Gebrauchtwagentest: VW Beetle – Haltbarer Retro-Käfer

Im Vergleich zum Vorgänger, dem von 1998 bis 2010 gebauten New Beetle, ist sein Nachfolger dank mit seiner soliden Substanz eine echte Gebrauchtempfehlung. Neben der Zuverlässigkeit ist selbst bei betagteren Exemplaren allerdings auch der Preis hoch. Hatte der New Beetle noch ein drolliges, fast comicartiges Design, bietet der 2011 eingeführte Nachfolger eine maskuline, sportliche Aura, die zwar unverkennbar dem Ur-Käfer huldigt, ohne jedoch kurios zu wirken. Wie schon beim Vorgänger handelt es sich technisch um ein Golf-Derivat, das, grundsätzlich zweitürig, einen allerdings weniger praktischen Innenraum als sein Organspender bietet. Für ein Coupé ist das Platzangebot hingegen gut, denn im Fond des Beetle können sogar Erwachsene mitreisen. Der Kofferraum bietet zudem Platz für 310 bis 905 Liter Gepäck. Beim Cabriolet fällt das Stauvolumen kleiner aus, dafür wird der Oben-ohne-Käfer mit seinem vollelektrischen Stoffdach dem Anspruch als Lifestyle-Automobil in ganz besonderer Weise gerecht.
Der Innenraum des Beetle ist überdies sehr schick. Die gute Stube bietet edle Materialien, solide Sitze und diverse Annehmlichkeiten der VW-Welt. Und mit den Qualitätsdefiziten des Vorgängers hat das kompakte Kultmobil offensichtlich nicht mehr zu kämpfen. Wer allerdings besonders kritisch schaut, könnte auch hier im Detail noch auf Hinweise einer laxeren Verarbeitungskultur in seiner Produktionsheimat Mexiko stoßen.
Gehobenes Fahrspaßniveau
Von sparsam bis sportlich – der Beetle bietet ein variantenreiches Antriebsportfolio. Insgesamt wurden bisher drei Benziner in sechs Leistungsstufen angeboten. Völlig ausreichend und zudem genügsam ist der stets 77 kW/105 PS starke 1.2 TSI. Wem das nicht reicht, sollte nach dem 1.4 TSI Ausschau halten, der zunächst mit 118 kW/160 PS und ab Modelljahr 2015 mit 110 kW/150 PS angeboten wurde. Richtig zackig ist der Beetle mit dem aus dem Golf GTI bekannten 2.0 TSI unterwegs, der zunächst mit 147 kW/200 PS, dann mit 155 kW/210PS und seit Modelljahr 2015 sogar mit 162 kW/220 PS (Sprintzeit 6,7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 233 km/h) reichlich Druck macht. Den bieten auch die drehmomentstarken Diesel. Hier gibt es den 1.6 TDI mit 77 kW/105 PS sowie den 2.0 TDI mit 81 kW/110 PS, 103 KW/140 PS und seit Modelljahr 2015 mit 110 kW/150 PS. Standardmäßig haben alle Motoren manuelle Getriebe mit fünf oder sechs Stufen, alternativ sind für alle Motorvarianten auch Doppelkupplungsgetriebe mit sechs oder sieben Stufen im Programm.
Neben starken Antrieben bietet der Beetle noch ein dynamisch ausgelegtes Fahrwerk. Wie beim Golf VI kommt auch hier eine Mehrlenkerhinterachse zum Einsatz, die großen Anteil an gehobenem Fahrspaßniveau hat. Die sportliche Note sorgt im Gegenzug allerdings auch für eine gewisse Grundhärte, die im Alltag auch schon mal nerven kann.
Von Haus aus gut gewappnet
Der Beetle bietet das große Kino der VW-Premium-Optionswelten. Vieles davon war allerdings nur optional im Angebot. Wer das Navi RNS 510, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Parkpiepser, Klimaautomatik, ein schlüsselloses Schließ- und Parksystem oder die Fender-Sound-Audioanlage will, muss gezielt bei Gebrauchten danach suchen. In Hinblick auf die Sicherheit ist der Neuzeit-Käfer hingegen bereits standardmäßig gut bestückt. Ein üppiger Reigen elektronischer Regelsysteme hält ihn sicher auf Kurs, sechs Airbags schützen im Crashfall, was ihm dann auch im Jahr 2011 beim EuroNCAP ein tadelloses Fünf-Sterne-Ergebnis einbrachte.
Zweite Generation deutlich robuster
Gemessen an den hohen VW-Ansprüchen war der Vorgänger New Beetle in puncto Qualität ein Flopp, was vor allem auf Probleme bei der Produktion im mexikanischen VW-Werk und den Zulieferern zurückzuführen war. Beim Beetle hat man, wie zumindest der TÜV-Report zeigt, wohl viele der einstigen strukturellen Probleme in den Griff bekommen. Zeigte die erste Auflage des Retro-Käfers bereits in jungen Jahren überdurchschnittlich oft Mängel bei den Technikchecks des TÜV, kann der Nachfolger bisher mit einer unterdurchschnittlichen Mängelquote glänzen. Echte Problemzonen wurden bisher keine ausgemacht. Insofern ist es nicht viel, auf das der Gebrauchtkäufer achten muss. Wer sich für den 1.2 TSI entscheidet, sollte die Steuerketten-Problematik im Auge haben. Wer einen Diesel will, sollte checken, ob die mit Schummelsoftware belasteten 1,6- und 2,0-Liter-Dieselmotoren (EA 189 ab Baujahr 2008) in der Werkstatt nachgebessert wurden.
War der New Beetle in Sachen Qualität ein eher unrühmliches Kapitel in der VW-Geschichte, steht sein namenstechnisch auf Beetle gestutzter Nachfolger deutlich besser da – nicht nur optisch, sondern auch bei den TÜV-Checks. Gehäufte Probleme haben sich bislang noch keine gezeigt und so kann der Neuzeit-Käfer dem Ur-Motto des Ur-VW „…läuft und läuft und läuft“ gerechter denn je werden. Wer auf ein gewisses Maß an Alltagsnutzen verzichten kann und bereit ist, für Kultdesign etwas tiefer in die Tasche zu greifen, macht mit dem Beetle eigentlich nichts falsch. Allerdings: Selbst für ältere Exemplare mit der grundsätzlich empfehlenswerten Basismotorisierung muss man noch fünfstellige Preise akzeptieren. (sp-x/mh/jms)
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