VW T-Roc Cabriolet im Test: Was kann der Golf Cabrio Nachfolger?

Nischenprodukte sind groß in Mode. Ganz besonders in der Autoindustrie. Sie verkaufen sich auch ganz gut, vor allem wenn man an die mittlerweile zahlreichen SUV-Coupés denkt. Andererseits: Land Rover hat die von ihnen prominent besetzte Nische eines SUV-Cabrios mit dem Entfall des offenen Evoque schon nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Eine Chance also für Volkswagen?
T-Roc Cabrio setzt auf Golf-Verdeck
So muss man offensichtlich gedacht haben, als man das VW T-Roc Cabrio ersonnen hat. Wer nun wirklich bei den Wolfsburgern die Idee hatte, werden wir wohl nie erfahren. Fest steht: Der norddeutsche Autobauer wird nicht viel Geld verlieren, wenn sich das T-Roc Cabrio ebenfalls als schwer verkäuflich herausstellen sollte. Warum? Zum einen ist der MQB-Baukasten dafür ausgelegt, möglichst günstig, möglichst viele unterschiedliche Modelle zu beherbergen. Zum anderen sparte man sich die Entwicklungsarbeit für ein gänzlich neues Stoffverdeck und verwendete im Grunde nach jene Einheit, die bereits beim Golf 6 Cabrio bis 2016 zum Einsatz kam.
Im Inneren eine teure Plastikwüste
Das Minimalprinzip findet im T-Roc weiterhin im Innenraum Anwendung: Hartplastik wohin man schaut, gleichzeitig scheut man bei VW nicht vor viel manueller Technik zurück. Klimaautomatik, Keyless Access oder einen digitalen Instrumenteneinsatz? Alles lieferbar. Kostet halt extra. Das wäre kein Problem, würde unser Testwagen ohne diese Ausstattung in Deutschland nicht schon über 43.000 Euro kosten.
Köpfe, die im Wind wehen
Und so holt sich Volkswagen sein Geld schon irgendwie rein, wobei im Innenraum des T-Rocs, zugegebenermaßen, nicht alles schlecht ist. Die gut passenden R-Line-Ledersitze und das Sportvolant sind ordentlich gearbeitet und sorgen immerhin ansatzweise für Premiumflair. Platz ist vorne wie im normalen Fünftürer, hinten sitzen geht hingegen kaum. Dafür hält das optionale (!) Windschott die Zugluft draußen, zumindest wenn man unter 1,85 Meter groß ist. Darüber stört die insgesamt zu hohe Sitzposition und lässt das Haupt immerwährend im Wind wehen.
Unauffällig: der 1.5 TSI des T-Roc
Gemessene 10 Sekunden benötigt die Stoffmütze derweil zum Öffnen - gut 12 Sekunden zum Schließen. Klappt auch beim Fahren, aber nicht bis zu den mittlerweile üblichen 50, sondern nur bis 30 km/h. Das Minimalprinzip lässt grüßen. Unter der schweren, nicht liftbaren, Motorhaube unseres Testwagens arbeitet ein mittlerweile bekannter und durchaus geschätzter 1.5 TSI Vierzylinder-Turbo samt Ottopartikelfilter mit 110 kW/150 PS und 250 Newtonmeter Drehmoment (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,5 l/100km; CO2-Emissionen kombiniert: 126 g/km²). Er verrichtet seinen Dienst überwiegend unauffällig, hat genügend Leistung, kämpft aber immer wieder mit dem Unwillen der 7-Gang-DSG-Box.
Läuft auch auf zwei Zylindern
So bleibt es bei der DSG-typisch nervigen Anfahrschwäche und manch Gangwechsel wirkt zudem etwas arg unmotiviert und treibt den Vierzylinder ungewollt in viel zu hohe Drehzahlen. Letztendlich reicht die Motor-Getriebe-Kombination aber zum entspannen Dahincruisen und für vorausschauende Überholmanöver. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: 0-100 km/h in 9,5 Sekunden, 205 km/h maximal. Den Verbrauch senkt neben einer Start-Stopp-Automatik eine Freilauffunktion sowie der teilweise Betrieb im 2-Zylinder-Modus, dessen Aktivierung man meist nur über das monochrome Fahrerinformationsystem wahrnimmt. Nach einer Woche im T-Roc Cabrio rekapituliert der Bordcomputer indes einen Testverbrauch von 8,5 Liter auf 100 Kilometer.
Und dann klappst du die Stoffmütze nach hinten...
Hört sich bisher alles sehr durchwachsen an? Ist es bisweilen auch. Und dann holst du das VW T-Roc Cabriolet am Wochenende aus der Tiefgarage, klappst die Stoffmütze nach hinten und erfreust dich an leeren Straßen und eitel Sonnenschein. Denn insgesamt schlecht fahren tut der indirekte Nachfolger des VW Kübelwagens nicht, rollt dank adaptiv geregeltem Fahrwerk kommod über Landstraßen und ermöglicht auf der Sportstellung durchaus agile Momente. Natürlich fehlt es der elektrischen Lenkung VW-typisch etwas an Rückmeldung. Und natürlich lassen sich die Fahrstabilitätsprogramme nicht gänzlich deaktivieren. Ist aber egal, denn für die schnelle Gangart sind andere Autos da.
Kleiner Kofferraum, schwere Türen
Das war bei den Golf Cabrios nie anders, konnte man also erahnen. Weniger erahnen lassen sich hingegen die alltäglichen Hürden im T-Roc Cabrio. Einkaufengehen zum Beispiel. Die Ladekante ist hoch, die Kofferraumluke schmal und der Gepäckraum ziemlich klein. Nur 280 Liter finden hinter den immerhin umklappbaren Rücksitzen Platz – weniger als in einem VW Polo (351 Liter). Und dann wären da noch die wohl schwersten Türen eines Cabrios seit es das Rolls Royce Dawn Cabriolet gibt. Letzteres verfügt immerhin über eine elektrische Schließung per Knopfdruck, beim T-Roc ist hingegen Muskelkraft gefragt.
Mageres Infotainment, kleinteilige Optionsliste
Infotainment bietet der kleine Bruder des Tiguan natürlich auch. Zumindest in seiner einfachsten Form. So wirkt das einzig verfügbare Navi „Discover Media“ ungefähr so angestaubt, wie es die niedrig aufgelöste Rückfahrkamera in jedem Fall ist. Dass selbst für eine Sprachbedienung noch extra Geld verlangt wird, passt da leider nur ins Bild. Freilich: Ans Ziel kommen und den richtigen Radiosender einstellen lässt sich auch mit diesem System. Gemessen am Preis sind viele Konkurrenten aber mittlerweile deutlich weiter. Zum Laden eines Smartphones bedarf es zudem meist einen Adapter, hat VW auch im T-Roc seine USB-C-Doktrien durchgezogen. Einen wichtigen Haken sollte man beim Bestellen indes nicht vergessen zu setzen: Den einen für die LED-Scheinwerfer – sonst fährt der T-Roc nämlich noch mit mittelalterlicher Halogen-Technik vor.
Fazit
Das VW T-Roc Cabriolet hinterlässt am Ende gemischte Gefühle. Das liegt auf der einen Seite an der straffen Preispolitik mit vielen teuren Extras, gepaart mit einer sehr einfachen Materialqualität im Innenraum. Auf der anderen Seite fährt sich der bemützte T-Roc wie man sich das von einem Cabrio wünscht: Vordergründig komfortabel, sehr sicher und natürlich oben offen. Doch hat Cabriofahren auch immer etwas mit Emotionen zu tun. Emotionen, die das T-Roc Cabriolet zumindest bei uns nicht wecken konnte. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
Technische Daten*
- Modell: Volkswagen T-Roc R-Line 1.5 TSI DSG
- Motor: Vierzylinder-Ottomotor, 1.498 cm³
- Leistung: 150 PS (110 kW) bei 5.000 U/min
- Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 U/min
- Antrieb: Frontantrieb, 7-Gang-DSG
- Verbrauch kombiniert: 5,5 l/100 km²
- CO2-Emissionen kombiniert: 126 g/km²
- Beschleunigung (0 – 100 km/h): 9,5 s
- Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
- Abmessungen (L/B/H): 4,27 m/1,81 m/1,52 m
- Gewicht: ca. 1.600 kg
- Grundpreis VW T-Roc AT: ab 31.190,00 Euro
*Herstellerangaben
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