Audi RS5 wird zum High-Performance-Hybrid: Mehr Power und deutlich mehr Gewicht

Gut 32 Jahre nach dem Audi Avant RS2 geht nun auch die Ära des RS 4 zu Ende. Vorhang auf für den neuesten Hengst im Audi-Sport-Stall: den RS 5, der mit dieser Nomenklatur noch im Frühjahr 2026 erstmals als Avant (ab 107.850 Euro) und als Limousine (ab 106.200 Euro) bestellbar sein wird.
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Der Audi RS 5 (B10) folgt auf den RS 4 (B9)
Ein weiteres Novum markiert die umfassende Elektrifizierung eines serienzugelassenen Modells der Audi Sport GmbH: Der RS 5 geht als erster Plug-in-Hybrid-Sportler in die Markengeschichte ein. 639 PS Systemleistung treffen auf ein maximales Drehmoment von 825 Newtonmetern, die rein elektrische Reichweite gibt der Hersteller mit bis zu 87 Kilometern an.
Damit ist auch klar, von wem der RS 5 die Elektrokomponenten geerbt hat: Denn die brutto 25,9 kWh große Batterie (nutzbar ca. 20,7 kWh) ist aus dem regulären Audi A5 e-hybrid bekannt. Übernommen hat der RS 5 damit auch die Ladeschwäche anderer Modelle auf der neuen Premium Platform Combustion (PPC). Denn anders als die Plug-in-Hybrid-Audis auf der bewährten MQB-Plattform lässt sich der RS 5 dreiphasig mit maximal 11 kW AC laden. Die Ladegeschwindigkeit reicht laut Werk, damit Avant und Limousine in etwa 2,5 Stunden wieder voll im Saft stehen.
Die Betriebsstrategie des 400-Volt-Batteriesystems sieht derweil vor, dass der RS 5 in den Fahrmodi „RS sport“ und „RS torque rear“ einen Ladezustand (SoC) von rund 90 Prozent anpeilt. Laut Audi soll dadurch sichergestellt werden, dass jederzeit die volle elektrische Performance abrufbar ist. Ein Unterschreiten dieser Marke führt jedoch nicht automatisch zu Leistungseinbußen - das System arbeitet vielmehr kontinuierlich darauf hin, die 90 Prozent möglichst schnell wieder zu erreichen.
Weiterentwickelter 2,9-Liter-V6 trifft auf potente E-Maschine
Anders als ein gewisser Mitbewerber aus Affalterbach verzichtet Audi vorerst auf exzessives Downsizing in der sportiven Mittelklasse. Hauptaggregat bleibt auch im RS4-Nachfolger der 2,9-Liter-V6-Biturbo (EA839), der laut Audi allerdings tiefgreifend weiterentwickelt wurde. Unter anderem setzt man nun auf das Miller-Brennverfahren, die VTG-Turbos arbeiten mit höherem Ladedruck, und auch die Luftzufuhr wurde optimiert.
Für sich genommen leistet der Benziner maximal 530 PS und 600 Nm Drehmoment - das sind im Vergleich zum letzten RS 4 Sondermodell als "Edition 25 Years“ immerhin 60 PS mehr. Für den zusätzlichen Punch sorgt derweil die im 8-Gang-Wandlergetriebe untergebrachte E-Maschine. Sie leistet maximal 130 kW / 177 PS und 460 Nm und soll nicht nur helfen, die Systemleistung zu erhöhen, sondern auch für ein noch spontaneres Ansprechverhalten der Antriebseinheit sorgen.
Wie vehement das neue Antriebsduo anschiebt, soll auch der Wert für die 0-100-km/h-Beschleunigung belegen, der für den RS 5 Avant und die Limousine mit 3,6 Sekunden angegeben wird. Das allerdings sind gerade einmal 0,3 Sekunden weniger als der letzte RS 4 mit dem optionalen Competition Paket zu bieten hatte. Auch ein BMW M3 Competition Touring mit M xDrive erreicht diese Zeit - obwohl er lediglich auf einen 3,0-Liter-Reihensechszylinder ohne Elektrounterstützung setzt.
Doch es kommt im wahrsten Sinne noch dicker: Der neue RS 5 Avant wiegt 2.370 Kilogramm, die Limousine ist mit 2.355 Kilogramm nur unwesentlich leichter. Zum Vergleich: Der RS 4 Avant B9 ohne Hybrid-Technik wog weniger als 1.900 Kilogramm.
Der Audi RS 5 Avant im technischen Vergleich zu seinen Mitbewerbern:
| Technische Daten | Audi RS 5 Avant | Audi RS 4 Avant mit Competition Paket | BMW M3 Competition Touring M xDrive | Mercedes-AMG C 63 S E Performance T-Modell |
|---|---|---|---|---|
| Motor | 2.9-L-V6-Biturbo + E-Antrieb | 2.9-L-V6-Biturbo | 3.0-L-R6-Biturbo | 2.0-L-R4-Turbo + E-Antrieb |
| Systemleistung | 470 kW (639 PS) | 331 kW (450 PS) | 390 kW (530 PS) | 500 kW (680 PS) System |
| Systemdrehmoment | 825 Nm | 600 Nm | 650 Nm | 1.020 Nm |
| Antriebsart | Allrad (quattro) | Allrad (quattro) | Allrad (xDrive) | Allrad (4matic+) |
| Getriebe | 8-Gang Tiptronic | 8-Gang Tiptronic | 8-Gang Steptronic | AMG Speedshift MCT 9G |
| 0–100 km/h | 3,6 s | 3,9 s | 3,6 s | 3,4 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 / 285 km/h | 290 km/h | 250 / 280 km/h | 250 / 280 km/h |
| Leergewicht | 2.370 kg | 1.830 kg | 1.940 kg | 2.190 kg |
| Preis (DE) | ab 107.850 Euro | zuletzt ab 95.375 Euro (inkl. RS competition) | ab 108.900 Euro | ab 117.257 Euro |
Mehr Torque Vectoring, mehr Technik, mehr Masse
Dafür will Audi erneut den Allradantrieb revolutioniert haben und bietet im RS 5 erstmals einen „quattro mit Dynamic Torque Control“ an. Dieser verteilt die Antriebskraft je nach Fahrsituation nahezu stufenlos zwischen den beiden Hinterrädern. Ein zentraler Fahrdynamikregler berechnet dafür alle fünf Millisekunden das optimale Differenzdrehmoment und lässt es durch das elektromechanische Torque-Vectoring-System unmittelbar umsetzen. Im Zusammenspiel mit einem weiterentwickelten, selbst sperrenden Mittendifferenzial soll die Agilität und damit der Fahrspaß noch weiter steigen.
Audi selbst spricht sogar davon, dass man mit dem RS 5 sehr gut driften können soll, und gibt im "RS torque rear" Fahrmodus die maximale Momentenverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse mit 15 zu 85 Prozent an. Im Normalfall soll der RS 5 seine Antriebskraft dagegen im frontlastigen Grundverhältnis von 70 zu 30 Prozent verteilen.
Fahrwerksseitig vertraut Audi auf das im VW-Konzern mittlerweile weit verbreitete 2-Ventil-Dämpfersystem in einer RS-spezifischen Abstimmung. Mindestens 20 Zoll große Räder sorgen für einen sportlichen Auftritt und bieten Raum für mindestens 420 Millimeter große Bremsscheiben vorn sowie 400-Millimeter-Scheiben an der Hinterachse. Damit macht der RS 5 sogar dem Bentley Continental GT Konkurrenz. Optional gibt es 21-Zoll-Felgen mit einer RS-Keramikbremse. Dann messen die Scheiben sogar massive 440 Millimeter vorn und 410 Millimeter an der Hinterachse.
Erster Eindruck im Studio inklusive Sitzprobe
Neben den technischen Finessen spielt selbstverständlich auch die optische Präsenz des neuen RS-Modells eine entscheidende Rolle. Bereits im Vorfeld hatten wir die Gelegenheit, den RS 5 Avant im Fotostudio aus nächster Nähe zu betrachten und auch im Innenraum einen intensiven Eindruck zu gewinnen.
Und hier lässt sich vor allem eins festhalten: Optisch ist der neue RS 5 eine Macht!
Der Frontgrill mit den extragroßen und dreidimensionalen Waben wirkt gierig, so als ob der die Straße aufsaugen wollte. Optisch ist er mit den riesigen Air-Curtains verbunden und zieht so den RS noch mehr in die Breite. Die Karosserie legt aber auch tatsächlich im Vergleich zum A5-Serienmodell auf jeder Seite um heftige 44 Millimeter zu. Ein absoluter Hingucker sind die Frontkotflügel mit den mächtigen Luftauslässen hinter den Radhäusern. Die kraftvolle Schulterpartie ist laut den Designern erneut eine Hommage an den Ur-Quattro.
Auch das Heck des RS 5 strotz nur so vor Potenz. Das liegt vor allem an den nochmals größer gewordenen ovalen und mattschwarzen Endrohren der neu entwickelten RS-Abgasanlage. Sie sind optischer Bestandteil des schwarz glänzenden Diffusors, der von der Aerodynamik her noch mal verbessert wurde.
Kleiner Kritikpunkt: Die Endrohrblenden sind leider weiterhin Fake, schließen also nicht an die eigentliche Abgasanlage an. In der Mitte der Heckblende haben die Designer derweil eine vertikale Finne mit roten Reflektoren platziert - ein lässiges Finish. Ein anderes witziges Detail befindet sich unter der Motorhaube. Auch die Abdeckung der 2,9-Liter-Maschine hat Audi optisch mit verschiedenen roten Stilelementen aufgewertet.
Das Interieur des Audi RS 5 zeigt sich aufgewertet
Beim Interieur des RS 5 Avant merkt man: Audi hat sich die Kritik an der mangelnden Qualität zu Herzen genommen. Viele Flächen sind mit Kunst- oder wahlweise Echtleder bezogen. Das zu fast 50 Prozent aus Polyester-Resten bestehende „Dinamica“ findet sich am Kniepad, an den Schalttafeln sowie an den Armauflagen in den Türen und auf der Mittelkonsole.
Die Kontrastnähte zitieren die jeweilige Außenfarbe. In diesem Fall ist es die Metallic-Lackierung „Progressiv-Rot“, die dem RS 5 gut steht. Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht, auf Wunsch auch mit perforiertem Nappa-Leder überzogen. Zunächst bei A5 und Q5 eingeführt, gibt es am Volant wieder echte Drehwalzen: links, um durch das Menü des Virtual Cockpits zu scrollen, und rechts, um die Lautstärke zu verändern. Nicht fehlen dürfen die farbige 12-Uhr-Markierung - und der rote Knopf für den RS-Modus.
Er hat auf der linken Seite einen Zwilling. Der ebenfalls knallrote Boost-Knopf setzt nach dem Betätigen die maximale Power von 639 System-PS frei. Zum Überholen - oder auch zum Angeben. Darüber hinaus gibt es noch ein paar wenige Tasten zur Aktivierung der Sprachsteuerung oder der Lenkradheizung.
Erste Einschätzung
Audi hat es vermieden, die Fehler von Mercedes-AMG zu wiederholen. Downsizing ist in gewissen Fahrzeugsegmenten einfach "out" - oder war noch nie wirklich "in". Wer das Geld für einen Sportler wie den RS 5 hat, will auch weiterhin eine prestigeträchtige Anzahl an Zylindern unter der Motorhaube wissen. Wie sich die 639 System-PS auf der Straße anfühlen, können wir derzeit nur erahnen. Optisch dagegen setzt der RS 5 ein starkes Ausrufezeichen. Die Zeiten dezenter RS-Modelle sind damit endgültig vorbei. Die Zeiten schwacher Materialqualität in Audi-Innenräumen hoffentlich auch. (Text: tv, rdf | Bilder: Hersteller)
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