Test: VW Touareg V6 TDI – Alleskönner

In der zweiten Generation hat der Bruder des Porsche Cayenne kräftig abgespeckt, was man allerdings nicht wirklich merkt. Der große Wolfsburger wirkt wie aus dem Vollen geschnitzt, hochgradig solide, top verarbeitet und edel ausstaffiert. Wer den Touareg mit der 262 PS-starken V6-Maschine einmal mit allem ordert, liegt preislich deutlich näher an 80.000 Euro als an den 55.625 Euro, für die es dieses Fahrzeug ohne Extras gibt.
Einmal mit allem
Im Falle des Testwagens war auch das Geländepaket Terrain Tech (2.000 Euro) an Bord, das man allerdings auf Feld- und Waldwegen nicht wirklich braucht. Die bewältigt der Wolfsburger ohne Probleme auch mit seinem normalen Allradantrieb. Aber es ist schön zu wissen, dass man auch in abwegigem Gelände nicht zu Fuß gehen müsste.
Im zivilen Onroad-Einsatz entpuppt sich der Touareg als das, wofür man ihn üblicherweise wohl ordert: als großer Kombiersatz mit erhöhter Sitzposition für Familienväter und Mütter, die sich die Mühsal des tiefen Ein- und Ausstiegs ersparen wollen. Wobei vor allem kleine Menschen weiblichen Geschlechts, wenn sie denn im Stadium wachsender Gebrechlichkeit angekommen sind, nicht ganz leicht ins Auto klettern können.
Das liegt allerdings weniger an VW als an der naturgegebenen Bewegungsschwäche handelsüblicher Groß- und Urgroßmütter, die zu transportieren wir uns zwischenzeitlich angeboten hatten. Einmal platziert staunten die älteren Damen allerdings über den Komfort des Fahrzeugs. Bequeme, langstreckentaugliche Sessel, beheizt und belüftet, dazu eine harmonische Federung und wenig Fahrgeräusche: Das können sie in Wolfsburg.
Entspannt gut
Und noch etwas können sie dort: Understatement. Der Touareg macht, typisch VW, wenig Aufhebens um sein Äußeres und sieht gerade deshalb entspannt gut aus. Wer ihn wählt, hat sich alternativ höchsten die Mercedes M-Klasse angeschaut und dann den Wolfsburger Sechszylinder statt des ungefähr gleich teuren Stuttgarter Vierzylinders in der Basisversion genommen. Er braucht weder die dicken Muskeln eines BMW X5, noch die großen Lufteinlässe eines Cayenne.
Im Interieur verzichtet der Touareg, anders als sein Konzernbruder, auf eine überbordende Anzahl von Knöpfen auf der Mittelkonsole. Vieles wird über die Lenkradbedienung geregelt, manches über den Touchscreen. Die Bedienung ist meistens, aber nicht immer leicht nachvollziehbar. Die Sprachsteuerung funktioniert, allerdings nicht so gut wie sie könnte. Folgt man der Aufforderung, Ort, Straße und Hausnummer in einem Rutsch einzugeben, kommt selten das gewünschte Ziel heraus. Nacheinander und etwas langsamer, also Befehl nach Befehl, klappt es deutlich besser.
Kleine, ungewohnte Schwächen offenbart auch die Rückfahrkamera. Während bei Golf und Passat die Kamera im Emblem steckt und mit Einlegen des Rückwärtsganges ausklappt wird, sitzt sie im Touareg an der Griffmulde der Heckklappe und sieht nach jeder Regenfahrt und jedem Ausflug ins Gelände nichts mehr oder jedenfalls nur noch so wenig, dass daraus keine Rückschlüsse über die Situation hinter dem Auto gezogen werden könnten.
Er kann schnell
Dynamisch gibt sich der Touareg ähnlich unaufgeregt wie im Aussehen. Er kann schnell, wenn es schnell gehen soll. Auch oberhalb von 180 km/h sind noch Reserven spürbar. Dazu klingt der V6 dezent knurrig, wenn er sich überhaupt akustisch zu Wort meldet. Bei Bedarf läuft er mit 225 km/h über die Autobahn. Die Achtgangautomatik schaltet schnell und unauffällig. Wer keine Rennen fahren will, und dazu ist diese Gattung Auto eigentlich nicht vorgesehen, dürfte nichts zu meckern haben und auch nicht mehr Leistung als die immerhin 262 PS benötigen. Die 580 Newtonmeter Drehmoment, die der Dreiliter ab 1.750 Umdrehungen bereitstellt, tragen zum lässig kräftigen Gesamteindruck nachdrücklich bei.
Leichte Abzüge gibt es dafür beim Spritverbrauch. Die theoretischen 6,6 Liter Diesel (174 Gramm CO2) sind im Alltag völlige Utopie. Wir erreichten bei sehr gelassener Autobahnfahrt und strikter Beachtung der Richtgeschwindigkeit bestenfalls Werte um 8,5 Liter, im Schnitt waren es 10,5 Liter. Das ist zwar absolut gesehen in Ordnung für ein so großes und teures Fahrzeug, aber eben doch deutlich mehr als die Prüfstandwerte vorgaukeln. Da aber Sechszylinder in anderen großen SUV auch mehr brauchen, ist der Durst wohl kein Kaufhindernis.
Guter Kombi-Ersatz
Als Kombi-Vertreter macht der Touareg zu guter Letzt beim Laden eine ziemlich gute Figur. 697 Liter fasst das glattflächige und mehr als einen Meter breite Abteil. 1.642 sind es, wenn man die hinteren Sitzlehnen auf Knopfdruck umklappt. Ausklappbare Haken und praktische Gummibänder an den Seiten helfen Einkäufe zu verstauen. Praktisch sind sie schon, die großen SUV, und der Touareg ist unter ihnen nicht die schlechteste Wahl. (mg/sp-x)
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