Bericht: Mercedes A-Klasse E-Cell – Gegen den Strom

Begonnen hat alles mit einem „Memorandum of Agreement“ der kalifornischen Regierung zu Beginn der Neunziger Jahre, dass 1998 in Kraft treten sollte. Demnach hätten ab diesem Zeitpunkt nur noch diejenigen Autobauer ihre Fahrzeuge im Sonnenstaat verkaufen dürfen, die auch ein batteriebetriebenes Auto im Angebot haben.
Kalifornien ist ein wichtiger Markt, den sich Daimler freilich nicht entgehen lassen wollte, und so entwickelte man in Stuttgart die A-Klasse, die elektrisch angetrieben als Zero-Emission-Fahrzeug die Westküste entlang rollen sollte. Und: Prototypen taten dies sogar schon 1997.
Batterie im Fahrzeugboden
Im Sandwichboden der A-Klasse, die nur ob des Stauraums für die Batterien so konstruiert wurde, steckte seinerzeit noch die sogenannte Zebra-Batterie (target=undefined), ein Natrium-Nickelchlorid-Stromspeicher, der genug Energie für eine Reichweite von 200 Kilometern bereit hielt. Damit wäre die Strom-A-Klasse vollkommen praxistauglich gewesen; so wurde sie sogar in einem bereits fertiggestellten Prospekt als zeitgemäßes Alltagsauto beworben.
Soweit alle Theorie. In der Praxis hingegen sollte anders kommen. Öl- und Automobil-Lobby nämlich kippten die geplante Regelung, noch bevor sie in Kraft treten konnte – und Mercedes brachte die A-Klasse nie als Elektro-Fahrzeug auf den Markt, sondern nur mit konventionellen Dieseln und Benzinern. Ein Umstand, der den Stuttgartern übrigens noch zum Verhängnis werden sollte. Da die rund 370 Kilogramm schwere Batterie im Fahrzeugboden fehlte, lag der Schwerpunkt höher als geplant, was beim legendären Elch-Test dazu führte, dass sich der Benz auf die Seite legte. Neben einem gehörigen Image-Schaden kosteten die nötigen Nachbesserungen den Konzern rund 300 Millionen D-Mark.
Zweiter Anlauf
Die Elchtest-Schmach ist längst vergessen, und auch die Elektro-A-Klasse war lange Zeit in der Versenkung verschwunden. Bis der Druck auf die Automobilhersteller, umweltfreundliche, Ressourcen-schonendere Autos zu entwickeln, immer größer wurde; inzwischen global und nicht nur in Kalifornien. So kam es, dass Mercedes in einem zweiten Anlauf Ende 2010 eine Kleinserie, genauer gesagt 500 Stück, aufgelegt hat; basierend auf der zweiten Generation des Baby-Benz, der allerdings auch schon kurz vor der Ablösung steht. In mehreren europäischen Ländern sollen die Fahrzeuge vermietet werden, um im Alltags-Betrieb weitere Erkenntnisse zu sammeln.
Bei einer Testfahrt in Abu Dhabi, im Rahmen des World Future Energy Summit, konnten wir uns überzeugen, dass die ausgewählten Kunden wohl keinen Grund zur Klage haben. Die A-Klasse E-Cell überzeugt auf der ganzen Linie.
Neuer Akku
Aus der Zebra-Batterie wurden inzwischen Lithium-Ionen-Akkus, die unter anderem auch im Smart electric drive zum Einsatz kommen. Der Elektromotor leistet 68 PS und stellt 290 Newtonmeter Drehmoment bereit, die für flotten Antritt sorgen. Tempo 60 erreicht die A-Klasse nach 5,5 Sekunden, maximal läuft sie 150 km/h; dann wird elektronisch abgeregelt. Die Reichweite liegt wie vor fünfzehn Jahren bei rund 200 Kilometern.
Wie schon in der ersten Planungsphase sind die Stromspeicher im Fahrzeugboden untergebracht, nach wie vor können also fünf Personen mitfahren und auch der Kofferraum ist unverändert groß. Und gegenüber dem Elektro-Smart, der 2012 für knapp 30.000 Euro auf den Markt kommen soll, bietet die A-Klasse E-Cell mehr Komfort; zum einen schlicht ob der größeren Ausmaße, zum anderen ist sie auch besser geräuschgedämmt. Nur ein leises Surren dringt in den Innenraum, wenn sich der Stromer in Gang setzt.
Das laden dauert
Geladen werden kann die A-Klasse an jeder Steckdose. Mit haushaltsüblichen 230 Volt dauert es allerdings recht lange. Nach acht Stunden stehen, bei anfangs leeren Akkus, gerade mal 100 Kilometer Reichweite zur Verfügung. An Schnellladestationen wird diese Kapazität zumindest nach drei Stunden erreicht. Immerhin kann die A-Klasse mitdenken, und den Ladevorgang aktiv steuern. So kann zum Beispiel günstiger Strom nachts genutzt werden und auch die Abrechnung mit dem eigenen Stromanbieter soll problemlos von statten gehen – egal an welcher Station man lädt.
Ob das Aufladen per Kabel zukünftig allerdings überhaupt noch nötig sein wird, ist schon wieder fraglich. Die neue A-Klasse steht, zusammen mit ihrem Schwester-Modell B-Klasse, in den Startlöchern. Einen ersten Ausblick gab Mercedes bereits mit der Studie BlueZero, bei der auch von drei Antriebsarten die Rede war: mit Brennstoffzelle, rein elektrisch und mit Range-Extender.
Kein rein elektrischer Antrieb mehr?
Letztere Variante scheint, neben der Forschung an der Brennstoffzelle, nun der favorisierte Weg zu sein. Glaubt man Branchengerüchten, plant Mercedes keine rein elektrisch betriebene A-Klasse der nächsten Generation, sondern will dem E-Motor einen kleinen Benziner oder Diesel zur Verfügung stellen. Ob der nur Strom für den E-Motor erzeugen soll oder auch aktiv zum Antrieb beiträgt, ist noch ungewiss. Sicher ist aber, dass damit die Reichweite deutlich erhöht werden kann – ohne große Summen in Batteriekapazitäten investieren zu müssen. Damit könnten die Zukunfts-Autos dann auch bezahlbar werden.
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