Erster Test: Skoda Superb Facelift – Reicht das?

Reicht das, um seinen Vorsprung gegenüber dem in der Neuauflage deutlich aufgewerteten Octavia zu behaupten? Endlich mal wieder ein Facelift, dass seinem Namen alle Ehre macht. Bei der jüngsten Renovierung des Superbs hat Skoda sich vor allem auf optischen Arbeiten beschränkt. Dafür haben die Designer kräftig am Blech gezupft, um die Falten zu glätten. Die Front ist bis zur A-Säule komplett neu und vor allem durch die überarbeiteten Scheinwerfer und die stärker ausgeformte Motorhaube deutlich markanter. Gleichzeitig passt sich der Große optisch seinem kleineren Bruder Octavia an.
Auch am Heck wurde der Maßanzug nachgeschneidert, die neuen Rücklichter sollen dem Wagen mehr optische Breite verleihen und ihm einen selbstbewussteren Auftritt verschaffen. Die doppelte Ladeklappe der Limousine bleibt, musste bisher allerdings mit einem Knopf zwischen den klassischen Kofferraumdeckel und der kompletten Klappe gewechselt werden, gibt es nun zwei getrennte Öffner: Einmal geht nur die kleine Luke auf, mit dem anderen öffnet sich der große Schlund.
Neue Farben, neue Stoffe
Im Innenraum hat die Designer dagegen der Mut verlassen, neue Lenkräder, neue Farben, neue Stoffe – damit sind die Auffrischungsmaßnahmen bereits aufgezählt. Viel gab es aber in der Tat nicht zu tun, lediglich das Navigationssystem wirkt in Zeiten des neuen, im Octavia eingesetzten VW-Konzern-Bauteils mit riesigem Bildschirm und Gestensteuerung etwas veraltet. Außerdem braucht es - für heutige Verhältnisse - ziemlich lang, bis es die gewünschte Route kalkuliert hat.
Auch die technischen Neuheiten sind überschaubar. Wie gehabt gibt es drei Diesel (105, 140 und 170 PS) und vier Benziner (125 bis 260 PS), wahlweise mit manuellem Sechsgang-Getriebe oder Sechs- beziehungsweise Siebengang-DSG und bei manchen Modellen optional auch Allradantrieb. Neu ist die serienmäßige Stopp-Start-Automatik für die Diesel und den 1,4-Liter-Einstiegsbenziner; bis zu 19 Prozent Sprit sollen sich so sparen lassen. Günstigster Superb ist der kleine Diesel in der Greenline-Ausführung, der sich mit 4,2 Litern je 100 Kilometer begnügen soll.
Über 2.000 Euro für 0,3 Liter
In der Ultraspar-Version, die unter anderem auch mit rollwiderstandsoptimierten Reifen kommt, kostet der 1.6 TDI 27.490 Euro - der Kombi ist jeweils rund 1.000 Euro teurer. Verzichtet man auf die verbrauchssenkenden Maßnahmen und nimmt 0,3 Liter Mehrkonsum in Kauf, kann man den 1.6 TDI auch in der Basisversion Active für 25.190 Euro ordern. Allerdings geht Skoda davon aus, dass sich nicht einmal zehn Prozent der Käufer für den schwächsten Selbstzünder entscheiden.
Das ist eigentlich schade, denn der 1,6-Liter-Vierzylinder macht in dem gut anderthalb Tonnen schweren Superb (Limousine wie Kombi) eine ordentliche Figur. Seine 250 Newtonmeter Drehmoment bei 1.500 Umdrehungen reichen aus, um den 4,83-Meter-Tschechen in zwölf Sekunden auf Tempo 100 zu bringen. Am wohlsten fühlt sich der Motor bei rund 2.000 Umdrehungen, dann hängt er gut am Gas und zieht kräftig an; unterhalb von anderthalbtausend Umdrehungen vergisst er seine guten Manieren und wird etwas ruppig und vor allem laut. Mit dem präzisen Sechsgang-Getriebe lassen sich höhere Drehzahlen aber problemlos darstellen.
Nur als Handschalter
Und das ist im Grunde auch das einzige Manko des Motors: Es gibt ihn ausschließlich als Handschalter. Wer auf den Komfort des Automatikgetriebes nicht verzichten will, muss mindestens zum 140-PS-Diesel (ab 29.190 Euro) oder zum 160 PS starken 1.8-TSI-Benziner (28.290 Euro) greifen. Die Kombination aus Allrad und DSG gibt es dagegen nur bei den Top-Modellen, also dem 3,6-Liter-V6-Benziner (260 PS, 35.090 Euro) oder dem 170-PS-Diesel (36.410 Euro).
Wer sich in der Aufpreisliste umsieht, findet die üblichen Verdächtigen wie elektrische Sitze, Navigationssystem, Panoramadach oder Kurvenlicht; was nicht auftaucht, sind die mittlerweile gängigen Assistenzsysteme. Verkehrszeichenerkennung, Spurhalter oder Totwinkelwarner gibt es auch nach dem Facelift nicht. Einzig einen Parkassistenten kann man ordern, und einen Müdigkeitswarner. Während letzterer aber bei den meisten Herstellern gratis ist, verlangt Skoda 50 Euro dafür. Ein paar Jahre muss der Skoda Superb noch durchhalten, und mit den aktuellen Maßnahmen haben die Designer ihm seine Altersfalten aus dem Gesicht gestrichen und für die kommende Zeit fit gemacht. Dass vor allem die Diesel sparsamer geworden sind, ist eine schöne Zugabe; dass sich technisch sonst kaum was verändert hat, könnte ihm zum Verhängnis werden.
Denn seit der neue, günstigere Octavia (die schwächere Basis kostet 8.000 Euro weniger) auf dem Markt ist, der auch größenmäßig deutlich zugelegt hat und so für Großgewachsene geräumig genug ist, erscheint der Superb ein wenig obsolet. Und im günstigeren Octavia findet sich die modernere Technik, inklusive der heutzutage zum guten Ton zählenden Assistenzsysteme. Die werden - ebenso wie eine neues Navigationssystem - aber erst in der nächsten Generation des Flaggschiffs Einzug halten.
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