Gebrauchtwagentest: Toyota Auris II – Von der Vernunft angetrieben

Von dem seit Ende 2012 angebotenen Japaner tummeln sich mittlerweile einige tausend Exemplare auf dem Gebrauchtmarkt. Die Preise älterer Fahrzeuge haben vierstelliges Niveau erreicht. Karosserie und Innenraum: Waren Kompakte aus dem Hause Toyota in der Vergangenheit oftmals pummelige Allerweltsautos, erfreut die zweite Auris-Generation mit einer modernen und gefälligen und nicht mehr biederen Aura. Von einigen lieblosen Details abgesehen, kann sich auch der Innenraum sehen lassen. Vor allem in gehobenen Ausstattungen bietet der Auris schicke Materialien und eine wohnliche Atmosphäre. Beim Platzangebot bewegt sich der Japaner auf Klassenniveau. Vorne wie hinten haben die Insassen genug Kopf- und Beinfreiheit, zumal im Fond kein wuchtiger Kardantunnel stört. Der Kofferraum lässt sich beim Fünftürer - der beim Vorgänger noch angebotene Dreitürer wurde grundsätzlich gestrichen - von 360 auf 1.200 Liter erweitern. Die in der Länge stolze 4,56 Meter messende Kombiversion Touring Sports bietet sogar 530 bis 1.658 Liter.
Überschaubare Motorenpalette
Bei der Auswahl der Motoren ist das Angebot überschaubar. Toyota setzt vor allem auf Vernunftaggregate wie etwa den Basisbenziner 1.33 Dual-VVT-i, der mit 73 kW/99 PS bereits ausreichend viel Leistung bietet. Wer Power will, sollte den 97 kW/132 PS starken 1.6 Valvematic nehmen, der die 200-km/h-Marke knacken kann. Den besten Kompromiss aus ordentlichem Vortrieb und geringem Verbrauch bei den Benzinern bietet der seit Modelljahr 2016 angebotene 1.2 Turbo, der sich trotz seiner 85 kW/116 PS mit lediglich fünf Liter auf 100 Kilometer begnügt.
Nochmals sparsamer sind die Diesel. Rund vier Liter benötigt der 1.4 D-4D, der sich allerdings auch längsdynamisch mit seinen 66kW/90 PS eher in Bescheidenheit übt. Ordentlich Dampf stellt der 2.0 D-4D mit 91 kW/124 PS und 310 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Der starke Diesel wurde im Zuge der Modellpflege im Sommer 2015 allerdings durch den 1.6 D-4D ersetzt, der mit 82 kW/112 PS ähnlich wie der 1.2 Turbo gute Fahrleistungen mit mäßigem Verbrauch in Einklang bringt. Ein Ausnahmetalent ist der Hybridantrieb, bei dem das Zusammenspiel von Benziner und E-Motor Verbräuche unterhalb der Vierliter-Marke ermöglicht und bei dem dank der serienmäßigen Stufenlos-Automatik der Fahrer zudem nicht selber schalten muss. Gut jeder dritte gebrauchte Auris ist ein Hybrid, für den allerdings um einige tausend Euro höhere Preis als für konventionell abgetriebene Kompakte aufgerufen werden.
Gutes Preisleistungsverhältnis: Edition S+
Bei der Ausstattung kann es versionsabhängig große Unterschiede beim Auris II geben. So kommt die namenslose Basis recht nüchtern daher, etwas mehr bietet die nächsthöhere Version Cool. Für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis steht die Ausstattung Edition S+. Für diejenigen, die gehobenen Komfort wünschen, empfehlen sich die Varianten Style Selection oder Executive. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte zudem nach Fahrzeugen ab Modelljahr 2016 suchen, denn im Zuge des Facelifts wurde neben einer in vielen Details verbesserten Infotainment-Generation auch das Sicherheitspaket Safety Sense eingeführt, dass unter anderem Kollisionsverhinderer, Fernlichtassistent und Verkehrszeichenerkennung bündelt. Allerdings ist dieses erst seit dem Modelljahr 2017 für jedes Ausstattungsniveau auch Teil der Serienausstattung. Selbst ohne Safety Sense ist der Auris ein sicheres Auto, der bereits ab der Basisversion unter anderem mit einem Knieairbag für den Fahrer ausgestattet ist und entsprechend 2013 mit fünf Sternen beim EuroNCAP-Crashtest geadelt wurde.
Wie schon seine Vorgänger Corolla und Auris I gehört auch der Auris II zu den zuverlässigsten Kompakten am Markt. Laut TÜV-Report 2018 weist der Japaner im Vergleich zum Durchschnitt eine deutlich geringere Anfälligkeit für Mängel auf. Lediglich bei den Bremsbauteilen haben die Prüfer eine leicht erhöhte doch keineswegs beunruhigende Mängelquote festgestellt.
In Sachen Zuverlässigkeit ist der Toyota Auris II eine sichere Bank. Das macht sich auch beim Preis bemerkbar, denn Schnäppchen in vierstelligen Preisregionen finden sich eher selten. Vor allem beim besonders empfehlenswerten Auris Hybrid muss man einige tausend Euro mehr als für ein vergleichbares, aber konventionell getriebenes Kompaktmodell hinblättern. Etwas mehr in den gebrauchten Auris II zu investieren, kann sich auch in Hinblick auf die Ausstattung lohnen, denn erst ab dem Modelljahr 2016 stehen für den Toyota das Safety-Sense-Paket mit Kollisionsverhinderer und eine zeitgemäße Infotainment-Generation zur Verfügung. (sp-x/mh/jms)
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