Mercedes CLA 250+ EQ im Test: Ist er wirklich epochal?

Der Mercedes CLA 250+ mit EQ-Technologie auf einen Blick
Was wir mögen
Die neue Sorgenfreiheit auf langen Strecken in einem E-Auto.
Was wir vermissen
Mehr Platz im Innenraum. Und eine Kofferraumklappe, die uns nicht ständig eine auf den Deckel gibt.
Perfekt wenn man …
… ein neues Firmenleasing sucht und niemanden mitnehmen muss.
Die Alternativen
BMW i4, VW ID.7, Tesla Model 3, Polestar 2
Stärken
- Hohe Reichweite
- Starke Ladeleistung
- Gutes Infotainment
Schwächen
- Wenig Platz
- Assistenten mit Ausfällen
- Teuer in der Anschaffung
Bei Daimler können sie weiterhin gute Autos bauen
Wenn es um den grundlegenden Autobau geht, lassen sie in Stuttgart weiterhin nichts anbrennen. Der neue CLA 250+ mit EQ-Technologie (bis zu 792 km WLTP-Reichweite) auf der ebenso neuen 800-Volt-Mercedes-Benz Modular Architecture (MMA) fährt sich wie ein guter alter Daimler. Mit heckgetriebenen 200 kW / 272 PS souverän im Vortrieb, fahrwerksseitig dem Komfort verpflichtet, aber stets präzise im Handling.
Dass es im Elektrozeitalter zudem auf ein cleveres Energiemanagement und eine starke Ladeleistung ankommt, hat man bei Mercedes nicht nur erkannt. Man hat hier sicherlich Benchmark-Qualitäten abgeliefert. So schafft der getestete CLA 250+ EQ mit seiner netto 85 kWh großen Batterie zum einen realistische 500 Kilometer Reichweite, und zum anderen lädt er bei Bedarf sehr schnell nach. Unter idealen Bedingungen sind tatsächlich bis zu 320 kW DC möglich - über Ladehemmnisse wie eine zu geringe Temperatur informiert das übersichtlich gestaltete Batteriemenü.
Bildergalerie: Mercedes-Benz CLA 250+ EQ

Ein epochales Automobil mit Kopfschmerzfaktor
Soweit können wir uns da einer epochalen deutschen Autozeitschrift in ihrer gleichermaßen epochalen Bewertung des CLA anschließen. Dass es uns beim Verstauen unserer Habseligkeiten im schmallukigen, aber tiefen Kofferraum (385 Liter + 100 Liter Frunk) gleich zweimal den elektrischen Heckdeckel auf das Haupt gehauen hat, fanden wir dann ganz und gar nicht bahnbrechend. Aber wer bewegt beim Einladen von Gepäck und Krimskrams schon die Füße unter die Stoßstange entlang der Sensorsteuerung …
Dass der CLA derweil nicht das üppigste Innenraummaß im Mercedes-Lineup zu bieten hat, verrät bereits der Name. Doch waren wir einigermaßen erstaunt, wie wenig Platz dann wirklich in einem 4,72 Meter langen Auto für über 70.000 Euro sein kann. Zwar ist bekanntlich in der kleinsten Hütte genügend Raum - das gilt allerdings nur so lange, wie die Hinterbänkler nicht sonderlich groß, dafür aber überdurchschnittlich gelenkig sind.
Platz (und Holzzierleisten) sucht man im CLA vergebens
Auch in Reihe eins fehlte es uns (1,94 m) ein wenig an Verstaumöglichkeiten für die unteren Extremitäten. Warum gibt es bei einem Elektroauto überhaupt noch eine solch „herausragende“ Mittelkonsole? Dafür gefällt das weitreichend elektrisch einstellbare Massagegestühl, und auch qualitativ macht der Mercedes-Viertürer überwiegend eine gute Figur. Von einem Coupé wollen wir an dieser Stelle dennoch nicht schreiben. Zwei Türen zu viel und so.
Mit Blick auf die gigantomanische Displaylandschaft (natürlich gegen Aufpreis) wird der ein oder andere Holzzierleistenfetischist mit Sicherheit Trübsal blasen. Vielleicht lässt sich auf der bald ein Meter breiten sowie dreigeteilten Bildschirmfläche demnächst auch ein Nussbaumwurzelholzdekor als aufpreispflichtiges Hintergrundbild anzeigen. Wäre auf jeden Fall nachhaltig.
Große Bildschirme, große Ausfälle
Davon abgesehen geht es bei der Bedienung (bis auf die touchsensitiven Lenkradtasten) ziemlich geordnet zu. Flott ebenfalls. Man kommt mit der Menüführung schnell zurecht, wobei wir vom angeblich intelligenten Sprachassistenten des MB.OS einigermaßen enttäuscht waren. So ganz verstanden haben wir uns zwischenzeitlich nicht. Das mag auch am Wirrwarr der verschiedenen Nutzerprofile gelegen haben (Mithörfunktion aktiviert oder nicht) und an nicht nachvollziehbaren Ausfällen bei der autointernen Internetverbindung.
Mit Ausfällen aller Art scheint sich der neue CLA ohnehin bestens auszukennen. Fehlfunktionen gehörten bei unserem Test zum Alltag. Mal spielte der Benz beim Rangieren keine Hilfslinien ins Bild der Rückfahrkamera ein, mal fielen alle (!) Assistenten gleichzeitig aus oder die Parkpiepser gaben einen nicht endenden Dauerton ab. Zwar lösten sich die Probleme zumeist mit einem Neustart in Wohlgefallen auf. Anders als die Verunsicherung bei den Mitreisenden, ob wir durch ein Softwareproblem nun doch irgendwo liegenbleiben.
Ein Benz, der so „effortless“ beschleunigt wie ein Rolls-Royce
Noch ein paar Worte zur Fahrdynamik: Diese ist in dieser Fahrzeugklasse wirklich eine Klasse für sich. Sowohl längs- als auch querdynamisch. Ähnlich einem Rolls-Royce Spectre (also doch monumental?) schießt der 272 PS starke Benz nicht einfach von dannen. Er beschleunigt mit würdiger Gediegenheit binnen 6,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Abgeregelt wird bei ebenso flotten 210 km/h, die schneller erreicht werden, als es die Sinnesorgane vermitteln. Denn zum flüsterleisen Antrieb passt die sehr gut gedämmte, von allem Weltlichen abgekapselte Kabine.
Währenddessen ist es uns ein Rätsel, dass andere Autobeschreiber angeblich nicht das Schalten des Zweiganggetriebes spüren. Es ist dann doch sehr gut vernehmbar, wenn die Electric Drive Unit (EDU) irgendwo zwischen 60 und 100 km/h in den „Overdrive“ wechselt und für eine minimale Zugkraftunterbrechung sorgt.
Ein E-Auto mit mehr als einem (nicht virtuellen) Gang? Immer noch ziemlich cool - und sehr effizient. So verbrauchten wir selbst bei zügigen Autobahnetappen jenseits der 180 km/h selten mehr als 25 kWh auf 100 Kilometer. Mit etwas Zurückhaltung ist der Alltag auch mit deutlich weniger als 16 kWh zu bewältigen.
Rekuperation? Hat er!
Auch in Kurven gibt sich der CLA 250+ EQ keine Blöße. Die Lenkung ist angenehm gewichtet und bietet ausreichend Rückmeldung von der Fahrbahn - dank Heckantrieb fehlen zudem störende Antriebseinflüsse. Dass der Benz knapp über zwei Tonnen wiegt, merkt man ihm kaum an. Sehr gelungen erscheint uns zudem die Abstimmung der fein ansprechenden und fest zupackenden Bremsanlage. Beim Fahrwerk ist den Ingenieuren derweil ein Kunstgriff zwischen Sport und Komfort gelungen - adaptiv geregelt wird hier selbst optional nichts.
Übrigens: Wer sich nach zwei Wochen mit dem CLA immer noch fragt, ob dieser eine Rekuperationsfunktion hat: Ja, die hat er. Sie wird eher untypisch für ein Elektroauto über das Heranziehen und Wegdrücken des Gangwahlhebels eingestellt.
Fazit 8,2/10
Der neue Mercedes CLA 250+ EQ ist ohne Übertreibung ein sehr gutes Elektroauto geworden. Antriebseffizienz, Batterietechnologie und Ladeleistung überzeugen über die Maßen. Von einem epochalen Meilenstein der Automobilgeschichte wollen wir dennoch nicht schreiben. Dafür mangelt es selbst für solch eine coupéhafte Bauweise an Platz im Innenraum, die Fahrerassistenzsysteme neigten zumindest beim Testwagen zu Komplettausfällen und dann wäre da noch der Preis. Dieser liegt in Deutschland für das getestete Modell bei über 55.000 Euro. Volle Hütte gehen auch mehr als 70.000 Euro - da muss die Leasingrate schon sehr attraktiv sein. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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