweit kommen aus China. VW und BMW holen auf. Tesla stürzt weiter ab.

Mehr lesen
Weltgrößte E-Autohersteller: Tesla rutscht weiter ab

Bentley Continental GT S (2026): Ein Buchstabe mehr Spaß

Bentley legt vom Continental GT Coupé und Cabriolet erneut eine sportliche S-Version auf. Die kann auf Wunsch sehr schnell, sehr weit und sogar rein elektrisch fahren.

Mehr lesen
Bentley Continental GT S (2026): Ein Buchstabe mehr Spaß

MG4 Urban (2026): Elektroauto für Sparfüchse

MG hat eine britische Identität, die Autos kommen aber aus China. So auch der neue MG4 Urban, der jetzt in Großbritannien als neues Elektro-Einstiegsmodell ab umgerechnet 27.500 Euro startet und vermutlich bald auch zu uns kommt.

Mehr lesen
MG4 Urban (2026): Elektroauto für Sparfüchse